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Verkehr

E-Autos als Mietwagen kein Renner

Kein einziges Elektroauto mehr im Ludwigsburger Carsharing – Der Anbieter Flinkster hat den letzen E-Wagen abgezogen

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Viele Autofahrer trauen Mietautos mit Batterien statt Benzintank noch nicht so recht. Foto: dpa

Ludwigsburg. Für eine Stadt, die sich gerne als Modellstadt in Sachen Elektromobilität und Transformation sieht, ist es besonders bitter: Das Carsharing in Ludwigsburg bietet kein einziges Elektroauto mehr. Es war ohnehin nur eine kleine Flotte von drei E-Fahrzeugen, welche die Bahntochter Flinkster in Ludwigsburg stationiert hatte. Zwei der Fahrzeuge waren Ende 2015 nach nur einem Jahr wieder abgezogen worden, mangels Nachfrage. Seit Mitte dieses Jahres ist auch das letzte E-Fahrzeug weg. Es stand direkt beim Rathaus. „Die Station dort wurde nur in geringem Umfang genutzt“, so die Begründung bei Flinkster.

In Ludwigsburg ist jetzt noch das Carsharing Stadtmobil aktiv. Es bietet in Ludwigsburg an zehn Stationen rund 20 Fahrzeuge, alle mit Verbrennungsmotoren. Stadtmobil hat sich in Gesprächen mit der Stadt bereit erklärt, ein Elektroauto in den Ludwigsburg Fuhrpark aufzunehmen. Es soll – wie der letzte Flinkster – beim Rathaus stehen.

Bei der Mobilitätswende mit Carsharing und hier vor allem bei Angeboten mit E-Fahrzeugen liegt Ludwigsburg hinter anderen Städten in der Region zurück. Stuttgart, Esslingen, Böblingen, Sindelfingen, Gerlingen: Sie haben nicht nur das Angebot von Stadtmobil, in Stuttgart auch das von Flinkster, sondern bieten zudem das Carsharing Car2Go. Das Tochterunternehmen von Daimler hat in den genannten Städten eine große Flotte von 500 Smarts und 50 Autos der B-Klasse im Einsatz, allesamt rein elektrisch betrieben.

Allerdings wird sich Car2Go ab November deutlich aus der Fläche zurückziehen, sich stärker auf ein Kerngebiet in Stuttgart konzentrieren und für Fahrten in die Region etwa nach Esslingen eine Zusatzgebühr verlangen (siehe auch Text unten).

Warum gibt es Car2Go nicht in Ludwigsburg? Am Anfang vor fünf Jahren lag es wohl daran, dass es sich beim Aufbau um ein Gemeinschaftsprojekt von Daimler mit dem Energieversorger EnBW handelte – und Ludwigsburg der EnBW erst kurz davor den Betrieb des Stromnetzes weggenommen hatte. Dann fehlte es in Ludwigsburg an der nötigen Zahl von Stromtankstellen im Stadtgebiet. Und jetzt hat Car2Go offengelegt, dass außerhalb Stuttgarts die Wirtschaftlichkeit des Angebots zum Problem wird.

Spielt auch eine Rolle, dass viele Autofahrer gegenüber E-Autos nach wie vor reserviert sind? Das zeigt Flinkster, wo der Verleih mit konventionellen Autos etwa in Bietigheim-Bissingen funktioniert, das Angebot von Elektroautos in Ludwigsburg aber komplett eingestellt wurde. Auch bei Stadtmobil kennt man das Problem. „Viele Leute haben nach wie vor Angst davor, dass ihnen das Elektroauto stehen bleibt“, berichtet Edgar Augel, Marketingchef bei Stadtmobil in der Region Stuttgart. Die Angst sei zwar oft völlig unbegründet, weil die Mietautos meistens nur für kürzere Fahrten genutzt werden. Aber die Vorbehalte seien bisher einfach nicht aus der Welt zu bekommen. Nach wie vor gebe es auch die Unsicherheit bei vielen Fahrern, ob sie mit einem Elektrofahrzeug zurechtkommen.

Bei Car2Go will man von Vorbehalten der Kunden nicht reden. Zwar betreibt das Unternehmen, das weltweit expandiert, neben Stuttgart nur zwei weitere Elektroflotten, in Amsterdam und Madrid. Aber es heißt: „Unsere Kunden nutzen häufig und gerne Elektrofahrzeuge.“