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Nahverkehr

Doppelstrategie mit offenem Ende

Verkehrsministerium regt an, beide Verfahren voranzutreiben – Auch der Landrat sieht den Weg als gangbar an

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Ludwigsburg. Die Vorstellungen zwischen Stadt und Landkreis, wie der Nahverkehr vorangebracht werden soll, sind zunehmend auseinandergedriftet. Auch politisch haben sich die Parteien formiert. Eine überraschende Wende brachte nun ein Gespräch im Verkehrsministerium, bei dem Oberbürgermeister, Landrat und die Bürgermeister der Nachbarkommunen waren (wir berichteten). Eine Wende, die vieles offen lässt. „Lassen wir das Leben entscheiden“, lautete die Maxime des Gesprächs mit dem zuständigen Ministerialdirektor Uwe Lahl – weshalb nun beide Nahverkehrsmodelle weiter verfolgt werden sollen.

Wichtig sei, dass man sich „nicht gegenseitig blockieren“ dürfe, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Sowohl die Stadtbahn, für die jetzt möglichst rasch beim Bund ein Antrag auf Förderung gestellt werden soll, als auch das BRT-System (Bus Rapid Transit) mit Reaktivierung der Schiene nach Markgröningen hält das Ministerium für sinnvoll. Eine Förderung für das Schnellbussystem durch das Land sei nicht ausgeschlossen.

„Wir fahren parallel, es werden beide Modelle vorangetrieben“, ist Landrat Rainer Haas mit dem Gespräch zufrieden. „Ich begrüße diese Vorgehensweise ausdrücklich“, sagte er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch wenn er nach wie vor der Meinung sei, dass die Stadtbahn die beste Lösung sei, hoffe er, dass man nun vorankomme. Die doppelte Strategie könne dazu beitragen, die entstandene Lagerbildung auch im Ludwigsburger Gemeinderat aufzubrechen. Dort hatten sich nach der überraschenden Vorstellung des BRT-Konzepts, auf das sich OB und Verwaltung festgelegt hatten, vor allem CDU, Freie Wähler und FDP auf diese Variante verständigt. Pro Stadtbahn positionierten sich daraufhin Grüne, SPD, Ökolinx und Einzelstadträte. In dieser Konstellation hätte es jeweils nur eine knappe Mehrheit für eine der Nahverkehrslösungen gegeben. Auch ein Bürgerentscheid war bereits angedacht.

Die neue Strategie, die das Verkehrsministerium angeregt hat, wertet Oberbürgermeister Werner Spec als Doppelstrategie. Ziel sei, möglichst rasch zu einem Ergebnis zu kommen, um den Nahverkehr zu verbessern, betonte er bei der Bürgerinfoveranstaltung. Zunächst steht eine Entscheidung des Ludwigsburger Gemeinderats an. Anfang Mai soll sich entscheiden, ob das Gremium diesen Weg mitgeht. „Damit wären wir im Zeitplan, auf den ich Wert gelegt habe“, so Haas.

Die Vorschläge für eine überregionale BRT-Verbindung mit einer Reaktivierung vorhandener Schienen gehe laut Haas über die Zuständigkeit der Stadt hinaus. Landkreis und Stadt werden deshalb gemeinsam einen Vorstoß beim Regionalverband Stuttgart unternehmen. „Wenn der Verband die Reaktivierung der Bahn übernimmt, wäre das vorteilhaft.“ Auch die Nachbarkommunen gehörten mit ins Boot. Haas selbst sieht vor allem Probleme innerhalb Ludwigsburgs. Die Straßen ließen sich nicht beliebig verbreitern, weshalb auch eine BRT-Trasse oder eine Busbeschleunigung die Stadt vor eine große Herausforderung stelle.

Wird eine Stadtbahn verhindert, wenn jetzt eine Reaktivierung der Bahnlinie und der Einsatz von BRT-Bussen möglich wird? Mit den Bussen komme man schneller zu einem Nahverkehrseffekt, so Haas. Trotzdem müsse auch für Busse geplant werden, was Zeit beanspruche. „Jetzt müssen wir mal sehen, was besser vorangeht. Dann können weitere Entscheidungen getroffen werden.“