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Medienstandort

Doku-Filmpreis zieht nach Stuttgart

Niederlage für Ludwigsburg: Erstmals seit 2005 wird der Deutsche Dokumentarfilmpreis nicht hier, sondern in Stuttgart verliehen. Auch der Branchentreff Dokville kehrt Ludwigsburg den Rücken. Die Stadt bedauert den Wegzug, in der Filmakademie bleibt man gelassen.

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Ludwigsburg. Über die Gründe kann man nur spekulieren, doch die Entscheidung steht fest: Ende Juni wird der Deutsche Dokumentarfilmpreis erstmals in Stuttgart verliehen. Und nicht nur das. Der Veranstalter SWR will den mit 20 000 Euro dotierten Preis ab sofort jährlich vergeben. Zusätzlich soll für das Publikum künftig auch ein Doku-Festival stattfinden. Es findet vom 28. bis zum 30. Juni im Metropol-Kino in Stuttgart statt. Gezeigt werden dabei Dokumentationen, Porträts, Reportagen und Filmessays, so der SWR in einer Mitteilung.

Der 2003 ins Leben gerufene Preis ist seit 2005 alle zwei Jahre in Ludwigsburg verliehen worden (Infobox). Zuletzt im Rahmen einer großen Feier in der Musikhalle. Die Veranstaltung brachte in den vergangenen Jahren illustre Gäste wie Wim Wenders nach Ludwigsburg.

Genaue Angaben für die Gründe des Umzugs macht der Sender keine. Offenbar sieht SWR-Intendant Peter Boudgoust in Stuttgart aber eher die Chance, eine große Öffentlichkeit zu erreichen. „Das Metropol-Kino ist ein eingeführtes Festivalkino“, antwortet eine Pressesprecherin des Senders auf die Frage unserer Zeitung nach den Gründen für den Wegzug. Und: Dem SWR sei daran gelegen, ein möglichst großes Publikum für den Dokumentarfilm zu begeistern.

Andere Festivals wurden gestärkt

Neben dem Dokumentarfilmpreis verlässt auch der Branchentreff Dokville Ludwigsburg. Auch diese Veranstaltung, bei der Dokumentarfilmer über die neuesten Entwicklungen in der Branche diskutieren, war seit 2005 in der Stadt zu Hause – zuletzt im Scala. „Ludwigsburg war ein wunderbarer Ort, wir wurden vom Scala und von der Stadt super unterstützt“, sagt Irene Klünder. Sie ist Geschäftsführerin im Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart. Gemeinsam mit der Film- und Medienförderung des Landes ist das Haus des Dokumentarfilms Veranstalter von Dokville.

Dass auch Dokville nach Stuttgart zieht, hänge nur mit dem Umzug des Dokumentarfilmpreises zusammen, erklärt Klünder. Denn der Preis wurde bisher immer im Rahmen von Dokville verliehen. Organisatorisch gehören beide Veranstaltungen zusammen. Klünder begrüßt, dass der SWR mit dem Umzug nach Stuttgart und dem neuen Doku-Festival nun auch gezielt das interessierte Publikum ansprechen will.

Die Stadt Ludwigsburg bedauert den Wegzug. Man sei immer bestrebt, Veranstaltungen aus dem Bereich Film und Medien zu halten, so eine Sprecherin der Verwaltung. „Die Stadt hat deshalb, wie schon bei der Verlegung des Deutschen Wirtschaftsfilmpreises, beschlossen, den Medienstandort auf andere Weise aktiv weiter zu gestalten“, heißt es bei der Verwaltung. So sei das Filmfestival Natur-Vision gestärkt worden und auch das Festival Raumwelten verbuche steigende Besucherzahlen. Darüber hinaus gebe es weitere renommierte Veranstaltungen in Ludwigsburg. „Der Film- und Medienbereich und die Kreativwirtschaft entwickeln sich überdurchschnittlich gut in Ludwigsburg.“

Dok-Premieren bleiben in Ludwigsburg

Der Leiter der Filmakademie, Thomas Schadt, sieht den Umzug wenig dramatisch. „Zunächst einmal muss man die Entscheidung des SWR akzeptieren.“ Offenbar habe der Sender sein Konzept in Ludwigsburg nicht umsetzen können. Für die Filmakademie, deren Studenten auch gerne als Teilnehmer bei Dokville gesehen werden, habe der Umzug keine Auswirkungen. „Studenten, die sich für das Thema interessieren, fahren dafür auch bis Stuttgart“, ist er überzeugt.

Schadt, der selbst ein Dokumentarfilmer ist, geht noch weiter: „Wenn das Konzept in Stuttgart aufgeht und es dabei hilft, dem Dokumentarfilm mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, dann hat sich der Umzug gelohnt.“ Von der ständigen Gegenüberstellung von Stuttgart und Ludwigsburg, wenn es um den Medienstandort geht, hält er sowieso nichts. Beide Städte seien letztlich ein Standort. „Es geht um den Dokumentarfilm und das kann man nicht lokalpatriotisch sehen.“ Zudem: Mit den öffentlichkeitswirksamen Raumwelten habe Ludwigsburg längst einen erfolgreichen Ausgleich erhalten.

Rainer Storz, der Vorsitzende des Vereins Kinokult, der sich seit Jahren für den Filmstandort Ludwigsburg einsetzt, findet den Wegzug dagegen schade. „Das kann man nur bedauern.“ Immerhin: Eine wichtige Veranstaltung bleibt den Ludwigsburgern wohl auch künftig erhalten. Die regelmäßigen Dokumentarfilm-Premieren, die mit dem Dokville hier etabliert wurden, soll es auch weiterhin geben.