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Alleenstraße

Die Poller bleiben dauerhaft oben

Fahrradstraße wird im oberen Teil des Schulcampus nicht für Autos geöffnet – Knappe Entscheidung im Gemeinderat

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Statt den Pfosten wollten Verwaltung mit CDU und Freien Wählern bewegliche Poller, um außerhalb der Schulzeiten wieder den Weg für Autos freizugeben. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Ludwigsburg redet über Stickoxide, über drohende Fahrverbote und wie man diese mit Elektro- und BRT-Bussen und einer Reaktivierung der Schiene in den Griff bekommt. Dass aber mit Fahrradfahren der größte Effekt erzielt wird, zeigt eine Studie „Green City Mobility“, die die Stadt zusammen mit Siemens erstellt hat. Die ehrgeizigen Daten, die jetzt im Gemeinderat vorgestellt worden sind (siehe nebenstehenden Infotext), setzen eines voraus: die massive Förderung des Radverkehrs und den Ausbau der Radwege.

Politisch ist das längst noch nicht Allgemeingut. „Man muss hier um jeden Quadratzentimeter für Radfahrer kämpfen“, beklagte Grünen-Stadträtin Christine Knoß. Ihre Fraktion brachte zusammen mit der SPD erneut einen Antrag zur Alleenstraße ein, die als eine der Hauptradrouten zur Fahrradstraße werden soll. Sie stört, dass der Abschnitt zwischen Schiller-Gymnasium und Gemeinschaftsschule wieder zeitweise für Autos freigegeben werden soll. Das hatte der Bauausschuss bei einer „seltsamen Abstimmung mit einer Patt-Ablehnung“ entschieden, wie es Daniel O’Sullivan (SPD) formulierte.

Grüne und SPD holten das Thema in den Gemeinderat zurück – und wie dort die Entscheidung ausfallen sollte, blieb auch nach den teils emotionalen Wortbeiträgen zunächst offen. Eltern quittierten die Redebeiträge, die sich für mehr Sicherheit der Radfahrer und Schüler aussprachen, mit Beifall. Die Abstimmung ging, wie erwartet, Spitz auf Knopf aus: Die Sperrung wird nicht entfernt, auch nicht zeitweise, was ganz im Sinne der Schulen und der Arge Campus ist. Autos bleiben also in diesem Straßenabschnitt außen vor.

Der OB votierte für die Durchfahrt von Autos

Mit Grünen, SPD, Ökolinx, FDP und dem parteilosen Harald Lettrari stimmten 19 Stadträte dafür, Freie Wähler, CDU und Oberbürgermeister Werner Spec dagegen. CDU-Stadträtin Gabriele Seyfang und Lubu-Stadträtin Elga Burkhardt enthielten sich, was letztlich den Ausschlag gab. Dass der OB dagegen stimmte, mag überraschen, hat er doch bei der Debatte um den teils heftig umstrittenen Ausbau des Radwegs Marbacher Straße noch betont, dass die Zeit des Kleckerns vorbei sein müsse.

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Knoß hatte für die Grünen erklärt, dass eine zeitweise Öffnung wenig nütze. Wenn es Stau gebe, dann eher zu Zeiten des Berufsverkehrs. Doch da wollte selbst die Verwaltung, die dem Drängen nach versenkbaren Pollern und einer zeitweisen Öffnung nachgegeben hatte, die Fahrradstraße nicht freigeben. „Die Fahrradstraße funktioniert nur dann, wenn der Durchgangsverkehr draußen bleibt“, so Baubürgermeister Michael Ilk.

Die SPD argumentierte mit den erforderlichen Aufenthaltsflächen für Schiller-Gymnasium und Gemeinschaftsschule. Werde die Straße ohne eine Sperrung wie für Fußgänger gestaltet – so die Idee der Stadt –, dann sieht Daniel O’Sullivan mögliche Unfallgefahren. „Wenn da wieder Autos fahren, ruinieren wir den Charakter der Straße.“

CDU und Freie Wähler können das Tamtam nicht nachvollziehen. Reinhold Noz (CDU) nannte das Vorgehen der Grünen geradezu „erpresserisch“, weil sie anderen ihre Sicht aufzwingen wollten. „Die Alleenstraße ist für uns eine Mischverkehrsfläche“, sagte er. Andreas Rothacker (Freie Wähler) ärgert sich, dass seine Fraktion als Autofahrerpartei dargestellt werde. Man sei für die Fahrradstraße, aber mit zeitweiser Freigabe der Straße für Autos. „Wir wollen für alle Verkehrsteilnehmer eine Lösung.“

Der Gemeinderat schien geteilt, erst die Stellungnahmen von FDP und Ökolinx änderten das Bild. „Die Sperrung ist gut für den Schulcampus, es gibt keinen Grund, die Straße für Autos zu öffnen“, stellte FDP-Stadtrat Jochen Eisele klar. Er verlangt allerdings von der Stadt, dafür zu sorgen, dass der Verkehr vom Parkhaus Solitudestraße in Richtung Leonberger Straße gut abfließen kann.

„Seit über einem Jahr funktioniert die Sperrung gut“, so der Eindruck von Claudia Dziubas (Ökolinx). „Ein Poller kann hin, aber nur für die Feuerwehr“, sagte sie. Auf die Sicherheit der Schüler bezog sich Lettrari. „Die Poller mal oben, mal unten – das funktioniert nicht.“