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Schauinsland

Cubes im Neubaugebiet irritieren

Die Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) will ihre Modulbauten, sogenannte Cubes, zunehmend auch in Neubaugebiete platzieren, wie im Neckarweihinger Schauinsland. Hier sollen sieben Cubes entstehen, die Raum für Flüchtlinge, aber ebenso für normales Wohnen bieten. Jedoch war nicht jeder im Bauausschuss von der Idee, Cubes in das Neubaugebiet zu setzen, begeistert.

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Der Doppelcube in der Brucknerstraße im Schlösslesfeld ist ausgelegt für 56 Flüchtlinge. Dabei teilen sich vier Personen ein Zimmer und es gibt Gemeinschaftsküchen und -bäder. Wie die Modulbauten in Neckarweihingen innen und außen aussehen könnten, ist noch offen.Fotos: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Als „Fremdkörper“ und „ortsfremde Architektur“ bezeichneten einige Stadträte die Cubes, die im Neckarweihinger Neubaugebiet Schauinsland entstehen sollen. Die Wohnungsbau hat hier mehr Baugrund als üblich erhalten und sich im Gegenzug verpflichtet, dort auch zwölf Wohnungen für Flüchtlingsfamilien mit besonders guten Integrationsperspektiven zur Verfügung zu stellen (wir berichteten). Insgesamt sieben Cubes sollen es sein, sagte Stadtplaner Martin Kurt jetzt im Bauausschuss. Deshalb habe sich der Bebauungsplan etwas geändert. Tiefere Baufenster und durchgehende Fußbodenhöhen seien nun vorgesehen. „Es wird auch auf ein Staffeldach verzichtet, dadurch werden die Gebäude niedriger“, erklärte Kurt.

Doch nicht jeder im Bauausschuss konnte sich mit den Cubes anfreunden. „Die Cubes sehen wir mehr als kritisch“, stellte Maik Stefan Braumann (CDU) klar. „Die Architekturform ist eine völlig ortsfremde Architektur“, äußerte sich auch SPD-Stadtrat Dieter Juranek kritisch. „Ich habe das Gefühl, dass das Wohngebiet dadurch auseinanderfällt.“ Ob man die Cubes nicht besser verteilen und mit einer anderen Fassade versehen könnte. „Die Cubes sehen wie Fremdkörper in dem Neubaugebiet aus“, sagte Andreas Rothacker (Freie Wähler). Als hätte man einen Teil aus dem Baugebiet herausgeschnitten.

Hingegen positiv bewertete Christine Knoß das Vorhaben der WBL. Der Forderung, Flüchtlinge im Neubaugebiet unterzubringen, komme man damit nach, betonte die Grünen-Stadträtin. „Wir machen damit doch genau das, was die Bürger die ganze Zeit gefordert haben.“ Wenn man nicht damit anfange, mehr von den Cubes hinzustellen, lohne es sich nicht. Zudem würden diese auch für die normale Nutzung zur Verfügung gestellt werden, sagte Knoß. Auch Harald Lettrari betonte, dass die Cubes eben nicht nur für Flüchtlinge seien und man weg von diesem Denken kommen müsse.

Baubürgermeister Michael Ilk betonte schließlich, dass der Bauausschuss nicht beschließe, ob da Cubes hinkommen und wie man diese belege. Das sei nicht Sache des Bebauungsplanverfahrens. Man beschließe lediglich den Rahmen, dass dies nachher möglich sei. Stadtplaner Martin Kurt verteidigte die Cubes. „Das ist ein hochwertiger Systembau“, sagte er. Und ob es eine Holzverkleidung gebe, stehe völlig offen. „Es ist ein Baukastensystem, das man in allen Varianten bauen kann.“ Möglich sei beispielsweise auch eine hellgestrichene Putzfassade. Zudem versicherte Kurt, dass später kein Quartier im Quartier entstehe, sondern sich einfügen werde.

Margit Liepins (SPD) verwies noch darauf, dass bereits auf dem Bima-Areal ein Doppelcube für normales Wohnen entstehe. „Auch da diskutieren wir noch über eine andere Fassade“, sagte sie.

CDU-Stadtrat Braumann brauchte noch zwei Anträge ein: Die Palette der möglichen Ziegelfarben sollte erweitert werden. „Die Ziegelfarbe sollte nicht nur auf Rot- und Brauntöne beschränkt sein. Es sollte auch Anthrazit möglich sein.“ Zudem plädierte der CDU-Stadtrat dafür, den Stellplatzschlüssel anzuheben: von 1,2 Plätze auf 1,5 pro Wohnung. Martin Kurt betonte, dass die Stellplätze völlig ausreichend seien: 2,0 für Einfamilienhäuser und 1,2 für Wohnungen. Von dem Anthrazit bei den Ziegeln riet er ab. „Den Ortsrand sollten wir homogen halten“, so Kurt.

Baubürgermeister Ilk erwiderte zu Braumanns Anträgen, dass ein Satzungsbeschluss anstehe, da könne man nicht wieder ein Fass aufmachen. Braumann reagierte verärgert: „Wer macht denn das Fass auf? Wer ändert den Bebauungsplan?“ Cubes würden sich in keinster Weise städtebaulich einfügen, so Braumann. Und mit dem Bebauungsplan lege man schon fest, was für Gebäude hinkämen.

Die Anträge von Braumann wurden schließlich mehrheitlich abgelehnt. Dem geänderten Bebauungsplan stimmten zwei Drittel der Räte im Bauausschuss zu.