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Bahnhofsmanager

„Der Bahnhof ist besser als sein Ruf“

Bis vor kurzem sollte er als Innenstadtbeauftragter von Luis den Handel in Schwung bringen, seit Mai ist Axel Müller der neue Bahnhofsmanager. Er will für mehr Sauberkeit sorgen, denkt über ein Alkoholverbot nach und will sein Büro an den Bahnhof verlegen.

Axel Müller findet, dass der Bahnhof eigentlich gar nicht so schlecht ist. Zu verbessern gebe es trotzdem genug.Foto: Benjamin Stollenberg
Axel Müller findet, dass der Bahnhof eigentlich gar nicht so schlecht ist. Zu verbessern gebe es trotzdem genug. Foto: Benjamin Stollenberg

Nach Jahren der Vakanz hat Ludwigsburg wieder einen Bahnhofsmanager. Was ist Ihre Mission?

Das große Ziel ist, dass dieser Ort zu einem besseren Ort wird. Meine Zuständigkeit sind vor allem die Themen Sicherheit und Sauberkeit.

Was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Die Wahrnehmung ist oft eine falsche. Ich finde, der Bahnhof ist besser als sein Ruf. Wir haben zum Thema Mobilität derzeit eine Aufbruchstimmung, vergleichbar mit der Zeit, als die Bahn überhaupt kam. Ich würde mir wünschen, dass diese Aufbruchstimmung für die 2020er Jahre und darüber hinaus von diesem Ort ausginge.

Was haben Sie in den ersten drei Monaten bewirkt?

Ich habe ein Vertrauensverhältnis zu den Partnern aufgebaut: der Deutschen Bahn, der Dibag und der Neuen Arbeit. Es kam von allen Beteiligten die Rückmeldung, dass man dankbar ist, wieder einen Ansprechpartner zum Thema Bahnhof zu haben. Erreicht habe ich bisher, dass bestimmte Orte am Bahnhof wieder grundgereinigt werden – zum Beispiel der Boden in der Unterführung. Wir haben uns zum Thema Reinigungskonzept auf die Reise gemacht. Das bisherige Konzept soll überarbeitet und anschließend neu ausgeschrieben werden.

Was ist mit der Sicherheit?

Es soll ein Sicherheitsprogramm Ludwigsburger Bahnhofsareal geben. Aus der gefühlten einheitlichen Fläche aus Zentralem Omnibusbahnhof, Bahnhof, Vorplatz und Parkhaus soll tatsächlich eine einheitliche Fläche im Sinne einer einheitlichen Hausordnung werden.

Ihr Vorgänger Arne Wintermeier hat ein Reinigungs- und Lichtkonzept geschaffen, den Kiosk verschwinden lassen und die Unterführung aufgefrischt. Er hat auch für Musik gesorgt, die auf dem Weg zu den Gleisen erklingt. Was wird von Ihnen bleiben?

Mir geht es weniger um einen Farbwechsel von Tapeten. Mir ist es wichtiger, dass die Arbeit des Vorgängers und meine dazu führt, den Bahnhof positiver wahrzunehmen. Darin liegt meine Hauptaufgabe: dass aus dem gefühlten Unort ein Ort wird.

„Der Bahnhof ist sicherer geworden.“ Unsere Überschrift zur Polizeistatistik am Bahnhof hat bei unseren Lesern teils heftige Reaktionen hervorgerufen. Es hieß, wir würden Märchen erzählen.

Um mir selbst ein Bild vom Bahnhof machen zu können, war ich mehrfach mit dem Kommunalen Ordnungsdienst unterwegs. Auch nachts um halb drei war es ein angenehmer Ort. Natürlich gab es Partyheimkehrer, aber es waren keine Pöbler unterwegs.

Warum fühlen sich trotzdem so viele Menschen am Ludwigsburger Bahnhof unwohl – tagsüber wie nachts?

Das kann ich nachvollziehen. Wer nachts mit der S-Bahn ankommt und auf die Toilette muss, läuft bis hinten zum Busbahnhof, an einen Ort, der nicht wirklich schön ist. Oder ich laufe durch ein Gebäude und nehme Leerstand wahr. Auch die Bauarbeiten in der Myliusstraße haben zuletzt zu einem negativen Eindruck beigetragen.

