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Bibliothek

Die Lust am Lesen geht nicht in den Lockdown

„Der Hunger nach Büchern hat nie nachgelassen, auch im Lockdown nicht“, sagt Thomas Stierle, Leiter der Stadtbibliothek Ludwigsburg. Doch das Lesen habe sich verändert, sagt er. Vor allem eine Sparte geht bei den Nutzern durch die Decke.

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Foto: Felix Kästle/dpa

Ludwigsburg. Das Jahr 2020 war auch für die Bibliotheken kein einfaches Jahr. Streckenweise war die Stadtbibliothek im Kulturzentrum komplett geschlossen. Teilweise war nur das Abholen von bestellten Büchern möglich, aktuell ist der Besuch mit Einschränkungen möglich.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Entleihen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr davor rückläufig waren. Doch in Anbetracht der erschwerten Rahmenbedingungen scheint der Rückgang um knapp 150000 auf 908000 Entleihungen gering. Grund dafür ist sicher die starke Nachfrage nach Online-Medien. „Die ist im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gestiegen“, sagt Stierle. Überhaupt gingen die digitalen Medien nach oben. „Wir haben in der Coronazeit auch neue Nutzer hinzubekommen.“

Aktive Kunden hat die Stadtbibliothek nach den Worten Stierles im Coronajahr kaum verloren. Dafür jedoch neue hinzugewonnen. „Wir haben allerdings nur die Hälfte der Neuanmeldungen als sonst.“ Für den Bibliotheksleiter ist das aber in Anbetracht der Lage ein gutes Zeichen. „Wir sind hier in Ludwigsburg ganz gut durch das vertrackte Jahr gekommen!“ Und die ersten Tage mit Click&Meet wecken Hoffnung: „Nach nur neun Tage sind wir nahezu auf dem Niveau von 2019, was die Zahl der Entleihungen anbelangt.“

Die Leseschwerpunkte im vergangenen Jahr seien aber andere als sonst, stellt man in der Bibliothek fest. Die Nachfrage nach Sachbüchern sei „spürbar zurückgegangen“. Die Belletristik hingegen habe zugelegt, unübertroffen sei jedoch der Anstieg bei der Kinder- und Jugendmedien, „das ging erheblich nach oben.“

Da kommt es gerade zur rechten Zeit, dass die Stadtbibliothek 147800 Euro Fördermittel aus dem Digitalprogramm „WissensWandel“ der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien erhält. Ziel des Förderprogramms ist es, Bibliotheksangebote in Corona-Zeiten unabhängiger von der physischen Zugänglichkeit zu machen, neuartige Formate der Wissens- und Informationsvermittlung zu entwickeln und ein nachhaltiges hybrides Angebotsportfolio zu etablieren.

Mit den Fördermitteln hat die Stadtbibliothek nun die Online-Kinderbibliothek „Tigerbooks“ angeschafft. Über die App stehen über 6000 interaktive Bücher, E-Books und Hörbücher für Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren zur Verfügung. „Das wird auch schon sehr gut angenommen“, sagt Alexandra Sterz von der Stadtbibliothek.

Conni, das Sams, Yakari und die Olchis sind online dabei

Kinder können die Geschichten der beliebtesten Kinderbuch-Helden auf Smartphone oder Tablet lesen oder vorlesen lassen – zuhause oder unterwegs: Conni, Bibi & Tina, Yakari, das Sams, der Regenbogenfisch, Prinzessin Lilifee, Pettersson & Findus, die Olchis und mehr sind dabei, und alles ohne Werbung. Außerdem gibt‘s Puzzle, Quiz und Malbuchfunktion. „Das ist gerade in dieser Zeit, in der Kinder die meiste Zeit zu Hause betreut werden müssen, ein tolles Angebot“, so Alexandra Sterz.

Darüber hinaus ermöglichen die Bundesmittel der Stadtbibliothek die Finanzierung des Filmportals „Filmfriend“. Rund 2600 Filme, von deutschen Klassikern bis hin zu internationalem Arthouse-Kino und Kinderserien können kostenlos gestreamt werden.

Zusätzlich kann die Stadtbibliothek das Online-Angebot ausbauen. So gibt es nun Zugriff auf die Brockhaus-Enzyklopädie sowie ein Brockhaus-Schülertraining. Neu ist auch der Zugriff auf die Online-Ausgabe der Encyclopaedia Britannica.

„Kurzfristig werden zusätzliche E-Books und E-Hörbücher für die erfolgreiche landkreisweite Onleihe-LB gekauft“, sagt Stierle. Besonders im Bereich Kinder- und Jugendmedien sowie Erwachsenen-Belletristik sei die Nachfrage so stark gewesen, dass sich die Wartezeiten auf vielfach vorgemerkte Medien deutlich erhöht haben.

„Wir können uns diese Angebote zunächst nur für ein Jahr leisten. Ob es dann weitergehen kann, hängt vom Erfolg und vor allem von unserem Budget ab“, so der Bibliotheksleiter. Denn auch bei der Stadtbibliothek hat die Stadtverwaltung die Mittel gekürzt. Sie hat nun ein Viertel weniger Geld zur Verfügung, um neue Medien zu kaufen.

Die Fördermittel des Bundes werden außerdem dazu verwendet, um die Stadtbibliothek interaktiv in 3D erlebbar zu machen.

Stadtbibliothek feiert in diesem Jahr 75. Geburtstag

Online-Workshops für Kinder, Jugendliche aber auch Eltern runden das Angebot ebenso ab wie die Erweiterung und Anschaffung neuer Hardware, vom ausleihbaren Roboter bis hin zu Tiptoistiften.

Die Stadtbibliothek feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. Sie hat sich weiterentwickelt von der klassischen Buchausleihe hin zu einer Bildungsstätte. Diesem Auftrag wollen Thomas Stierle und sein Team auch in Zukunft gerecht werden. Veranstaltungen sollen künftig beispielsweise gestreamt oder als Podcast aufgenommen werden. Auch über Corona hinaus.

Trotzdem, das gedruckte Buch wird immer noch am meisten nachgefragt. „Bibliotheken gehören zur Grundversorgung“, sagt Stierle. Durch all die Medien, die man hier finde, habe man die Möglichkeit, Grenzen zu sprengen. Deshalb geht die Bibliothek auch mit folgendem Leitspruch in das Jubiläumsjahr: „Hier öffnen sich Welten“.

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