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Verkehr

Die Zahl der Autos in Ludwigsburg steigt immer weiter

Zwischen 2009 und 2021 ist die Zahl der in Ludwigsburg angemeldeten Pkw von 42481 auf 50241 gestiegen. Das ist ein Wachstum von über 18 Prozent. Gleichzeitig versucht die Stadt, den Autoverkehr durch Radwege, Tempolimits sowie den Wegfall von Fahrspuren und Parkplätzen einzudämmen. Wie kann Ludwigsburg dieses Dilemma meistern?

Die Zahl der in Ludwigsburg gemeldeten Autos steigt von Jahr zu Jahr.Archivfoto: Wolschendorf
Die Zahl der in Ludwigsburg gemeldeten Autos steigt von Jahr zu Jahr. Foto: Wolschendorf

Ludwigsburg. Nicht nur im Landkreis steigt die Zahl der angemeldeten Pkw. Auch in der Stadt Ludwigsburg zeigt die Entwicklung nur in eine Richtung: nach oben. Zum 1. Januar 2021 waren allein in der Stadt 50241 Pkw angemeldet. Nimmt man Motorräder (4467), Lkw (2914) und Sonstige hinzu, sind es sogar 58631 motorisierte Fahrzeuge – allein in der Stadt. Und in allen Bereichen, auch bei den Motorrädern und Lastwagen, steigen die Zahlen von Jahr zu Jahr weiter an.

Rechnet man die Zahlen der angemeldeten Autos (50241) mit den Haushalten in Ludwigsburg (45939) gegen, kommt man auf knapp 1,1 Pkw, den jeder Haushalt durchschnittlich besitzt. Nicht mitgezählt sind dabei allerdings Geschäftswagen, die zum Beispiel in Stuttgart oder in anderen Landkreisen angemeldet sind.

Das Bevölkerungswachstum allein reicht als Erklärung für die Zunahme der Autos nicht aus. Seit 2015 stagniert die Zahl bei etwa 93000. Die Zahl der angemeldeten Pkw ist in diesem Zeitraum aber von 47075 auf besagte 50241 gestiegen. Offenbar entscheiden sich immer mehr Ludwigsburger für ein eigenes Auto und können sich dieses auch leisten.

Sichere Radwege in jeden Stadtteil

Noch interessanter wird diese Entwicklung, wenn man sich anschaut, vor welchem gesellschaftspolitischen Hintergrund sie sich vollzieht. Seit mehr als zwei Jahren stellen die Grünen die Mehrheit im Gemeinderat. Sie setzen sich klar für eine autoberuhigte bis autofreie Innenstadt, weniger oberirdische Parkplätze sowie mehr Verkehrsflächen für Radler und Fußgänger – zulasten der Autofahrer – ein. Die Stadt ihrerseits fördert Car-Sharing und stark verbilligte Tagestickets für den Bus. Den Autofahrern wurden außerdem Fahrspuren genommen, um sie Bussen und Radlern zu geben. Ja, selbst die weltweiten Diskussionen über den Klimawandel oder die schlechten Luftwerte in Ludwigsburg sowie die vom Autoverkehr völlig überlastete Innenstadt haben offenbar nicht dazu geführt, dass mehr Ludwigsburger bereit sind, auf ein eigenes Auto zu verzichten.

Ist der Einsatz für weniger Autos und Verkehr in Ludwigsburg also vergeblich? „Nein!“, sagt der scheidende, für die Mobilität zuständige Bürgermeister Michael Ilk. „Ausschlaggebend ist nicht allein die Zahl der Fahrzeuge, sondern wie und wo sie benutzt werden.“ Allein daraus, dass jemand ein Auto besitzt, könne man keine Rückschlüsse ziehen, wie viele Kilometer und wohin er damit fahre, so Ilk. Die Stadtverwaltung will sich durch diese Entwicklung jedenfalls nicht in ihrem Ziel beirren lassen. Und das heißt: weniger Autoverkehr in der Innenstadt.

