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Fasnetsumzug

Bunte Gaudi mit 3000 Hästrägern

Ganz Neckarweihingen befindet sich beim alljährlichen Faschingsumzug der Mistelhexen im Ausnahmezustand. Gestern zogen 78 Fastnachtsgruppen mit fast 3000 Hästrägern in einem kunterbunten Lindwurm durch den Flecken.

Zahlreiche Zuschauer säumen die Straßen, Hexen, Teufel und Prinzen treiben ihr Unwesen. Auch Stadtrat Dieter Juranek aus Neckarweihingen mischt sich unter die Narren (drittes Bild von oben).
Zahlreiche Zuschauer säumen die Straßen, Hexen, Teufel und Prinzen treiben ihr Unwesen. Auch Stadtrat Dieter Juranek aus Neckarweihingen mischt sich unter die Narren (drittes Bild von oben).
Die Mistelhexen gehen aufgrund der Coronakrise neue Wege. Auf den Fasnetsumzug (Bild von 2019) muss verzichtet werden.Archivfoto: Oliver Bürkle
Die Mistelhexen gehen aufgrund der Coronakrise neue Wege. Auf den Fasnetsumzug (Bild von 2019) muss verzichtet werden. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Die äußeren Bedingungen sind optimal. Am Sonntagnachmittag strahlt die Sonne am blauen Himmel, für einen Nachmittag im Februar ist es ungewöhnlich warm. Fast schon zu warm, findet mancher Narr. „Es ist wirklich traumhaft“, meint etwa Sibylle Szüsz, Vizepräsidentin der Carnevalsfreunde Murr. „Aber viele haben ja auch ein Fell an, die dürften ganz schön ins Schwitzen kommen.“

Die Murrer sind mit insgesamt 40 Narren nach Neckarweihingen gefahren. „Wir kommen immer wieder gerne hierher, wenn es unser Terminkalender zulässt“, betont Süß. Der Umzug sei angenehm, auch weil die Strecke im Vergleich zu anderen Umzügen relativ kurz sei. Eine Woche zuvor etwa waren die Carnevalsfreunde zu Gast in Ellhofen, dort wurde drei Stunden lang stramm marschiert.

In Neckarweihingen ist die Strecke in einer guten Stunde geschafft. Die Narren versammeln sich an der Abzweigung Haupt-/Neue Straße. Anschließend geht es durch Neue Straße und Lechtstraße, bevor der Tross wieder auf die Hauptstraße einbiegt und schließlich das Ziel in der Carl-Diem-Straße erreicht.

Konfettikanonen und bengalisches Feuer

Am Straßenrand verfolgen Unmengen von Zuschauern das bunte Treiben. Manchen Hästrägern sitzt der Schalk im Nacken. Gelegentlich wird mit Konfettikanonen geschossen, eine Hexe versucht, einem Mädchen die Schuhe zu stibitzen. Das Epizentrum befindet sich in der Hauptstraße, zwischen Feuerwehr und Rathhaus. Hier kommt ein Narr auf die Idee, ein bengalisches Feuer zu entzünden. Schon nach kurzer Zeit ist die halbe Ortsmitte eingeräuchert.

Moderator Ralf Diefenbach von den Mistelhexen lässt sich auf seinem Wagen nicht aus der Ruhe bringen und kommentiert aus erhöhter Position in aller Ruhe die närrische Parade. 78 Gruppen aus ganz Süddeutschland, zum Teil auch aus der Schweiz, sind am Start. Schon am Abend zuvor wurde beim Brauchtumsabend in der Willi-Krehl-Halle kräftig gefeiert. Die Schwarze Veri Zunft aus Ravensburg beispielsweise ist gleich mit drei Bussen angereist und verbringt das gesamte Wochenende in Neckarweihingen. Obwohl es am Vorabend recht spät wurde, sind die Ravensburger Narren voll bei der Sache.

Von der französischen Grenze nach Württemberg

Feiern wollen auch die Unzhurster Himbeergeister, die mit einem eigenen Partywagen in Neckarweihingen aufkreuzen. Unzhurst ist ein Ortsteil der im Landkreis Rastatt gelegenen Gemeinde Ottersweier. „Ihr kommt gerne von der französischen Grenze ins Herz Württembergs, und wir fahren immer wieder gerne in die Ortenau“, bekräftigt Moderator Diefenbach die gegenseitige Freundschaft.

Dann werden die Gäste aus Baden mit einem dreifachen „Himbeergeister“ verabschiedet, die Karawane zieht weiter.

Mitunter gibt es auch Kuriositäten wie den 1. Boßelclub aus der Landeshauptstadt zu bestaunen. Beim auch als Klootschießen bezeichneten Boßeln handelt es sich um den ostfriesischen Nationalsport, bei dem eine Kugel mit möglichst wenig Würfen über eine vorgegebene Distanz geworfen werden muss. Die Stuttgarter haben offensichtlich einen Narren an dieser hierzulande eher unbekannten Sportart gefressen.

Stefan Diefenbach, der Präsident der Mistelhexen, ist zufrieden. Nicht nur wegen des Traumwetters, sondern auch wegen des regen Zuspruchs. Es hätten sich noch mehr befreundete Vereine als sonst angemeldet. „Wir haben in diesem Jahr eine lange Kampagne bis März, da können die Vereine wahrscheinlich mehr Veranstaltungen im Terminkalender unterbringen“, vermutet der Präsident. Auch das öffentliche Interesse an der närrischen Gaudi ist immens. „Eine Schätzung ist natürlich schwierig“, meint Diefenbach. „Aber es düften heute schon 10 000 bis 15 000 Besucher an der Strecke stehen.“

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