Logo

KOnflikt

Downhillfahrer wollen im Wald keinen Ärger

Der Konflikt scheint programmiert: Wo die Räder mit den groben Stollenreifen im Wald auftauchen, gibt es Ärger. In Beilstein haben Downhillfahrer und Kommune zu einem gedeihlichen Miteinander gefunden; in Großbottwar steht dieser Prozess offenbar noch am Anfang.

350_0900_15527_COKRMountainbike.jpg
Möglichst rau und vor allem abwärts, so lieben es Downhillfahrer. Foto: Jan Woitas/picture alliance

Ludwigsburg. Ob bekannt sei, dass es im Häldenwald eine Downhillstrecke gebe, wollte Stadtrat Matthias Wien (CDU) während der jüngsten Gemeinderatssitzung wissen; ein Jagdpächter habe sich deshalb bei ihm beschwert.

Wer Bürgermeister Ralf Zimmermann auf das Thema Mountainbiker anspricht, hört einen tiefen Seufzer: Ja, im Häldenwald sei „massiv gebaut“ worden – Sprungschanzen, Kurven, sogar eine Metallplatte sei versenkt worden. „Das geht gar nicht“, sagt Zimmermann, „da ist eine rote Linie überschritten worden.“ Ein Fahrrad kaufen, einen Spaten nehmen und damit den Wald verändern – das fänden Jagdpächter nun mal „nicht besonders lustig“. Allerdings gebe es Bestrebungen, auch in Großbottwar eine gute Lösung zu finden. Wie in Beilstein.

Dort hatten sich im Juni vergangenen Jahres Mountainbiker und Downhillfahrer im Verein Trailsurfers zusammengeschlossen, hatten mit der Stadtverwaltung und dem zuständigen Landratsamt Heilbronn verhandelt – zum Teil hart, wie zu hören ist – und hatten schließlich eine offizielle Downhillstrecke ausgewiesen. Der Verein pflegt und unterhält den Trail und ist bestrebt, sich nicht unbeliebt zu machen: Der Saison Opening Day am vergangenen Samstag war mit Beilsteins Bürgermeister Patrick Holl abgesprochen und nicht groß beworben worden, um keine Massen von Radlern anzulocken.

Stefan Pyttlik, der Vorsitzende der Trailsurfers setzt auf Zusammenarbeit und Konzilianz: „Wir möchten nicht, dass der Konflikt eskaliert, wir stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.“ Er verstehe durchaus den Ärger der Jäger, sagt Pyttlik, aber die Downhillfahrer seien ja keine Schwerverbrecher, sondern einfach „Leute, die nach der Arbeit ihren Sport machen wollen“. Und je populärer Elektrofahrräder werden, desto mehr steige auch die Zahl der Downhiller, ist Pyttlik überzeugt; deshalb müsse man das Thema offensiv, aber konstruktiv angehen und vernünftige Regeln schaffen. Pyttlik ist überzeugt, dass sein Sport auch den Kommunen etwas bringt: „Wer für ein Mountainbike zwischen 2000 und 5000 Euro ausgibt, der geht abends auch noch essen.“

Im Landratsamt Ludwigsburg – das als Untere Naturschutzbehörde letztlich zuständig ist, weil der Häldenwald Landschaftsschutzgebiet ist – stehe man dem Thema aufgeschlossen gegenüber, hat Pyttlik registriert; auch Oberstenfelds Bürgermeister Markus Kleemann habe Offenheit signalisiert.

Großbottwar hingegen verhalte sich abwartend – und habe erst mal Verbotsschilder im Wald aufgehängt.