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Ehemalige Königin-Olga-Kaserne

Das Sportinternat verkleinert sich

Schlechte Auslastung, hohe Kosten: Die Kritik am Ludwigsburger Vollzeit-Sportinternat war zuletzt groß, die finanzielle Lage angespannt. Die Verantwortlichen haben das vergangene Jahr genutzt und das Internat verkleinert. Jetzt gehören leere Zimmer der Vergangenheit an.

Das Vollzeit-Sportinternat sowie das Teilzeitinternat sind seit 2009 in der sanierten ehemaligen Königin-Olga-Kaserne untergebracht. Zum Bildungszentrum West ist es nur ein Katzensprung, auch viele Trainingsstätten sind von dort schnell erreichbar. A
Das Vollzeit-Sportinternat sowie das Teilzeitinternat sind seit 2009 in der sanierten ehemaligen Königin-Olga-Kaserne untergebracht. Zum Bildungszentrum West ist es nur ein Katzensprung, auch viele Trainingsstätten sind von dort schnell erreichbar. Foto: Holm Wolschendorf

Eine Gnadenfrist gab es vor einem Jahr von den Stadträten. Ein finanziell tragfähiges Konzept sollte her, nur dann wären die Stadträte bereit, den jährlichen Zuschuss von 75.000 Euro zu bewilligen.

„Das Sportinternat hat geliefert“, sagt Raphael Dahler nicht ohne Stolz im Gespräch mit unserer Zeitung. Dahler ist im Rathaus nicht nur der Fachbereichsleiter für Sport und Gesundheit, sondern auch einer der drei ehrenamtlichen Geschäftsführer des Sportinternats. Beim Blick auf die Belegungszahlen des Vollzeit-Sportinternats wurde deutlich: „Die 21 Internatsplätze sind eines der Hauptprobleme bei der Finanzierung der gemeinnützigen GmbH, da diese nie voll belegt waren“, so Dahler. Leere Zimmer produzieren Kosten, weil das pädagogische Personal trotzdem vorgehalten werden muss.

Aus Sicht der Geschäftsführer war nur eine Belegung mit 9 bis 12 Internatsschülern realistisch, so wurde beschlossen, den Betrieb des Vollzeitinternats zu verkleinern. Das war räumlich in der ehemaligen Königin-Olga-Kaserne gut machbar. Im Erdgeschoss finden die Angebote des sogenannten Teilzeitinternats statt. Das Vollzeit-Internat belegte ursprünglich die Räume im 1. und 2. Obergeschoss. Nach der Änderung der Konzeption wurde beschlossen, das 1. Obergeschoss als Vollzeitinternat zu belassen und die Räume im 2. Obergeschoss anderweitig zu vermieten. Als Interessenten standen die Ludwigsburger Sportvereine bereit: Sie meldeten Bedarf nach Wohnraum für junge Sportler an, die zwar nicht mehr schulpflichtig sind, aber noch in der Jugend aktiv oder gerade auf dem Sprung zu den Aktiven sind.

Ganz ohne Baumaßnahmen hat die neue Konzeption allerdings nicht funktioniert. Damit im 2. Obergeschoss eine Sportler-Wohngemeinschaft entstehen konnte, musste ein Gemeinschaftsraum mit einer Küche ausgestattet werden. „Wir sind sehr froh, dass die Bürgerstiftung die Kosten von 10.000 Euro übernommen hat“, so Dahler. Neben den jungen Sportlern wohnen weiterhin zwei junge Männer in der Wohngemeinschaft, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vor zwei Jahren in die freien Internatsräume eingezogen sind. „Die beiden sind uns einfach ans Herz gewachsen“, so Dahler.

Neben der räumlichen Schrumpfkur wurde auch beim Personal gespart. Raphael Dahler spricht von einer „massiven Aufgabenkritik“, bei der etwa Verwaltungsaufgaben auf die Geschäftsführung oder die Erzieher verteilt wurden. „Wir konnten eine Stelle in der Verwaltung einsparen“, so Dahler.

Die Verkleinerung des Vollzeit-Internats sieht die pädagogische Leiterin Sandra Fuchs positiv: „Wir sind jetzt viel bedarfsgerechter.“ Sie hat die Veränderungen genutzt, um ein neues pädagogisches Konzept für das Vollzeitinternat zu entwickeln. Eine Tennisspielerin und eine Basketballspielerin wohnen aktuell im Internat, dazu kommen sieben männliche Jugendliche aus Basketball und Leichtathletik. Sie profitieren von Lernbegleitung, Mentaltraining, Angeboten rund um Gesundheit und Ernährung. Falls die Nachfrage nach Vollzeit-Internatsplätzen in Ludwigsburg wider Erwarten steigen sollte, sei das auch kein Problem. „Es ließe sich alles wieder rückgängig machen“, so Fuchs.

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