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Soul

Der Ludwigsburger Sänger und Gitarrist Benjamin Jakob Köhler arbeitet an seinem Debütalbum

Spannungsfeld mit beschränktem Besteck: Benjamin Jakob Köhler.Foto: Holm Wolschendorf
Spannungsfeld mit beschränktem Besteck: Benjamin Jakob Köhler. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Der Titel liegt auf der Hand. Genauer gesagt: Er hängt an der Wand. „Iberische Halbinsel“ steht auf dem oberen Rand der großformatigen Schullandkarte zu lesen, die Benjamin Jakob Köhler in seinem Homestudio aufhängt hat. Bis vor einem Jahr war hier noch das Gästezimmer: Weil die Mutter von Köhlers Lebensgefährtin aus Spanien stammt, hat er die Wand entsprechend dekoriert. Als sich im Frühjahr 2020 abzeichnete, dass für längere Zeit Besuche weder in der einen noch in der anderen Richtung möglich sind, habe er beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen: „Wenn etwas wegfällt, muss an anderer Stelle etwas hinzukommen, um die Situation stabil zu halten“, so seine Erfahrung. Damit war für ihn klar: „Wenn ich nicht mehr rausgehen und Freunde treffen kann, mache ich es mir hier schön“, sagt der 42-jährige Sänger und Gitarrist im Gespräch mit unserer Zeitung. Die helle Altbauwohnung liegt zentral in der Ludwigsburger Innenstadt, im Hintergrund dreht leise Wes Montgomerys Studioalbum „California Dreaming“ von 1966 seine Runden auf dem Plattenteller.

Statt wie geplant in den Süden zu fahren, wurde das Gästebett abgebaut. Die Matratze wanderte auf den Kleiderschrank, der nun als Gesangskabine fungiert, daneben ein Schreibtisch mit Audio-Equipment. Damit war der Boden bestellt, um die Saat für das auszubringen, was jetzt, ein Jahr später, schon recht weit gediehen ist: das erste Album von Benjakob.

Auch für sein Trioprojekt habe es keinen Masterplan gegeben, erzählt Köhler. Ursprünglich ging es darum, auf einem vom Stuttgarter Laboratorium veranstalteten Festival ein Set mit Coversongs zu präsentieren, als er 2017 mit dem Bassisten Theo Balbig, Drummer Bastian Kilper und dem Pianisten Benedikt Moser in dessen Wohnung gejammt habe. Als Köhler ein paar Eigenkompositionen einbrachte, war das Coverset rasch verworfen. So kam es zu einem ersten Auftritt mit seinen „Mutmach- und Klarkomm-Songs“, weitere folgten 2018 bei den Ludwigsburger Raumwelten in der Lichtwolke und beim Straßenmusikfestival.

Bis dahin eine eher locker verbundene Formation, habe sich vor rund zwei Jahren daraus eine feste Triokonstellation mit Balbig und Kilper etabliert, so Köhler. Moser gehöre aber weiter zum befreundeten Umfeld und wird als Featuregast auch auf dem Album zu hören sein, ebenso wie Fola Dada, Cihan Bulut (beide: Vocals), Martin Meixner (Hammond/Wurlitzer), Stefan Koschitzki (Querflöte) und Gerhardt Mornhinweg (Trompete). Einiges davon ist bereits im Kasten: Zur Aufnahme der Vocals ging es für Köhler nach Feuerbach zu Matthias Hilberer von Sound Maze Production, die Triosessions hat Jörg Orlamünder in seinem Ludwigsburger Tonstudio JAMusic produziert, den Mix übernahm Klangstatt-Toningenieur Tim Heumesser. Die Veröffentlichung ist für die zweite Jahreshälfte geplant, vorher wollen noch Videos gedreht und die Promotion organisiert werden.

Das Ergebnis kann sich jetzt schon hören lassen: Köhlers Acoustic Soul („ein Spannungsfeld mit beschränktem Besteck“) benötigt keine Anlaufzeit, Songs wie „No Rain No Flowers“ oder „We Could Be“ gehen sofort ins Ohr. Dazu kommt eine Stimme, die über eine vibrierende, charakteristische Soundsignatur verfügt und der man gerne zuhört – Soul, Folk und eine Prise Hip-Hop fließen organisch ineinander und ergeben, häufig im Falsett-Register, eine ganz eigene Interpretation seiner unterschiedlichen Einflüsse, die von Stevie Wonder über Prince bis zu Cat Stevens reichen. Mit Liedern wie „Einfach heim“ kommt auch seine nachdenkliche Seite zum Tragen. In Besigheim als Sohn einer US-amerikanischen Musikpädagogin und eines Realschullehrers aufgewachsen, stand Köhler als Schüler der dortigen Jugendmusikschule mit dem Musical „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“, einem der ersten Projekte des damals neu angetretenen Leiters Roland Haug, im Forum auf der großen Bühne.

Ebenfalls in Besigheim traf er auf den britischen Gitarristen John Pearse, von dem er erste Impulse als Songwriter erhielt. „Letztlich ging es darum, Hoheit über die Akkorde zu erlangen“, meint Köhler und spricht von einer „Emanzipation vom Sänger zum Singer-Songwriter“. Mit Cosmopolitan Drive und Superflow ist der kommunikative Lockenkopf in weiteren Bands aktiv, doch derzeit seien seine Prioritäten klar strukturiert: „Jetzt kommt Benjakob!“ Ein Leben ohne Musik ist für Köhler nicht denkbar: „No connection – da würde mir die Verbindung fehlen. Musik ist für mich die ultimative Kraftquelle, das Wasser, in dem ich schwimme.“

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