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NaturVision

Die wilden Tiere und die „essbare“ Stadt

Filmfestival auf dem Arsenalplatz und im Central-Kino erfolgreich gestartet – Begegnung mit Hauptakteuren überzeugender Dokumentationen

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Viel los auf dem Arsenalplatz: Spaß am Aktionsstand (oben rechts), Festivalleiter Ralph Thoms (Foto unten Mitte, rechte Person) mit Tatort-Schauspieler Andreas Hoppe, Guerrillagärtner Maurice Maggi (rechts). Fotos: Wolschendorf
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Ludwigsburg. Flusspferde, Elefanten und Vogelschwärme mitten in Ludwigsburg. Großartige Bilder für den mit rund 6800 Kilometern längsten Strom der Erde auf seinem Weg vom äthiopischen Hochland durch den Sudan und Ägypten zum Mittelmeer. Die afrikanische Wildnis scheint grenzenlos, doch sie ist bedroht durch Wilderer und Besiedelung.

Zahlreiche Menschen kamen gestern auf das Open-Air-Filmgelände auf dem Arsenalplatz und ins Central-Theater, um sich im Rahmen des NaturVision-Filmfestivals in die Wildnis, ins Wasser oder in den urbanen Raum entführen zu lassen. „Die Stadt und das Meer“ lautet denn auch das diesjährige Sonderthema und die mehr als 100 Filme, die es noch bis einschließlich Sonntag hier zu sehen gibt, zeigen die zerbrechliche Schönheit der Natur, machen aber auch Mut. Die Dokus über den Nil oder die mehr als 6000 Kilometer lange Straße Transoceánica von Lima nach Rio de Janeiro sind keine touristischen Werbefilme, sondern sie machen deutlich, wie alles mit allem zusammenhängt und welche zerstörerische Wirkung die unerschöpfliche Gier nach Rohstoffen und Lebensraum hat.

Doch es gibt auch immer wieder Menschen, die gegensteuern. Beispielsweise Tatort-Schauspieler und Naturschützer Andreas Hoppe, der die Patenschaft für das Filmfestival übernommen hat und gestern den Film „Schüsse in der Wolfsheide“, bei dem er als Sprecher mitgewirkt hat, vorstellte. Entstanden ist eine investigative Produktion über den Abschuss von Wölfen in Deutschland und die Hintermänner. Der gestrige Film „Stadtoasen Detroit“ zeigte außerdem Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und Neues pflanzen. Die boomende amerikanische Motor-City gehört der Vergangenheit an und statt Asphalt gibt es immer mehr Grün.

Aus einstigen Industriearbeitern wurden Gärtner, die ihre Beete pflegen und ganz nebenbei eine neue Qualität des menschlichen Miteinanders entdeckt haben. Beim Rundgang auf dem Open-Air-Gelände mit den Bewirtungs-, Info- und Verkaufsständen begegnete man gestern auch dem Hauptakteur des Films „Wild Plants“, der am morgigen Sonntag um 17.30 Uhr im kleinen Haus des Central-Kinos zu sehen ist. Die Dokumentation begibt sich auf die Spurensuche nach Menschen und Projekten, die sich für die Natur einsetzen. Besondere Aufmerksamkeit schenkt er beispielsweise dem Gärtnern im urbanen Raum und da spielt der Züricher Koch und Guerillagärtner Maurice Maggi eine besondere Rolle.

Als Protagonist der essbaren Stadt, die er als Alternativmodell zum Ressourchenverbrauch proklamiert, ist Maggi seit Mittwoch in Ludwigsburg zu Gast. So wirkte er bei der Einweihung des Stadtlabors mit und war überdies mit Vertretern aus der Stadtverwaltung und aus Unternehmen in der Weststadt unterwegs. Die staunten nicht schlecht, was Maggi da im industriell geprägten Quartier alles entdeckte: Er sammelte Kräuter aller Art, um daraus später leckere Gerichte zu zaubern.

Er mischte Beeren der hier ebenfalls wachsenden Mahonien in den Quark, reichte wilde Pflaumen zum Dessert und verblüffte die Teilenehmer des Rundgangs mit seiner kreativen Kochkunst. „In der Weststadt sollten mehr grüne Räume geöffnet werden“, meinte er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das Potential ist da und es gibt Platz für einige Bäume“, fügte er an. Er staune stets, wie es der Natur gelinge, auch städtisch geprägte Bereiche wieder für sich zu erobern. „Da gibt es plötzlich Heuschrecken und Libellen“. Und der Guerillagärtner lobte zudem Neuansiedlungen von Unternehmen in der Weststadt, die beim Bau ökologische Konzepte entwickelt haben. Maggi zeigte sich sicher, dass es gelingt, auch in der Stadt im Einklang mit der Natur zu leben.

Info: Das NaturVision-Filmfestival auf dem Arsenalplatz und im Central-Kino ist am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag jeweils ab 11 Uhr geöffnet.