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Aktion Frühjahrsputz

Die Müllsammler trotzen der Kälte

Zum Großputz hat am Samstag die Stadt aufgerufen. Nach dem Einsatz zog Baubürgermeister Michael Ilk ein positives Fazit: Trotz des Kälteeinbruchs haben etwa 600 Ludwigsburger unter dem Motto „Putzteufelswild“ bei der Aktion mitgemacht.

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Die Oßweiler Jugendfeuerwehr steigt auf der Suche nach Müll auch in Schächte. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Am Samstagmittag stapelt sich der Müll auf dem Betriebsgelände der Technischen Dienste am Kugelberg. Lastwagen, die gerade Abfall an verschiedenen Punkten im gesamten Stadtgebiet eingesammelt haben, entleeren ihre Ladefläche und werfen zahlreiche blaue Müllsäcke auf einem Areal im Zentrum des weitläufigen Betriebsgeländes ab.

Als Baubürgermeister Michael Ilk, Gerhard Schuster, der stellvertretende Betriebsleiter der Stadtreinigung, und Projektleiterin Aleksandra Jesse den gewaltigen Müllberg unter die Lupe nehmen, entdecken sie auch illegal entsorgten Müll. Fernseher und andere Elektrogeräte, einen Grill, Kinderwagen und natürlich den Klassiker: ausrangierte Autoreifen. „Damit haben wir jeden Tag zu kämpfen“, zuckt Gerhard Schuster leicht resigniert mit den Schultern.

Im Salonwald zum Beispiel sei wilder Müll ein verbreitetes Phänomen, auch zwei Stellen in der Innenstadt werden immer wieder als quasi-öffentliche Müllkippen fehlinterpretiert. „Einer fängt damit an, und dann machen die anderen mit“, beschreibt Jesse den gefürchteten Nachahmereffekt.

In allen Stadtteilen sind an diesem Samstag Müllsammler unterwegs. Rund um das Oßweiler Feuerwehrgerätehaus in der Flurstraße zum Beispiel machen Mitglieder der Jugendfeuerwehr klar Schiff. Die Kinder haben zwei Schächte an der Seite des Gerätehauses geöffnet und dürfen sich nun als Schatzsucher fühlen, sind sie doch schon auf einige alte Geldmünzen gestoßen. Auch Schlüsselanhänger, einen schreibenden Kuli und eine halb verrottete Getränkedose, auf der für ein Fußballturnier im Jahr 1994 geworben wird, haben sie gefunden.

Im Gerätehaus wartet der stellvertretende Abteilungskommandant Bernd Rosenkranz wie jedes Jahr darauf, Müllsäcke, Handschuhe und Zangen an freiwillige Müllsammler zu verteilen. Bei gutem Wetter sind es laut Rosenkranz bis zu 20, darunter viele Familien mit Kindern. An diesem Tag lassen die Helfer allerdings auf sich warten. Ein Jäger sei bereits im Wald auf Tour, erzählt Rosenkranz, sonst kommt diesmal kaum jemand. „Liegt wahrscheinlich an den winterlichen Temperaturen und an der Grippewelle“, meint der stellvertretende Kommandant, will sich von dem spärlichen Interesse aber nicht entmutigen lassen. „Wir machen auch im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder mit. Die Sache hat gerade für die Mitglieder unserer Jugendfeuerwehr einen Lerneffekt: Wer Müll einsammelt, überlegt sich hinterher dreimal, ob er selbst etwas wegwirft.“

Auch Projektleiterin Jesse hebt die positive Wirkung auf junge Leute hervor. Schon im Vorfeld der Samstag-Aktion rückten Schulen und Kindergärten zum Großputz aus, etwa 3100 Schüler und Kindergartenkinder waren in diesem Jahr dabei. Die Technischen Dienste begleiten die Aktion mit Besuchen in den Einrichtungen, bei denen Mitarbeiter gemeinsam mit Pädagogen über Müllbeseitigung und -trennung aufklären. Dabei ist auch das beliebte Mülleimer-Maskottchen im Einsatz. „Dieses Maskottchen kommt gut an“, hat Jesse beobachtet. „Die Kinder erinnern sich besser und verknüpfen das Thema Müllvermeidung dann eher mit positiven Eindrücken.“

Unter dem Strich ziehen die Technischen Dienste eine positive Bilanz. Rund 600 Freiwillige haben diesmal Müll gesammelt. Diese Beteiligung entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahres, und wie in den Vorjahren sind 30 bis 40 Kubikmeter Müll zusammengekommen.

„So eine Aktion ist sehr wichtig, um das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen“, sagt Baubürgermeister Ilk. „Im vergangenen Jahr habe ich selbst Müll gesammelt, macht Spaß.“ Auch wenn Handlungsbedarf besteht: „Ludwigsburg ist eine saubere Stadt“, betont Ilk.