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Die Politiker aus dem Wahlkreis Ludwigsburg im Gespräch mit unserer Zeitung – Von Bildung bis Quote, von Klima bis Mobilität

Die Politiker aus dem Wahlkreis Ludwigsburg im Gespräch mit unserer Zeitung – Von Bildung bis Quote, von Klima bis Mobilität

Per Livestream wurden die Gespräche mit den Landtagskandidaten übertragen. Foto: Ramona Theiss
Per Livestream wurden die Gespräche mit den Landtagskandidaten übertragen. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Sechs Kandidaten, ein Wahlkreis, ein Datum: Am 14. März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag, und der Wahlkreis Ludwigsburg möchte endlich wieder stark im Parlament vertreten sein. Die potenziellen Abgeordneten präsentierten sich und ihre politische Grundausrichtung beim Livetalk der Ludwigsburger Kreiszeitung am Mittwochabend.

Die Landtagswahl vor fünf Jahren endete für den Wahlkreis Ludwigsburg in einem Debakel: Zum ersten Mal in der Geschichte des baden-württembergischen Landtags war der Wahlkreis Ludwigsburg mit nur einem Abgeordneten vertreten. Lediglich Jürgen Walter (Grüne) hatte es geschafft, erneut das Mandat zu holen. Die Stadt Ludwigsburg war mit keinem einzigen Abgeordneten im Parlament vertreten. Das war zuvor nur bei der Landtagswahl im Jahr 1980 der Fall.

Vier Frauen und zwei Männer treten am 14. März für den Wahlkreis Ludwigsburg an. Bis auf FDP-Kandidatin Stefanie Knecht alles neue Gesichter. Die Themen sind in weiten Teilen alte Bekannte: Klimaschutz und sozialer Zusammenhalt (Grüne), Innovation, Digitalisierung und Bildung (FDP), Wohnungspolitik, Klimaschutz, Pflege (SPD), Wohnungspolitik, kostenlose Kita (Linke), Klimaschutz, Bildung, Wirtschaftsförderung (CDU). Nur bei der AfD blieb der Zuschauer etwas im Unklaren, Kandidat Friedemann Meyer will „ideologiefreie Politik“ machen.

Die studierte Theaterwissenschaftlerin Silke Gericke (Grüne) liebt die Bühne und könnte bald auch auf der politischen Landesbühne eine Rolle spielen. Sie will das Mandat für die Grünen holen, das in den letzten 29 Jahren in den Händen von Jürgen Walter lag. Nein, ihre Nominierung habe nicht überrascht, sagt sie im Gespräch mit LKZ-Chefredakteurin Ulrike Trampus. „Ich mache seit 13 Jahren Politik.“

Die Professorin für Wirtschaftsprivatrecht Andrea Wechsler (CDU) fährt gerne Rennrad und E-Scooter, sagt aber mit Blick auf die Automobilindustrie: „Wir können noch nicht so schnell den Verbrennungsmotor ersetzen.“ Klimaneutralität sei aber ein wichtiges Thema auch für die CDU, „wir müssen massiv in die Zukunftstechnologie gehen“. Silke Gericke will in dem Punkt mehr Tempo machen, will bis 2030 die Emissionen um 40 Prozent reduzieren. Sie betonte aber auch: „Wir nehmen niemandem das Auto weg“ und „Wir wollen weiter ein Autobauerland bleiben“. Andrea Wechsler warnte, dass eine Transformation in der Automobilbranche auch eine „Transformation der Art der Arbeitsplätze“ nach sich ziehe. „Dafür müssen wir die richtigen Rahmenbedingungen setzen.“

Mit Colin Sauerzapf schickt die SPD einen 23-jährigen Physik-Studenten ins Rennen. Er würde momentan gerne wieder mit seinen Kommilitonen in der Mensa sitzen, noch lieber aber im Stuttgarter Landtag. Seit zwei Jahren macht er in Remseck Kommunalpolitik. Stefanie Knecht ist knapp acht Jahre politisch aktiv, sitzt für die FDP im Ludwigsburger Gemeinderat und tritt bereits zum zweiten Mal bei einer Landtagswahl an. Das Thema Bildung liegt beiden am Herzen. Knecht, Mutter von drei Töchtern, beklagt die „mangelnde Digitalisierung“ der Schulen, fordert eine geeignete Software für künftiges Lernen und Schulclouds. „Bildung ist die wichtigste Ressource, die wir haben.“ Colin Sauerzapf fordert, „Schule muss gerechter werden“. Es könne nicht sein, dass der Geldbeutel der Eltern darüber entscheidet, ob man das Abitur schaffe oder nicht. Außerdem fordert er ein stärkeres Engagement des Landes für die Schulen, „da hat man den Kommunen zu viel zugemutet“.

Nadja Schmidt (Linke) trinkt, wie sie im Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter der LKZ-Stadtredaktion, Hans-Peter Jans, verraten hat, „viel zu viel Kaffee“. Bestimmt würde die Ludwigsburger Stadträtin und Gesundheitspflegerin zur Abwechslung gerne mit einem Sekt auf den Einzug ins Landesparlament anstoßen. Wenn es nach ihr ginge, wäre der Landtag zu 50 Prozent weiblich. Für Friedemann Meyer (AfD) eine undenkbare Vorstellung: „Jede Quote verstößt gegen den Gleichstellungsgrundsatz.“

Auch in Sachen Klimaschutz liegen die beiden Kandidaten weit auseinander. Schmidt will die „Mobilität umgestalten. Der Verbrenner wird keine Zukunft haben.“ Sie wünscht sich eine autofreie Ludwigsburger Innenstadt, während Meyer dies alles zu schnell geht. „Wir haben noch mehr Zeit. Historisch befinden wir uns in einer Kaltzeit.“

Viel Zeit bis zur Wahl bleibt den Kandidaten nicht mehr. Zumal viele Wähler per Brief bereits ihre Entscheidung getroffen haben. Hier ist schon jetzt der Rekord gebrochen worden.

Im Video können Sie sich den ganzen Talk anschauen:

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