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LKZ-Jubiläum

Das Duo Lieb/Kern schreibt Stadtgeschichte

Die historischen Ausgaben unserer Zeitung aus dem 19. Jahrhundert sind voller spannender Geschichten, Dramen und Schicksale. Ein Großteil davon wäre heute völlig vergessen, wenn Christa Lieb und Wolfgang Kern sich nicht um dieses Erbe kümmern würden. Im Jubiläumsjahr unserer Zeitung werden wir jede Woche eine ihrer Stadtgeschichten erzählen.

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Die beiden haben sich gesucht und gefunden: Gemeinsam arbeiten Christa Lieb und Wolfgang Kern das 19. Jahrhundert auf. Foto: H. Wolschendorf

Ludwigsburg. Aufmerksame Leser haben es gewiss bemerkt: Im Jahr 2017 haben wir jeden Monat eine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert erzählt. Wobei Geschichte eigentlich das falsche Wort ist. Vielmehr handelt es sich um Tatsachenberichte. Einzige Quelle sind die Ausgaben unserer Zeitung aus dem 19. Jahrhundert.

Hinter diesen Berichten steckt die äußerst geschichtsinteressierte Autorin Christa Lieb. Seit 2014 arbeitet sie die historischen Ausgaben der Ludwigsburger Kreiszeitung ab 1818 Band für Band durch und sammelt dabei alle interessanten Berichte, Ereignisse und Anekdoten. Da aus dieser Zeit keine Fotos und kaum Bilder existieren, sorgt der Neckarweihinger Grafiker und Künstler Wolfgang Kern für die Illustration der Texte. Seine detailverliebten Zeichnungen unterstreichen die aus heutiger Sicht oft kuriosen Begebenheiten aus dem 19. Jahrhundert.

Auch im kommenden Jahr wollen wir unseren Lesern diese besonderen Stadtgeschichten erzählen. Im Jubiläumsjahr der Ludwigsburger Kreiszeitung – sie feiert 2018 ihren 200. Geburtstag – werden Christa Lieb und Wolfgang Kern deshalb in jeder Wochenendausgabe gemeinsam für uns ins 19. Jahrhundert zurückblicken und Stadtgeschichte schreiben.

„Was mich an dem Projekt interessiert, ist das alltägliche, einfache, unspektakuläre Leben in Ludwigsburg“, sagt Christa Lieb. Die bisherige Stadtgeschichte fokussiere sich vor allem auf das Schloss und die militärische Vergangenheit, findet sie. Das bürgerliche Leben, die Alltagsgeschichte, sei dagegen in weiten Teilen noch unbekanntes Terrain.

Auch Wolfgang Kern ist überrascht, welche Fülle an Material die Zeitungen aus dem 19. Jahrhundert hergeben. Mit seinen Illustrationen möchte er den Begebenheiten und Geschichten eine weitere Dimension hinzufügen. „Die Heiterkeit, die in den Zeichnungen steckt, ist gewollt“, sagt Wolfgang Kern. 2016 hat er die erste Illustration für eine der Zeitungsgeschichten von Christa Lieb entworfen. „Seither habe ich einen eigenen Stil dafür entwickelt“, sagt Kern. Für den hohen Wiedererkennungswert sorgen zusätzlich immer wiederkehrende Protagonisten in den Zeichnungen (Text unten).

Für Christa Lieb ist das 19. Jahrhundert das entscheidende Jahrhundert für Ludwigsburg. Mittlerweile hat sie alle Ausgaben aus dieser Zeit – von der ersten aus dem Jahr 1818 bis zum 31. Dezember 1899 – durchgearbeitet. Alle interessanten Begebenheiten, über die in dieser Zeit berichtet wurde, hat sie nach Themenfeldern sortiert. „Ludwigsburg hat im 19. Jahrhundert unglaubliche Veränderungen erfahren“, schildert Christa Lieb ihre Eindrücke.

Anfang des 19. Jahrhunderts siedelt der württembergische Hof endgültig nach Stuttgart über. Für die Stadt folgt erst ein Niedergang, dann die Revolution von 1848 und schließlich der Anschluss an die Eisenbahn und die Industrialisierung. Mit dem Hof oder dem württembergischen Adel hatten all diese Entwicklungen nicht mehr viel zu tun. Im 19. Jahrhundert wird Ludwigsburg zur Bürgerstadt. „Die Wiedergeburt von Ludwigsburg ist allein der Initiative der Bürger zu verdanken“, erklärt Christa Lieb.

Diesen Fokus auf die Bürger, auf die Mägde und Dienstboten, auf die Handwerker und das einfache Volk, will Wolfgang Kern mit seinen Zeichnungen unterstreichen. „Ich möchte den Blick auf die Menschen lenken, auf das Leben damals“, sagt der Künstler. Sein Blick ist dabei auch von einer gewissen Ehrfrucht erfüllt. Denn einfach war das Leben für viele Menschen damals nicht. Gerade für unsere schnelllebige, saubere und zuweilen gefühlskalte Gegenwart möchte er mit seinen Illustrationen über das Stadtleben im 19. Jahrhundert einen Gegenentwurf unterbreiten. Neben den Texten von Christa Lieb erschafft er damit eine zweite Erzählebene, die eine eigene Botschaft für den Betrachter bereithält.

Die Zusammenarbeit zwischen Christa Lieb und Wolfgang Kern, die sich seit über 30 Jahren kennen, hat sich perfekt eingespielt. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, sagt Christa Lieb. Ist sie mit ihren Texten fertig, entwickelt sie gemeinsam mit Wolfgang Kern erste Ideen für die Illustrationen. Dem Künstler selbst obliegt es dann, aus den zentralen Passagen der Geschichten, diejenigen auszuwählen, mit denen er zeichnerisch eigenständige Botschaften aus der Zeit des 19. Jahrhunderts umsetzen kann.