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Verkehr

„Busbee“ kommt vorerst nicht

Die Teststrecke steht fest, doch der autonom fahrende Bus wird nicht geliefert – Hersteller verweist auf den Sommer

So schön die Fotocollage ist, die Wirklichkeit sieht anders aus: Der Bus steht noch unfertig in der Werkstatt.Foto: privat
So schön die Fotocollage ist, die Wirklichkeit sieht anders aus: Der Bus steht noch unfertig in der Werkstatt. Foto: privat

In der OB-Wahl und auf Werbeflyern ist er großartig beworben worden – doch der autonom fahrende Bus namens „Busbee“ (Busbiene) bleibt Ludwigsburg fern. Dabei sollte er seit Januar auf der Teststrecke fahren, die das Gewerbegebiet Weststadt bedienen sollte und sogar bis hinüber zum Gämsenberg und zum Heilbad reicht. Schon die ersten Termine konnten nicht gehalten werden und wurden mehrfach verschoben. Sogar ein Termin mit dem Verkehrsminister war vergangenes Frühjahr abgesagt worden.

Droht das Projekt komplett zu scheitern? In der Hamburger Hafencity fahren längst solche Kleinbusse im Test, in Bad Birnbach testet seit drei Jahren eine Tochter der Deutschen Bahn einen autonom fahrenden Bus. In Ludwigsburg wären es ebenfalls nur Testfahrten gewesen, der kleine „Busbee“ hätte Fahrgäste von sich und der Technik überzeugen sollen. Viele autonom fahrende Busse fahren 15 bis 25 Stundenkilometer, in Ludwigsburg sprach man immerhin von 45, allerdings stets unter Kontrolle eines Busfahrers.

Wie das Unternehmen Bern GmbH, das bei Hamburg den „Busbee“ herstellt, auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, ist das Fahrzeug noch nicht fertig. Es handle sich um neue Technologien und eine Vielzahl von Zulieferern, die das Projekt verzögerten. Auch werde das Fahrzeug in Handarbeit gebaut, „es ist ein Prototyp“, so Geschäftsführer Wolfgang Bern. Er geht trotz aller Probleme davon aus, dass er das Fahrzeug bis Sommer liefern kann.

So recht glauben können das die Partner nicht, die das Fahrzeug für die Teststrecke in Ludwigsburg kaufen würden. Denn momentan baut der Hersteller, so weit bekannt, auf eigenes Risiko. An der Uni Stuttgart hofft man schwer, dass das Projekt nicht stirbt. Man will es weiter voranbringen, arbeite mit Hochdruck daran. „Es läuft aber nicht so, wie wir es erhofft hatten“, so Dr. Dan Keilhoff vom Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart. Technisch sei es möglich, solche Fahrzeuge zu bauen, so sein Statement. Mehr will er dazu nicht sagen.

Skepsis ist auch Matthias Knobloch anzumerken, dem Leiter des Fachbereichs Mobilität in Ludwigsburg. Ob das Fahrzeug noch kommt, hält er für fraglich. Ob es noch dieses Jahr fahren wird, wie erhofft, glaubt er nicht mehr recht. „Es gibt keinen Zeitplan“, sagte er gegenüber der LKZ. „Wenn wir‘s hinkriegen, ist es okay, wenn nicht, ist es auch gut“, stellt er ernüchternd fest. Das einst hoch gehandelte Projekt scheint damit weit nach hinten gerückt zu sein.

Den Vorschlag des Forschungsinstituts, wegen der Lieferschwierigkeiten ein bestehendes Fahrzeug, wie etwa einen Sprinter, einfach umzurüsten und diesen autonom fahren zu lassen, hält er für weniger geeignet. „Da stellt sich schon die Frage, ob damit das eigentliche Ziel erreicht wird.“ Schließlich sollte es darum gehen, autonomes Fahren anhand des Testfahrzeugs erlebbar zu machen. Auch wollte die Uni Stuttgart weniger etwas über die Technik erfahren, sondern herausfinden, wie autonom fahrende Busse in der Bevölkerung akzeptiert werden.

Für Ludwigsburg ist es kein Beinbruch, findet Knobloch. „Es gibt derzeit andere wichtige Aufgaben und hat nicht höchste Priorität.“ Man sei stets offen für neue Entwicklungen, habe auch Teststrecken angeboten, primär seien aber andere dafür zuständig, neue Produkte zu entwickeln. Wenn diese auf dem Markt sind und funktionieren, könne jede Verwaltung, die verkehrspolitisch etwas tun will, zugreifen.

Bei den Stadträten steht der Testbetrieb mit dem „Busbee“ ebenfalls nicht an erster Stelle, zumal er aktuelle Verkehrsprobleme nicht löst. „Das sollte ja nur eine Show sein, der Bus sollte nicht die Leute zum Marktplatz transportieren“, stellt Grünen-Stadträtin Christine Knoß fest. Sie sieht in dem Projekt keine Dringlichkeit, verweist lieber auf die fehlenden Radwegverbindungen. „Allein schon die Seestraße oder die Friedrich-Ebert-Straße als Fahrradstraße auszuweisen, wäre viel wichtiger.“

„Manches war zu hoch gehängt, wir sind wieder in der Realität angekommen“, bemerkt SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Liepins. „Sollte der Bus kommen, wäre das schön, wenn nicht, ist es kein Nachteil.“ Auch sie denkt mehr an andere Verkehrsprojekte und daran, wie aktuell die Grenzwerte eingehalten werden können, um ein Fahrverbot zu vermeiden. Pförtnerampeln, Busspuren – das wäre wichtig. „Wir müssen uns fragen: Wie schaffen wir den Umstieg auf den Nahverkehr?“ sagte sie.

CDU-Stadtrat Maik Stefan Braumann hält die Idee, autonome Kleinbusse in der Stadt einzusetzen, für überlegenswert. Diese könnten zentrale Punkte in Wohnquartieren anfahren, was zu einer Attraktivitätssteigerung des ÖPNV beitragen würde. „Vor einer solchen Diskussion müssten allerdings die Folgen, Kosten und Auswirkungen dargestellt werden, um richtig abwägen zu können.“

Bei den Freien Wählern ist ein Rest von Begeisterung geblieben. „Autonomes Fahren wird kommen“, so Andreas Rothacker, der den autonomen Bus als „tolle Sache“ bezeichnet. Schließlich werde der Weg in Richtung Digitalisierung nicht mehr aufzuhalten sein. „So ein Projekt würde uns als Stadt schon guttun.“ Seiner Ansicht nach würden sich die Kosten auch in Grenzen halten.

Die Teststrecke stellt die Stadt bereit, den Bus schafft die Uni Stuttgart mit Unterstützung des Landes an.

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