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Schwimmunterricht

Die Wartelisten sind länger denn je

Zahlreiche Kurse sind der Coronakrise zum Opfer gefallen – Vereine befürchten bei Kindern deutliche Zunahme der Nichtschwimmer

Die Ausbildung der Nichtschwimmer hat durch die Coronapandemie einen mächtigen Dämpfer erhalten. Archivfoto: Franziska Kraufmann/dpa
Die Ausbildung der Nichtschwimmer hat durch die Coronapandemie einen mächtigen Dämpfer erhalten. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Ludwigsburg. Als Mitte März das öffentliche Leben aufgrund der Coronapandemie heruntergefahren wurde, mussten auch viele Schwimmkurse abgesagt werden. Seit Anfang Juni ist der Betrieb von Schwimmbädern für Schwimmkurse und den Schwimmunterricht sowie für das Training im Vereinssport wieder erlaubt – und nun machen sich auch die zahlreich ausgefallenen Kurse bemerkbar: Die Wartelisten für einen Platz in einem Schwimmkurs sind länger denn je, die ausgefallenen Stunden sind kaum nachzuholen.

Das komplette Angebot unterbrochen

„Es ist sicherlich aufgrund der jetzigen Lage durch die Pandemie mit einer weiteren Verschlechterung der Schwimmfähigkeit von Kindern zu rechnen“, sagt zum Beispiel Steffen Kempter, Vorsitzender der Ortsgruppe Ludwigsburg-Remseck der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die Ortsgruppe habe das komplette Angebot der begonnenen Schwimmkurse mit Beginn der Coronakrise unterbrochen, berichtet er. Mit dem Ende der Schulferien sollen die Kurse allerdings weitergeführt werden, um eine komplette Absage abzuwenden.

Auch die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) und der Schwimmverein Ludwigsburg mussten aufgrund der vorübergehenden Schließung der Bäder ihre Schwimmkurse absagen oder verschieben.

Während bei der DLRG Ortsgruppe mittlerweile die ersten Schwimmkurse terminiert sind, läuft bei den Stadtwerken noch die Planung. „Die Umsetzung ist zur Zeit noch nicht möglich“, heißt es. Die Umsetzung der coronabedingten Auflagen sei mit dem öffentlichen Badebetrieb derzeit nicht zu kombinieren. „Daher warten wir auf weitere Änderungen der Landesvorgaben.“

Anders sieht das beim Schwimmverein Ludwigsburg aus. Wie Trainer Simon Kunz sagt, werden seit Juni im Campusbad wieder Kurse angeboten. Allerdings ist das Angebot stark eingeschränkt. „Normalerweise bieten wir pro Woche 60 Kurse an. Nun sind es nur 30“, sagt Kunz. Das bedeutet, dass aktuell nur rund 150 bis 170 Kinder unterrichtet werden können. Zuvor waren es beim SVL bis zu 380 pro Woche.

Wie die Landesverordnung vorgibt, findet der Schwimmunterricht in möglichst mit Leinen getrennten Bahnen statt. Auf einer Bahnlänge von 50 Metern sind maximal zehn Personen gleichzeitig erlaubt. Aufschwimmen oder Überholen ist nicht gestattet. Die Umsetzung und Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben erscheint nicht als das größte Problem. Doch da aufgrund der kleineren Gruppengrößen nur wenig Kinder aufgenommen werden können, stellt sich die Frage, wie sich diese Entwicklung auf die Schwimmfähigkeit der Kinder auswirkt. Die Ludwigsburger Anbieter von Kursen wollen den Kopf nicht in den Sand stecken. „Wir als Ortsgruppe werden weiterhin versuchen, der Verschlechterung der Schwimmfähigkeit entgegenzusteuern“, sagt Kempter und setzt auf die Nichtschwimmerausbildung im Rahmen der aktuellen Kapazitäten. Die Nachfrage nach Schwimmkursen sei schon in der Zeit vor Corona hoch gewesen. Doch nun seien sowohl bei den Stadtwerken, bei der DLRG-Ortsgruppe und beim Schwimmverein Wartelisten länger denn je. „Es ist davon auszugehen, dass die eingeschränkte Kapazität zur Verweisung auf die Kurse in 2021 führt“, so Kempter. Für die Kurse bei der DLRG-Ortsgruppe, die von Nichtschwimmer- bis hin zu Rettungsschwimmerkursen reichen und die voraussichtlich alle im September starten, gebe es keine Voranmeldung. „Zur Anmeldung sollte man daher rechtzeitig bei Kursbeginn vor Ort sein“, sagt er.

Auch Schwimmfix auf Eis gelegt

Neben den klassischen Schwimmkursen bietet der SV Ludwigsburg seit Oktober 2015 gemeinsam mit dem Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik (LIS), mit der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, den Ludwigsburger Schulen und der Stadtverwaltung zudem das Projekt Schwimmfix. Es legt den Fokus auf die Nichtschwimmer in den Grundschulen. Auch dieses Projekt musste vorerst auf Eis gelegt werden.

„Da lief logischerweise eine Zeit lang gar nichts, weil sowohl Sport- als auch Schwimmunterricht in den Schulen nicht angeboten wurde“, sagt Kunz. Nun seien zwar einige Schulen wieder in Wartestellung und hätten das Schwimmfix-Programm für die Zeit nach den Sommerferien angefragt. Doch wie und in welchem Umfang dann Schwimmkurse angeboten werden können, hänge von der Entwicklung der Pandemie und von den daraus resultierende Möglichkeiten ab.

Schon jetzt ist allerdings klar, dass die Vereine wegen der ausgefallenen Schwimmkurse auch finanziellen Einbußen tragen müssen. „Durch die fehlenden Einnahmen leiden vor allem die Breitensportangebote, die durch die Kursangebote querfinanziert werden“, sagt Simon Kunz für den SVL.

Info: Weitere Informationen zum SVL gibt es im Internet unter homepage.svl08.com oder per Telefon (07141) 6421222., zum DLRG unter ludwigsburg-remseck.dlrg.de oder (07141) 861586 .

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