Neben einem guten öffentlichen Nahverkehr seien dafür gut ausgebaute Radwege die Mittel erster Wahl. Ilk nennt hier als Beispiel die Robert-Franck-Allee, an der bald ein Radweg bis nach Grünbühl führen soll. Die Bewohner im dortigen Neubaugebiet sollen „gleich von Beginn an, eine gute Radwegeinfrastruktur haben“, sagt Ilk. Bei der Fahrt in die Innenstadt sollen sie sich erst gar nicht an das Auto gewöhnen. In jeden Stadtteil brauche es solche sicheren Radwege oder Fahrradstraßen – „damit können wir die Akzeptanz fürs Fahrradfahren erhöhen.“

Ein weiteres Thema sind Quartiersgaragen. Die sind schnell auf- und wieder abgebaut und bei weitem nicht so teuer wie der Bau und der Unterhalt einer Tiefgarage. Sollte die Zahl der Autos eines Tages tatsächlich abnehmen, könnten die Quartiersgaragen wieder verschwinden und anderen Nutzungen Platz machen.

Auch der Stellplatzschlüssel in Neubaugebieten wird wie schon in jüngster Vergangenheit ein heiß umkämpftes Feld bleiben, ist Ilk sicher. Ist der Stellplatzschlüssel hoch, muss viel Parkraum geschaffen werden, was die Immobilien und Mieten noch teurer macht. Ist er klein, entsteht Unmut in der Nachbarschaft, weil die neuen Bewohner wahrscheinlich mehr Autos haben als der Neubau Stellplätze und daher zum Parken auf die Umgebung ausgewichen werden muss.

In puncto Verkehr sieht Michael Ilk zusätzlich ein spezielles Problem der Barockstadt Ludwigsburg: Durch die breiten und zentralen Straßenachsen könne sie sehr viel Verkehr aufnehmen. In Bamberg, wo Ilk vor seiner Ludwigsburger Zeit gearbeitet hat, sei es aufgrund der engen, mittelalterlichen Gassen viel schneller gelungen, den Verkehr zu begrenzen und die Straßen in der Innenstadt nur noch für Anlieger zu öffnen. Dabei müsse auch in Ludwigsburg die Innenstadt entlastet werden. Und zwar auf der Achse Wilhelmstraße, Arsenalstraße und Schillerstraße. „Da muss zwingend der viele Verkehr raus“, sagt Ilk.

Straßenraum gerechter aufteilen

Auf der B 27 muss sich ebenfalls etwas tun. Gut 60000 Autos am Tag auf Höhe des Kaffeebergs sorgen nach wie vor für schlechte Luftwerte. Weiterhin droht ein Fahrverbot für ältere Dieselmodelle. „Viele Autofahrer, die die B 27 nutzen, erreichen wir aber gar nicht“, sagt Ilk und bezieht sich dabei auf den überörtlichen Charakter der Bundesstraße. Für viele ihrer Nutzer ist Ludwigsburg weder der Startpunkt noch das Ziel ihrer Fahrt. Trotzdem führt die Straße mitten durch die Stadt. „Diesen überörtlichen Verkehr bekommen wir nicht so schnell raus.“ Kurzfristig könne nur ein besserer Verkehrsfluss auf der Autobahn Ludwigsburg entlasten. Denn nach wie vor ist die B 27 eine Ausweichstrecke, wenn die Autobahn dicht ist, was leider oft vorkommt.

„Langfristig wird die Zahl der Autos abnehmen“, ist Ilk sicher. Viele Veränderungen bräuchten ihre Zeit. Zum Beispiel die Idee, Autos zu teilen, etwa über Car-Sharing. Bei den jüngeren Generationen beobachtet Ilk aber schon, dass das Auto keine so große Rolle mehr spielt. Nur mit Verboten komme die Stadt jedenfalls nicht weiter. „Wir wollen überzeugen.“ Etwa mit Aktionen wie der Mobilitätswoche, bei der Auto-Alternativen für den Stadtverkehr vorgestellt werden. Das Potenzial von E-Bikes sieht der Bürgermeister noch nicht ausgeschöpft. Durch den Elektromotor seien die vielen Steigungen in Ludwigsburg kein Problem mehr. Umdenken müsse aber nicht nur der Einzelne, sondern auch die Unternehmen. Mitarbeiter, die mit dem Rad kommen, brauchen Fahrradständer und Duschen, „ein von Anfang bis Ende funktionierendes System. Nur dann kommt man weiter.“

Unterm Strich werde in Zukunft jedenfalls weniger Straßenraum für die Autos zur Verfügung stehen. „Die Verteilung muss gerechter werden.“

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