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Wirtschaftsinformatik

Digitale Hochschule soll kommen

Vom Wintersemester 2020 an soll der duale Studiengang „Digital Engineering & Management“ der Weiterbildungsstiftung der Hochschule Reutlingen in Ludwigsburg unterrichtet werden. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzen sich dafür viele namhafte Unternehmen ein – gemeinsam mit der Stadt Ludwigsburg.

Nicht nur Lehrer und Filmschaffende werden an den Hochschulen in Ludwigsburg ausgebildet. Ab 2020 werden in einem neuen Studiengang in der Stadt Informatiker ausgebildet.Foto. Stock Adobe
Nicht nur Lehrer und Filmschaffende werden an den Hochschulen in Ludwigsburg ausgebildet. Ab 2020 werden in einem neuen Studiengang in der Stadt Informatiker ausgebildet.Foto. Stock Adobe

Der Sprung ins digitale Zeitalter ist eine große Herausforderung. Doch die dafür nötigen Fachkräfte suchen Firmen und Kommunen in Deutschland viel zu oft vergeblich. Den großen Bedarf der Unternehmen in der Region soll unter anderem ein neuer dualer Studiengang bedienen, der in Ludwigsburg angesiedelt wird. Die Hochschule Reutlingen und die Stadt Ludwigsburg planen gemeinsam die Einrichtung eines Studiengangs. An der Finanzierung beteiligt sich unter anderem die Wüstenrot-Stiftung.

„Wir hoffen, dass das keine Dauerförderung wird, sondern das Land einsteigt.“

Daniel O’Sullivan
SPD-Stadtrat

Auch bei der Standortfrage könnte W&W eine Rolle spielen. „Die W&W-Gruppe plant bekanntlich im Zusammenhang mit der Errichtung ihres neuen Unternehmens-Campus in Kornwestheim auch eine Neuordnung des bisherigen Ludwigsburger Firmenareals und bisheriger angrenzender Büroräume“, so Immo Dehnert, Pressesprecher des Unternehmens. Es werde auch eine Öffnung für weitere Nutzungsmöglichkeiten geprüft. „Im Zuge der Nachwuchsförderung könnte auch eine Vermietung von Räumen an eine Bildungseinrichtung infrage kommen, wozu sich das Unternehmen in Gesprächen mit der Hochschule Reutlingen befindet“, so Dehnert weiter. „Details stehen noch nicht fest, auch sind noch keine Gremien-Entscheidungen getroffen worden.“ Offenbar geht die Stadt davon aus, dass es für die Hochschule eine Übergangszeit von mehreren Jahren geben wird, was die Räume anbelangt. „Es werden noch verschiedene Alternativen geprüft, schwerpunktmäßig in der Südstadt“, heißt es auf die Anfrage bei der Pressestelle der Stadt. Daniel Geigis, Geschäftsführender Vorstand der Weiterbildungsstiftung der Hochschule Reutlingen, wünscht sich für den Studiengang vor allem attraktive Räumlichkeiten, die für Begeisterung bei den Studierenden sorgen. Der Platzbedarf werde in den ersten Jahren von etwa 500 auf 1400 Quadratmeter steigen.

W&W ist nicht das einzige Unternehmen, das sich für die Ausbildung der Fachkräfte engagiert. 14 Unternehmen, darunter viele aus Ludwigsburg, haben laut Stadt bereits verbindlich ihr Interesse bekundet. Die Unternehmen sollen einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des Studiengangs leisten, pro Student sind 600 Euro vorgesehen.

„Das Studium soll Technik, Informatik und Management abdecken“, berichtete Alexander Rossmann dem Gemeinderat in dieser Woche. Der Professor für Marketing und Vertrieb ist an der Hochschule Reutlingen für Unternehmenskontakte an der Fakultät für Informatik zuständig und kümmert sich um den Aufbau des Studiengangs. Bisher ist der Start mit bis zu 40 Bachelorstudierenden geplant. Auch eine Masterklasse mit 20 Studierenden könnte 2020 möglich sein. „Wir wollen den Standort als Ludwigsburger Hochschule vermarkten“, stellte Rossmann dem Gemeinderat in Aussicht und sprach von der „Digitalen Hochschule Ludwigsburg“. Dafür wird auch die Stadt Geld geben. Von 2020 bis 2024 soll Ludwigsburg jeweils 150.000 Euro jährlich beisteuern. Mit dieser Form der kommunalen Mitfinanzierung hat die Hochschule Reutlingen bereits Erfahrung: In Böblingen, wo die Hochschule ebenfalls eine Außenstelle betreibt, steuert die Stadt Böblingen auf zehn Jahre 170.000 Euro jährlich bei.

Die Ludwigsburger Stadträte stimmten den Plänen zu, was Oberbürgermeister Werner Spec als „wichtiges Signal für die Hochschule“ bezeichnete. Derweil sind noch viele Fragen offen. Ein „detailliertes Finanzkonzept“ forderte Klaus Herrmann (CDU), dessen Fraktion dem Projekt positiv gegenübersteht. „Wir hoffen, dass das keine Dauerförderung wird, sondern das Land einsteigt“, sagte Daniel O’Sullivan (SPD), der zuversichtlich ist, „dass alle praktischen Probleme gelöst werden“. Michael Vierling (Grüne) sieht noch viele Fragen ungeklärt. Er forderte unter anderem eine Prüfung in Sachen Standort. Seine große Sorge: zusätzlicher Verkehr in der Südstadt.

„Wir können die Skepsis nicht teilen“, sagte Florian Lutz (Freie Wähler). „Es ist ein absolut sinnvoller Schritt und die Unternehmen stehen dahinter.“ Neben W&W ist Professor Rossmann zufolge MHP ein wichtiger Treiber des Projekts. Ebenfalls genannt wurden unter anderem Lapp Kabel, Bosch, Porsche, Roche und Siemens. „Das sind nicht irgendwelche Firmen“, sagte Jochen Eisele (FDP). „Wir wären blöd, wenn wir das nicht machen würden.“ Auch wenn er das Verkehrsproblem der Südstadt nicht wegdiskutieren will: „Es werden nicht alle 400 Studierenden mit dem Porsche anfahren.“

OB Spec lenkte das Augenmerk auf ein anderes Verkehrsmittel: „Nach der Verfügbarkeit der Bahngleise wäre ein Bahnhalt bei Wüstenrot im Viertelstundentakt möglich.“ Dies gehe aus einer ganz aktuellen Studie hervor, die die Möglichkeiten der Markgröninger Bahn genauer in den Blick nimmt. Nach Informationen unserer Zeitung muss jedoch noch im Detail untersucht werden, ob im Falle einer Reaktivierung der Markgröninger Bahn auch bei Verspätungen ein stabiler Fahrplan bis Kornwestheim möglich ist.

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