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Schloss

„Das ist eine Operation am offenen Herzen“

Es ist eine hervorragende Bilanz, die Schlossverwalter Stephan Hurst vorlegen kann. 359.000 Gäste zählte das Schloss im vergangenen Jahr, so viele wie nie zuvor. Doch Hurst dämpft gleich die Erwartung, dass der Aufwärtstrend auch in diesem Jahr so weitergehen wird. „Das wird nicht der Fall sein. Wir unterziehen das Gebäude einer Operation am offenen Herzen.“

Das Schloss ist ein Besuchermagnet. Neue Übersichtspläne sollen es den Gästen noch leichter machen, sich in der barocken Anlage zurechtzufinden. Foto: Oliver Bürkle
Das Schloss ist ein Besuchermagnet. Neue Übersichtspläne sollen es den Gästen noch leichter machen, sich in der barocken Anlage zurechtzufinden. Foto: Oliver Bürkle

Es ist ein Prachtbau, der seinesgleichen sucht. Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut, ist es in seiner ursprünglichen Form bis heute erhalten, und genau das macht es zu etwas so Besonderem.

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„Es ist schön, dass wir den Räumen ihre Ursprünglichkeit zurückgeben können.“

Stephan Hurst
Schlossverwalter

Seit Jahren schon gehen die Besucherzahlen nach oben. Auch 2018 konnte im Vergleich zum Vorjahr ein kleines Plus von 2,5 Prozent festgestellt werden. Dabei war 2018 „wettertechnisch kein ideales Jahr für uns“, sagt Schlossverwalter Stephan Hurst. Der Sommer war zu heiß, der goldene Herbst lockte die Menschen mehr ins Freie. Dennoch steht am Ende des Jahres ein Besucherplus. „Bei den Museumsbesuchern, die bei der Bilanz mitzählen, haben wir einen Zuwachs von 20 Prozent“, sagt Hurst. Die klassischen Schlossbesucher seien hingegen ganz leicht rückläufig.

Einen „besonderen Stolz“ nennt Hurst die Sonderführungen. „Das ist ein großer Schatz, den unsere Schlossführer möglich machen.“ Denn die Ideen und Impulse zu neuen Sonderführungsformaten kommen meist von den Mitarbeitern selbst. Besonders gut sei im vergangenen Jahr die Halloween-Führung angekommen. „Die werden wir auf jeden Fall wiederholen.“

Auch die Standardführung kommt nach wie vor gut an. Vor nicht allzu langer Zeit hatte man diese von 90 Minuten auf 60 Minuten gekürzt. Besucher können nun wahlweise den Bereich der Königin oder den des Königs im Schloss besuchen. „Diese Veränderung hat sich als richtig erwiesen“, sagt Hurst rückblickend.

Veranstaltungen wie beispielsweise die Lego-Ausstellung oder Konzerte im Schlosshof eröffnen der Schlossverwaltung Zugang zu einem Publikum, das sonst vielleicht nicht zu erreichen gewesen wäre. Hierzu zählt auch die Aktion „Küss mich“ in der Valentinswoche. „Paare, die sich hier küssen, sind potenzielle Hochzeitspaare, oder Paare, die hier ihre Hochzeitsfotos machen“, so Hurst. Allein im vergangenen Jahr wurde die Kulisse 831-mal für Hochzeitsfotos genutzt, knapp 200-mal wurde im Schloss geheiratet. „Ich finde es toll, dass die emotionale Verbundenheit der Menschen hier in der Region zum Schloss so groß ist.“

In diesem Jahr jedoch wird es einen Einschnitt geben. Hurst spricht von einer „Operation am offenen Herzen“ und meint die Neukonzeption des Neuen Corps de Logis, jenem Gebäudeteil, der sich rechts befindet, geht man durch den Torbogen mit der Schlosskasse hindurch. „Es wird Einschränkungen für unsere Besucher geben, aber den Führungsbetrieb werden wir aufrechterhalten.“ Wenngleich zeitweise mit modifizierter Wegeführung.

Hinter der Neukonzeption steht eine Entdeckung von Konservatorin Dr. Patricia Peschel. Diese hat nach den Worten Hursts alte Aufzeichnungen entdeckt, wie dieser Teil des Schlosses zu Zeiten König Friedrich I. ausgesehen hat. Er war der erste Bewohner dieses Traktes, somit sind die Dokumente Nachweis für die Original-Ausstattung. „Die Einrichtung, die wir heute schon zeigen, ist original“, sagt Hurst. „Aber wir wussten bis dato natürlich nicht, wo welches Möbel stand, wie es in den Räumen ganz genau aussah.“ Auch Wandbespannung und Fenster werden im Zuge dessen restauriert. „Es ist schön, dass wir den Räumen wieder ihre Ursprünglichkeit zurückgeben können.“ Gleichzeitig katapultiert diese Neukonzeption Schloss Ludwigsburg an die Spitze der europäischen Schlösser. „Das gibt es in dieser Form kaum ein zweites Mal.“

Ein Jahr werden die Arbeiten in Anspruch nehmen. Zunächst wird das Appartement des Königs in Angriff genommen, dann das Appartement der Königin. Die Arbeiten werden teils auch am Abend stattfinden, um den Ablauf für die Besucher nicht allzu sehr zu stören. „Das ist ein Jahrhundertprojekt“, so Hurst.

Nächstes Jahr, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, rechnet die Schlossverwaltung wieder mit steigenden Besucherzahlen, insbesondere Erstbesucher könnten dann vermehrt kommen, schätzt Hurst. „Das Schloss ist für Ludwigsburg als Tourismusstadt unglaublich wichtig. Ich denke, da haben wir noch einiges an Potenzial.“

Das beliebteste Monument der Staatlichen Schlösser und Gärten ist übrigens seit Jahren unangefochten Schloss Heidelberg mit fast 1,14 Millionen Besuchern.

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