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Redaktionsgespräch

„Die Konstellation ist reizvoll“

Die kleinste Stadt im Kreis wählt am 2. Juli einen Bürgermeister. Klar ist bisher nur, dass ein Neuer in Oberriexingen auf Amtsinhaber Werner Somlai folgt, der nicht mehr antritt. Im LKZ-Redaktionsgespräch treffen die sechs Kandidaten aufeinander. Was wollen sie? Und was können sie?

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Zwischen diesen Kandidaten wird es sich in Oberriexingen entscheiden (von links): der Stuttgarter Musikpädagoge Ulrich Raisch, die Grünen-Kommunalpolitikerin Ulrike Sturm, der Lokalmatador Ralph Bechtle, die Stadträtin Beate Fetzer, der Illinger Thomas Hanisch und der Kämmerer Frank Wittendorfer. Fotos: Oliver Bürkle, Alfred Drossel (Archiv)

Ludwigsburg. In Oberriexingen ticken die Uhren anders. Parteien gibt es nicht und damit auch keinen Fraktionszwang. Politik wird trotzdem betrieben – allerdings von vier unterschiedlichen Listen.

...die Kandidaten über die speziellen Oberriexinger Verhältnisse.

Beate Fetzer: Bei uns geht es allein um die Sache, das macht die Arbeit im Gemeinderat sehr angenehm. Das Motto „Es ist zwar schon alles gesagt, aber nicht von jedem“ ist uns fremd.

Frank Wittendorfer: Das kann ich nur bestätigen. Ich habe Erfahrungen in Bietigheim-Bissingen, Kornwestheim und Stuttgart gesammelt, da wurde auch größere Politik gemacht. In Oberriexingen arbeiten wir bürger- und lösungsorientiert zusammen. Viele Beschlüsse fallen einstimmig, davor finden allerdings auch kontroverse Diskussionen statt.

Thomas Hanisch: Ich höre das gerne. Im Kreistag und Sozialausschuss in Ludwigsburg habe ich erlebt, dass Kommunalpolitik parteienabhängig ist. Jede Fraktion muss ihre Botschaft rüberbringen. Sitzungen werden in die Länge gezogen.

Ulrich Raisch: Wie das Klima in einer Kommune ist, hängt im Wesentlichen vom Bürgermeister und von der Stadtspitze ab. Ich freue mich auf Oberriexingen, ich hatte bisher noch keine Kommune, in der es so eine Konstellation gab.

...was die Stadt so attraktiv macht.

Ulrike Sturm: Oberriexingen ist einfach schön, eine Stadt mit Herz. Im Sommer ist es für mich hier fast wie im Urlaub. Es gibt auch keine großen Bausünden. Klar, wir haben ein Gewerbegebiet, das nicht gut aussieht. Das schmerzt eine Grüne natürlich manchmal im Herzen.

Wittendorfer: Aber wir brauchen es, es bringt uns Arbeitsplätze.

Sturm: Ja, aber man muss auch gut zu den Arbeitsplätzen oder an andere Orte hinkommen.

Ralph Bechtle: Als ich aus Ludwigsburg nach Oberriexingen gekommen bin, war ich zuerst an der Enz bei den Gänsen. Ich bin unheimlich tierlieb, das hat mir sofort gefallen. Außerdem bin ich mit Reinhard Hintz ins Gespräch gekommen, der heute meinen Wahlkampf organisiert und damals ein Haus umbaute. Als ich bei ihm eingezogen bin, haben wir halbe-halbe gemacht.

...über die Ausgangslage. Bürgermeister Werner Somlai tritt nicht mehr an, er schaffte es vor acht Jahren aus der Kämmerei auf den Chefsessel. So will es Frank Wittendorfer auch machen.

Wittendorfer: Es gibt allerdings noch fünf weitere Bewerber, das ist das eine. Ich will die Bürger überzeugen, dass ich der geeignetste Kandidat bin. Das andere ist, dass ich großen Respekt vor dem Amt habe. Man muss der Aufgabe gewachsen sein, dafür will ich meine gesamte Kraft aufwenden. Den Wahlkampf betrachte ich als eine Herausforderung – und eine Chance, weiterzukommen.

...warum sich Geschichte vielleicht nicht wiederholt.

Fetzer: Für mich wäre es ein Dreamteam, wenn ich Bürgermeisterin werde und Frank Wittendorfer als richtig, richtig guter Kämmerer bleibt.

Wittendorfer: Dazu würde ich mich erst nach dem 2. Juli äußern.

Hanisch: Auch diese Konstellation macht es für mich und die Bürger so reizvoll. Wir haben den Kämmerer und mit Frau Fetzer eine Stadträtin, die sich zur Wahl stellen. Ich komme aus dem Sozialdezernat des Ludwigsburger Landratsamtes, wo ich seit 25 Jahren arbeite. 2005 habe ich am eigenen Leib erfahren, dass einer nicht unbedingt Vorteile hat, wenn er aus dem Ort kommt. Ich habe als Illinger in Illingen kandidiert. In meinem Fall hat es der Auswärtige gemacht. Es gibt Statistiken, die belegen, dass in Württemberg eher der Auswärtige gewählt wird.

Wittendorfer: Ich bin die Mischung aus beidem. Ich bin als Kämmerer nah dran und wäre das auch als Bürgermeister. Allerdings wohne ich außerhalb, nämlich in Bietigheim-Bissingen.

Fetzer: Ich lebe zwar seit mehr als 30 Jahren in Oberriexingen und kenne die Hälfte der Wahlberechtigten persönlich – aber ich komme nicht aus dem Rathaus.

...warum der Kandidat Ulrich Raisch am Wochenende bereits in Pleidelsheim kandidiert und schon Asperg und Hessigheim im Visier hat.

Raisch: Der Pleidelsheimer Bürgermeister Ralf Trettner hat am Samstag in einem Interview mit Ihrer Zeitung gesagt, dass er mit 80 bis 90 Prozent rechnet. Ich betreibe meine Kandidaturen nicht nur wegen des Amtes. Es gibt noch weiße Flecken für mich im Kreis – Gemmrigheim, Walheim, Hessigheim oder Oberriexingen fehlen mir noch. Bürgermeisterwahlen sind für mich Hochzeiten. Es kommt alles brennpunktartig auf den Tisch. Es gibt keine bessere Gelegenheit als diese, Kommunen kennenzulernen.

Info: Video-Statements der Bürgermeisterkandidaten finden Sie auch im Internet unter www.lkz.de.