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Straßenlauf

„Das ist pures Genusslaufen“

Mit knapp 4800 Anmeldungen hat sich der Citylauf wieder mal als absolutes Großereignis erwiesen. Bei sommerlichen Temperaturen hatte am Ende der Stuttgarter Straßenläufer Arne Gabius die Nase vorne, der den Streckenrekord allerdings knapp verfehlte.

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Von 2033 gemeldeten Läufern kamen 1756 ins Ziel.Fotos: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Für die Läufer stellt die Zehn-Kilometer-Distanz eine echte Herausforderung dar. Die Sommerhitze liegt schwer über der Stadt, auch am späten Abend liegen die Temperaturen noch um die 30 Grad. „Übertreibt es nicht, es ist noch sehr heiß“, wendet sich Veranstalter Roy Fischer kurz vor dem Start an die Hobbyläufer. Profi Arne Gabius aus Stuttgart-Stammheim hat einen einfachen Tipp: „Man muss versuchen, Lockerheit zu bekommen. Wenn man verkrampft, ist es vorbei.“

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19. Citylauf in Ludwigsburg

Das hört sich leicht an, ist aber schwer umzusetzen. Zumal die Strecke anspruchsvoll ist: Nach dem Start am Rathaus stehen zwei Schleifen durch die Innenstadt und die Oststadt auf dem Programm. Dabei passieren die Läufer unter anderem zweimal die Schlossstraße und müssen auf einer 600 Meter langen Steigung 40 Höhenmeter überwinden. „Die Strecke ist toll, aber vor diesem Anstieg habe ich immer am meisten Bammel“, sagt Oberbürgermeister Werner Spec, der sich trotz Wadenproblemen durchbeißen wird. Nach hervorragenden 56:37 Minuten durchläuft er die Ziellinie.

Neben Gabius sind auch weitere Profis wie der Düsseldorfer Timo Göhler, im vergangenen Jahr bester deutscher Bahnläufer über 10 000 Meter, oder Joseph Katib aus Fürth, Deutscher Meister im Berglaufen, mit von der Partie. Er sei ein wenig nervös, sagt Katib. Allerdings nicht, weil er kurz vor dem Start immer noch keine Startnummer hat, „sondern weil das Feld so stark ist wie jedes Jahr“.

Nach den Menschen mit Handicap, Bambinis, Schülern und Jugendlichen startet der Zehn-Kilometer-Hauptlauf pünktlich um 20 Uhr. Das Teilnehmerfeld ist so groß, dass sich die letzten Läufer erst vier Minuten nach dem Startschuss in Bewegung setzen. Die Stimmung ist gut, viele Besucher feuern die Läufer am Streckenrand an.

Schon früh deutet sich ein hohes Durchschnittstempo an. „Die sind schnell unterwegs“, meint Moderator Achim Seiter und mahnt Vernunft an. Für viele Läufer bildet eine Stunde jene Schallmauer, die unbedingt unterboten werden soll. „Aber wenn man mit Gewalt etwas durchziehen will, geht der Schuss meistens nach hinten los“, warnt der Moderator. „Besser man wartet bis zum nächsten Jahr und bleibt unter einer Stunde.“

Dennoch geben die Läufer alles. Auf der etwa 200 Meter langen Zielgeraden in der Wilhelmstraße werden die letzten Kräfte mobilisiert, es kommt immer wieder zu heftigen Duellen. „Da wird gebissen, gespurtet und gekämpft, das ist pures Genusslaufen“, zeigt sich Seiter begeistert. „Die haben richtig Spaß, alles aus ihren Körpern rauszuholen.“

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Am besten in Form ist Arne Gabius, der sich gleich zu Beginn an die Spitze setzt und diese Position nicht mehr abgeben wird. Die Profis machen die Sache erwartungsgemäß unter sich aus, am Ende landet der Stammheimer mit einer guten Minute Vorsprung vor Göhler und Katib im Ziel. Bei den Damen setzt sich Göhlers Freundin durch, die Amerikanerin Lauren Larocco. Die beiden haben sich in den Staaten kennengelernt und sind kurzfristig vom Höhentraining im US-Bundesstaat Colorado nach Ludwigsburg gekommen. Gabius‘ Freude wird nur durch einen Wermutstropfen getrübt: Den Streckenrekord, den der ehemalige 10 000-Meter-Europameister Jan Fitschen 2012 mit 29:59 Minuten aufstellte, kann er nicht unterbieten – der Stammheimer braucht 30:52 Minuten für die zehn Kilometer.