Ein Bahnhof ist ein Ort des Ankommens und des Abfahrens. Infolgedessen gibt es immer wieder Wartezeiten. Die Gruppe der Arbeitssuchenden, Obdachlosen oder Menschen, die ein Zuhause auf Zeit in Deutschland haben, suchen sich einen Ort, an dem sie nicht alleine sind. Die Summe dieser Dinge sorgt dafür, dass Menschen sich unsicher fühlen und sich orientieren müssen. Wenn dann noch eine schlechte Orientierung und der nicht ungewöhnliche Zeitdruck hinzukommen, fühlt man sich sehr schnell unwohl.

Natürlich kann man die Delikte, die am Bahnhof passieren, nicht wegdiskutieren. Aber auch das ist Teil unserer Gesellschaft.

Welchen Handlungsspielraum gibt es?

Wir können es für eine bestimmte Klientel etwas ungemütlicher machen. Weniger Alkohol, weniger Spielautomaten, weniger Sitzgelegenheiten. Wir hatten die Abschaltung des WLANs vor den Eingangstüren. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die Menschentraube vor den Türen anders wegzubekommen. Es geht vielmehr darum, Plätze zu schaffen, an denen sich die Leute integrieren.

Warum fühlen sich so viele Menschen am Ludwigsburger Bahnhof unwohl? Sind es vor allem andere Menschen, die dafür sorgen?

Sicherlich trägt auch eine Lichtsituation oder der bauliche Zustand dazu bei. Der Zentrale Omnibusbahnhof wird sich mit dem Umbau in den kommenden Jahren grundsätzlich verändern.

Sie hatten eine eigene Werbeagentur? Können Sie als Werber alles verkaufen – auch den Bahnhof als Wohlfühlbahnhof?

Ganz klar: ja. Die Frage ist natürlich, wie. Alle Werbestrategien brauchen ein Fundament. Und das sind ganz konkrete Maßnahmen. Die Musik am Bahnhof erfüllt ihren Zweck. Vielleicht kann auch Musik laufen, die bei den Menschen für ein Augenzwinkern sorgt. Ich kann mir viele Aktionen vorstellen, den Bahnhof in einem anderen Licht darzustellen.

Welcher Bahnhof in Deutschland hat in Ihren Augen Vorbildcharakter?

Es gibt Bahnhöfe, die sind anders. Wenn ich unseren Bahnhof anschaue und ihn auch als Handelsfläche betrachte, wäre es schön, wir würden uns beispielsweise ein bisschen an Leipzig orientieren. Leipzig hat zwar ein großes Einkaufszentrum, das ich in Ludwigsburg nicht sehe. Aber die Rolle eines Nahversorgers kann ich mir hier sehr gut vorstellen.

Es gibt nicht den einen Wunderbahnhof, aber der Bahnhof muss als Teil der Mobilitätsstrategie in der Mitte der Gesellschaft verankert sein und angenommen werden.

Was fehlt in Ludwigsburg?

Ludwigsburg und Leipzig lassen sich nur schwer vergleichen, aber vielleicht können wir uns etwas abschauen: Leipzig ist aufgeräumt, hat eine klare Wegeführung und ein großes Bahnhofsportfolio. Hier gäbe es noch Möglichkeiten, Angebote für eine gesunde Mittagspause oder den täglichen Einkauf auf dem Heimweg zu schaffen.

Es gibt immer wieder Gerüchte, die Stadt würde den Bahnhof kaufen. Ist da etwas dran?

Es gab Bemühungen der Stadt, den Bahnhof zu kaufen. Das hat dazu geführt, dass sich die Dibag als Eigentümerin mit dem Gebäude intensiv auseinandergesetzt hat. Die Dibag hat sich jedoch entschieden, den Bahnhof nicht zu verkaufen. Darin liegt jetzt eine große Chance, aus dem Gebäude etwas zu machen.

Sie haben vom Büro-Umzug an den Bahnhof gesprochen. Wie sieht es mit diesen Plänen aus?

Es gibt Überlegungen, dass ich als Bahnhofsmanager an den Bahnhof umziehe. Das müssen wir noch verwaltungsintern prüfen.

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