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Innenstadt

Der Arsenalplatz bleibt ein Parkplatz

Eine Mehrheit der Stadträte will außerdem die Arsenalstraße für Autos offen halten – Ideenwettbewerb bis Ende 2019 – Die Grünen toben

Der Arsenalplatz aus der Vogelperspektive: Zumindest ein Teil der Parkplätze soll auch nach dem Umbau des Platzes zunächst erhalten bleiben.Archivfoto: Werner Kuhnle
Der Arsenalplatz aus der Vogelperspektive: Zumindest ein Teil der Parkplätze soll auch nach dem Umbau des Platzes zunächst erhalten bleiben. Foto: Werner Kuhnle

Ludwigsburg. „Schwachsinn!“, „Blödsinn!“, schimpft die Grünen-Stadträtin Dr. Christine Knoß in Richtung der Verwaltung und der anderen Fraktionen. Nur mit Mühe kann Baubürgermeister Michael Ilk sie zur Ruhe ermahnen: „In diesem Stil möchte ich nicht diskutieren.“ Das macht Knoß noch wütender. „Heute ist ein Tag, an dem man weinen muss“, klagt die Stadträtin.

Innenstadt-Entwicklung
Neugestaltung der City

Das Projekt ZIEL (Zentrale Innenstadtentwicklung) wurde 2013 ins Leben gerufen. In diesem Projekt überlegen Verwaltung, Stadträte, Innenstadthändler, Bürger und Experten, wie die Innenstadt auf der Achse zwischen Bahnhof und Marstall gestärkt werden kann. Kernstück ist die Umgestaltung des Arsenal- und des Schillerplatzes. Dort brauche man vor allem mehr Aufenthaltsqualität und attraktive Anziehungspunkte für die Menschen – auch am Abend und nach Ladenschluss. Mit ZIEL möchte Ludwigsburg auch auf die schwierige Situation der Innenstadt durch den boomenden Online-Handel reagieren. Die Kunden müssten immer emotionaler angesprochen werden – dazu gehöre auch die Gestaltung des öffentlichen Raums. (wa)

Was war geschehen? Im Bauausschuss stand die Beauftragung eines Gestaltungswettbewerbs für den Arsenalplatz und sein Umfeld zur Diskussion. ZIEL heißt dieses Projekt (Infobox), über das seit nunmehr fünf Jahren diskutiert wird. Kernstück ist eine völlige Umgestaltung des Arsenalplatzes. Vor allem die Grünen hatten in dieser Diskussion von Anfang an dafür plädiert, den Parkplatz dort aufzugeben und den Arsenalplatz stattdessen in einen Stadtplatz mit viel Grün umzugestalten. Und die Arsenalstraße wollen die Grünen am liebsten für den Autoverkehr sperren.

Dazu kommt es jetzt aber nicht – zumindest vorerst nicht. Alle anderen Parteien stimmten für den Vorschlag der Stadtverwaltung, den Ideenwettbewerb mit Parkplätzen auf dem Arsenalplatz und einer weiterhin auch für Autos geöffneten Arsenalstraße zu starten. Grundlage für diese Entscheidung ist ein Treffen von Stadträten, Innenstadthändlern, Einzelhandelsexperten und Mitgliedern der Stadtverwaltung, das kurz vor der Bauausschusssitzung stattgefunden hat. Zwei wesentliche Ergebnisse dieses Treffens sind: „Der Arsenalplatz soll möglichst vielen Nutzungen und Bedürfnissen gerecht werden“ und „eine Schließung der Arsenalstraße für den Durchgangsverkehr ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht vorstellbar.“

Der Gestaltungswettbewerb hat damit folgende Ziele: Der Arsenal- und auch der Schillerplatz sollen zu attraktiven Innenstadträumen umgestaltet werden. Für den Arsenalplatz ist auf einer Teilfläche ein Multifunktionsareal vorgesehen, das für Veranstaltungen, aber auch zum Parken benutzt werden kann. Das bedeutet, dass zumindest ein Teil der Parkplätze erhalten bleibt. Auch der Platz zwischen Staatsarchiv und Zeughaus soll in einen attraktiven Innenhof mit Außengastronomie verwandelt werden. Dadurch erhoffen sich Verwaltung und Händler eine bessere Verbindung zur Fußgängerzone in der Seestraße.

Die Planer haben außerdem die Aufgabe, jeden dieser Teilbereiche so zu gestalten, dass sie unabhängig voneinander – also stufenweise – realisiert werden können.

Auch wenn eine Multifunktionsfläche mit Parkplätzen auf dem Arsenalplatz entstehen soll, stellte Stadtplaner Martin Kurt klar: „Wir bauen keinen Parkplatz auf dem Arsenalplatz.“ Der langfristige Wunsch bleibe ein autofreier Platz. Reinhold Noz (CDU) lobte, dass die Stadt einen Planungswettbewerb in einzelnen Schritten vorsieht: „Jede Stufe kann Endstufe sein.“ Gleichzeitig bedauerte er das Verhalten der Grünen: „Mit allen kann man vernünftig reden, nur von den Grünen kommen nur Beleidigungen und Belehrungen.“

Christine Knoß äußerte neben ihrem bereits erwähnten Wutausbruch noch die Sorge, dass der Parksuchverkehr durch die Entscheidung nicht weniger werde. Denn solange es dort Stellplätze auf dem Arsenalplatz gebe, suchen Autofahrer auch danach.

Neben den Grünen ist auch die SPD etwas unglücklich mit der Entscheidung, obwohl sie den Wettbewerb unter den genannten Voraussetzungen mitträgt. „50 Stellplätze auf dem Arsenalplatz retten nicht den Einzelhandel Ludwigsburgs“, so SPD-Stadtrat Dieter Juranek zu den Bedenken der Innenstadthändler. Und: „Aufenthaltsqualität erhalten wir durch Stellplätze nicht.“ Er hofft jetzt darauf, dass der Wettbewerb „tolle Lösungen und Visionen“ bringt. „Ich will endlich über Gestaltung sprechen, nicht nur über Stellplätze und Verkehr.“

Andreas Rothacker von den Freien Wählern ist mit der Entscheidung dagegen voll zufrieden: „Hier siegt die Vernunft gegen jeden Populismus.“ Keiner wisse, wie sich der Verkehr in den nächsten Jahren entwickle. Elektroautos und autonomes Fahren könnten den Individualverkehr revolutionieren. „Wir können die Arsenalstraße nicht einfach schließen.“ Es sei beschämend, wie die Verwaltung von den Grünen beschimpft werde. Baubürgermeister Ilk gab der Ökopartei noch den Grundsatz mit auf den Weg, dass zu einer Demokratie auch Kompromissfähigkeit gehöre. „Die Grünen können alles ablehnen, aber dann passiert am Ende vielleicht gar nichts.“

Der Wettbewerb soll jetzt Anfang 2019 ausgeschrieben werden. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich 30 bis 40 Teams aus Planern und Landschaftsarchitekten daran beteiligen werden. 235.000 Euro sind für den Wettbewerb eingeplant. Das Preisgericht soll Ende 2019 tagen.

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