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Landesgartenschau

Diesmal ganz weit vorne dabei?

Stadträte loben die professionelle Bewerbung durch die Stadtverwaltung – OB sieht Tunnel als ein wichtiges Projekt

Autos in den Tunnel, grüner Stadtboulevard nach oben: Mit dieser Idee für die B 27 in der Schlossstraße wollte man bei einer erneuten Landesgartenschau-Bewerbung punkten. Doch jetzt ist der Tunnel auf der Streichliste gelandet. Illustration: faktor g
Autos in den Tunnel, grüner Stadtboulevard nach oben: Mit dieser Idee für die B 27 in der Schlossstraße wollte man bei einer erneuten Landesgartenschau-Bewerbung punkten. Doch jetzt ist der Tunnel auf der Streichliste gelandet. Illustration: faktor grün

Ludwigsburg. Wer etwas sichtbar machen will, setzt heutzutage auf Film und Musik. So zeigt das Bewerbungsvideo der Stadt, abrufbar auch auf der städtischen Homepage, anschaulich, was für Ziele verfolgt werden: Die Landesgartenschau soll Stadt und Schloss zusammenführen, soll für mehr Grün insgesamt sorgen. Auch OB Werner Spec hofft, dann die B 27 tieferlegen zu können. Sobald der Verkehr im Tunnel fließt, kann oben ein grüner Stadtboulevard entstehen. Als Platz für die Städter, für Fußgänger, Radfahrer. Auch für Busse könnte es Vorteile bringen.

Im April hat sich die Fachkommission in Ludwigsburg umgesehen, die über die Bewerbungen für die Landesgartenschau entscheidet. Auffälligster Event, wie Baubürgermeister Michael Ilk jüngst im Gemeinderat berichtete: 400 Schüler haben an diesem Tag grün gekleidet die Schlossstraße belagert (wir berichteten). Ansonsten fand der Besuch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Ein Filmteam hat allerdings Stadtverwaltung und Kommission begleitet – es ist ein Film, der – vorgeführt in der Ratssitzung – im Kontrast zum ersten steht: mit Bildern wie bei einem Staatsbesuch und unterlegt mit imposanter Musik, die manchen an die Liebesszene auf dem Bug des sinkenden Überseeschiffes Titanic erinnerte. So gesehen kann sich Ludwigsburg glücklich schätzen, dass es keine Eisberge hat und es gibt Hoffnung, dass man bei der Landesgartenschau 2026 berücksichtigt wird.

„Diesmal dürften wir weit vorne dabei sein“, ist CDU-Fraktionschef Klaus Herrmann überzeugt, der die Bewerbung als sehr gut bezeichnete. Im Vergleich zu der vor 25 Jahren sei der Unterschied „wie Tag und Nacht“. Für ihn ist eine Landesgartenschau ein großes emotionales Ereignis, das auch die Bürger bewegen wird. Dass die Autos unter die Erde kommen und mit dem Tunnel viel Freiraum entsteht, sieht er als eines der wichtigsten Elemente.

Die Grünen regen eine „Prozess-Gartenschau“ an – will heißen: Die Stadt fängt schon jetzt an, für mehr Grün zu sorgen. „Jetzt kann’s losgehen, man muss nicht zehn Jahre warten“, so Michael Vierling. Die Landesgartenschau sollte dann einen weiteren Schub geben, es könnten 52 000 Quadratmeter Grünflächen entstehen. Eine solche Schau sei auch mehr als 1000 bunte Blümchen zu zeigen. Es gehe um Ökologie, um Klima und Abkühlung in einer Stadt, die auch den Verkehr reduziert. Vierling: „Weniger Autos ist im Trend.“

Die SPD drückt die Daumen für die Bewerbung, will auch das Verfahren positiv begleiten, wie Stadtrat Dieter Juranek ausführte. „Es ist jetzt aber nicht der Zeitpunkt, um große Reden zu halten“, fand er. Es sei wichtig, innerstädtisch Grünflächen zu entwickeln, es gebe aber auch bereits hochwertige Aufenthaltsbereiche. Andererseits müsse die Verwaltung sehen, dass eine Landesgartenschau viele Menschen in die Stadt zieht und damit auch ein enormer Aufwand und viel Arbeit einhergeht. „Dabei sind wir jetzt schon höchst ausgelastet.“

Die Freien Wähler wollen sich das Träumen nicht verbieten lassen und regen erneut auch einen Favorite-Tunnel an und nennen den Nord-Ost-Ring als Entlastung für den Stadtverkehr. Der Tunnel B 27 sei zwingend, auch eine Tiefgarage Bärenwiese. „Wir begrüßen, dass der Stein ins Wasser geworfen wurde“, so Fraktionschef Reinhardt Weiss, der die professionelle Bewerbung durch die Stadtverwaltung lobte. „Eine Landesgartenschau 2026, das können wir schaffen.“ Als „spiritus rector“ und Ideengeber sieht sich die FDP, die wie die CDU mehrmals die Bewerbung um eine Landesgartenschau eingefordert hat. Johann Heer erinnerte daran, dass es schon 2007 Pläne für den B 27-Tunnel gab. Könnte der gebaut werden, wäre das „ein Quantensprung für Ludwigsburg“.

Sauer aufgestoßen ist Elga Burkhardt (Lubu), dass Eglosheim nicht berücksichtig ist, auch der Favoritepark und das Osterholz nicht richtig verbunden werden. „Ein paar Bäume machen noch keine Vernetzung aus“, findet sie. Mehr Grün sei auch ohne eine Landesgartenschau möglich, schlug sie vor.

„Himmelangst“ wird es Harald Lettrari. Der parteilose Stadtrat befürchtet, dass enorme Kosten und viel Arbeit auf die Stadt zukommen. Fragen des Wohnungsbaus seien nicht gelöst, Fragen zur Stadtbahn und andere auch nicht. Ihm fällt dazu nur ein: „Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?“