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Fahrverbot

Die Messstation steht auf dem Prüfstand

Ludwigsburg droht ein Diesel-Fahrverbot, in Stuttgart ist es ab dem 1. Januar bereits Wirklichkeit. Viele Autofahrer sind sauer, suchen die Schuld auch bei den Behörden. Der Vorwurf: Die Messstationen würden absichtlich so positioniert, dass möglichst hohe Werte vorprogrammiert seien. Aktuell überprüft die Landesanstalt für Umwelt die Station in der Friedrichstraße in Ludwigsburg. Es zeigt sich, dass die Werte im Umfeld der Station niedriger sind als an der Station selbst.

Die Messstation in der Friedrichstraße: Die dort gemessenen Werte sind entscheidend für ein mögliches Fahrverbot. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Messstation in der Friedrichstraße: Die dort gemessenen Werte sind entscheidend für ein mögliches Fahrverbot. Foto: Holm Wolschendorf

In Baden-Württemberg wenden sich Kritiker vor allem gegen Standorte von Messstationen in Stuttgart und in Reutlingen. Aber auch gegen die Standortwahl in Ludwigsburg wurden schon Bedenken geäußert, etwa von einem früheren Geschäftsführer des Autozulieferers Mann+Hummel. Die Debatte hat sich auch politisch zugespitzt, denn die Messwerte für Stickstoffdioxid sind entscheidend für Fahrverbote.

„Test nach 15 Jahren Betrieb“

Nicht als Reaktion auf diese Kritik, sondern als Routinekontrolle bezeichnet die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) das, was sie gerade bei der Ludwigsburger Messstation in der Friedrichstraße unternimmt. Mit vier zusätzlichen Messstellen im näheren Umfeld der Station überprüft sie, ob der Standort den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Dies vor allem mit Blick auf die Anforderung, dass die Werte einer Messstation für einen gesamten Straßenabschnitt von mindestens 100 Meter Länge repräsentativ sein müssen.

„Wir haben einen derartigen Test durchgeführt, als wir die Station im Jahr 2003 aufgestellt haben. Jetzt nach 15 Jahren und angesichts allgemein rückläufiger Schadstoffwerte übeprüfen wir das erneut“, heißt es bei der LUBW. Dies sei auch an anderen Messstationen im Land üblich.

Erste Ergebnisse an den vier zusätzlichen Messpunkten deuten darauf hin, dass im Umfeld der Station zwar auch hohe Werte für Stickstoffdioxid gemessen werden, dass diese aber näher am Grenzwert liegen als an der Messstation und ihn teils auch unterschreiten (siehe auch Infobox).

„Wenn an allen Messpunkten der Grenzwert überschritten wird, dann ist das Ergebnis klar, der Standort der Station ist repräsentativ. Wenn es starke Abweichungen gibt und Werte deutlich niedriger ausfallen, dann müssen wir uns das noch mal näher anschauen“, so ein Sprecher der LUBW. Zu einer ersten Einschätzung will die Landesanstalt im Februar kommen.

Bisher keine Verbesserung

Die zentrale, für ein Fahrverbot relevante Messstation in der Friedrichstraße (siehe Foto) zeigt für das Jahr 2018 bisher keinerlei Verbesserung der Belastung mit Stickstoffdioxid – obwohl dies unter anderem von der Stadtverwaltung erwartet worden war. Für ein Fahrverbot entscheidend ist der Mittelwert eines Kalenderjahres. Der Grenzwert dafür liegt bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft.

Es fehlt zwar noch der abschließende und quasi amtliche Jahreswert 2018. Den erwartet die LUBW erst Ende Januar. Was bereits vorliegt ist allerdings der Mittelwert für die zwölf Monate von Dezember 2017 bis November 2018. Er liegt bei 51 Mikrogramm. Und es ist zu erwarten, dass auch die zwölf Monate ab Januar bis einschließlich Dezember keine große Veränderung mehr bringen werden. Auch 2017 lag der Jahresmittelwert bei genau 51 Mikrogramm Stickstoffdioxid.

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