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Ludwigsburg reagiert auf Energiekrise
Die Kritik an der Schließung des Heilbad Hoheneck reißt nicht ab

Mit einem Aufsteller im Eingangsbereich werden die Besucher des Heilbad Hoheneck auf die bevorstehende Schließung aufmerksam gemacht. Foto: Ramona Theiss
Mit einem Aufsteller im Eingangsbereich werden die Besucher des Heilbad Hoheneck auf die bevorstehende Schließung aufmerksam gemacht. Foto: Ramona Theiss
Das Heilbad Hoheneck wird zum 1.Oktober geschlossen und die gesamte Wintersaison zu bleiben. Dadurch kann die Stadt Ludwigsburg viel Energie einsparen. Bei den Heilbadbesuchern kommt das aber gar nicht gut an.

Ludwigsburg. Einmal die Woche geht Bärbel Treiber-Juranek ins Hohenecker Heilbad. Und das schon seit gut 15 Jahren. „Ich kam wegen einer Verletzung am Bein her.“ Die Verletzung am Bein verheilte gut und schnell. Auch Dank des Heilbads. Bärbel Treiber-Juranek ist geblieben. Bis heute.

Jetzt nutzt sie die letzten Wochen, die das Heilbad noch geöffnet ist. Denn zum 1. Oktober ist Schluss. Um angesichts der Gasknappheit gut über die Wintermonate zu kommen und Energie zu sparen, hat sich die Stadt Ludwigsburg entschlossen, das Heilbad zu schließen. Damit könne ein großer Einspareffekt erzielt werden.

Stadtwerke wollen Wassergymnastik in anderen Bädern anbieten

Nicht nur bei den Lesern unserer Zeitung hat diese Ankündigung heftige Diskussionen ausgelöst. Auch die Stadträte bezogen am Dienstagabend im Wirtschaftsausschuss Position. Und unter den Heilbadbesuchern gibt es in diesen Tagen kaum ein anderes Thema. „In der Sauna wird entsetzt darüber gesprochen“, sagt Birgit Treiber-Juranek. Die Besucher fühlten sich in ihren Bedürfnissen nicht ernst genommen. „Kaum ein Heilbadbesucher wird in den anderen Bädern Kurse oder Wassergymnastik wahrnehmen.“ Denn das hatten die Stadtwerke als Betreiber der Bäder als Kompromissvorschlag gemacht.

Dem Wasser im Heilbad wird gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben

„Das Heilbad ist ein Kultbad, und die Menschen, die dort hinkommen, sind teilweise Langzeitbesucher.“ Fast immer sei der Grund des ersten Besuchs eine Erkrankung des Bewegungsapparats oder eine Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis, psychische Besonderheiten, Burn-out oder Erschöpfung gewesen. Viele seien geblieben. So wie Treiber-Juranek selbst. Früher habe sie gedacht, das Heilbad sei das „Bad der alten Menschen“. Heute wisse sie es besser. „Immer mehr sieht man junge Frauen mit Lip- oder Lymphödem, die sich in andere Bäder nicht trauen. Auch die Zunahme der jüngeren Besucher ist erfreulich. Stressbedingte Situationen werden beim Eintauchen in das warme, besondere Wasser weggespült.“

Sie habe keine Lösung für die Energiekrise, sagt sie. „Aber es einfach so laufen lassen wollte ich auch nicht.“ Warum kann man nicht zumindest ein Becken in Betrieb lassen, fragt sie. Oder die Öffnungstage reduzieren. Denn das Heilbad sei auch ein sozialer Treffpunkt.

Stephan Dyballa von der Bürgervereinigung Bad Hoheneck fürchtet um die Zukunft des Heilbads

Auch von der Bürgervereinigung Bad Hoheneck, deren Name allein schon an die heilende Wirkung des Wassers und die inzwischen vergangenen Tagen Hohenecks als Kurort anknüpft, kommt Kritik. „Es ist eine schwierige Sache“, sagt deren Vorsitzender Stephan Dyballa. Auf der einen Seite könne man nachvollziehen, dass das Bad geschlossen werde. Andererseits bemängelt er die grundsätzliche Politik in Sachen Heilbad.

„Man lässt uns ständig im Ungewissen“, sagt er. Schon vor Corona habe man darüber diskutiert, das Heilbad an einen anderen Standort zu verlegen oder zumindest zu sanieren. In der Pandemie sei es über einen sehr langen Zeitraum geschlossen worden, dabei habe es einen klaren gesundheitspolitischen Auftrag. Und jetzt stehe erneut die Schließung an. „Wo ist da die Perspektive?“, fragt Dyballa. Wenn man ständig an etwas kratze, verliere es auf lange Sicht an Zuspruch. Und dann heiße es plötzlich: Da geht ja niemand mehr hin, das kann man ganz dichtmachen. Dyballa fürchtet einen „Tod auf Raten“, dabei sei das Heilbad für Hoheneck identitätsstiftend.

Temperatur im Außenbecken ist viel zu kalt

Diese Gefahr sieht auch Bärbel Treiber-Juranek. Bereits letzte Woche sei nur eine Person im Außenbecken gewesen. „Viel zu kalt“, sagt sie. Statt, wie von den Stadtwerken angekündigt, die Temperatur um zwei Grad im Außenbereich zu senken, habe man hier um vier Grad reduziert. „Viel zu kalt, damit verliert das Bad seinen Sinn.“ Und genau darin, so lässt sie durchblicken, könnte eine Absicht stecken. „Ich habe den Eindruck, dass es ein gutes Mittel ist, die Temperaturen herunterzufahren und damit den Rückgang der Besucher in Kauf zu nehmen, um eventuell ganz andere Interessen mit diesem doch aufwendigen Bad einzuleiten.“