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Kreisimpfzentrum

Ein Blick hinter die Kulissen des Kreisimpfzentrums: „Das Aufziehen der Spritze ist Hochpräzisionsarbeit“

Werden im Ludwigsburger Kreisimpfzentrum Spritzen falsch aufgezogen, so dass zu wenig Impfstoff verabreicht wird? Die Verantwortlichen weisen diesen Vorwurf entschieden zurück. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen des Kreisimpfzentrums geworfen – dorthin, wo die Spritzen jeden Tag vorbereitet werden.

Täglich werden im Kreisimpfzentrum Hunderte Spritzen aufgezogen. Fotos. Ramona Theiss
Täglich werden im Kreisimpfzentrum Hunderte Spritzen aufgezogen. Fotos. Ramona Theiss

Ludwigsburg. Unser Bericht über den Vorwurf, dass im Kreisimpfzentrum mehr Dosen als vorgegeben aus den Biontech-Ampullen gezogen werden und dadurch zu wenig Impfstoff gespritzt werde (LKZ vom 27.März), hat Wellen geschlagen. Senioren, die bereits eine Impfung mit Biontech bekommen haben, haben sich per Telefon oder E-Mail an die Redaktion gewandt. Sie fragen besorgt, ob sie nun denn überhaupt geschützt sind. Dann ein weiterer Anruf: Die Vorwürfe stimmen, im Kreisimpfzentrum laufe tatsächlich einiges schief, sagt eine Person, die anonym bleiben möchte.

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So kommt der Impfstoff in die Spritze

Diese Rückmeldungen haben wir zum Anlass genommen, uns einmal mehr im Kreisimpfzentrum (KIZ) umzusehen. Und zwar dort, wohin die Impfwilligen keinen Zutritt haben. Hinter aufgestellten Wänden sitzen medizinische Fachangestellte, die den Impfstoff vorbereiten und die Spritzen aufziehen. „Das ist Hochpräzisionsarbeit“, sagt Dr. Roland Kolepke, der medizinische Leiter des KIZ. Die Mitarbeiter müssten ganz exakt vorgehen, um bei der Vorbereitung des Impfstoffes nichts falsch zu machen.

Schütteln zerstört die Fettpartikel und macht das Vakzin unbrauchbar

Vor allem der Impfstoff von Biontech, der Comirnaty heißt, braucht einiges an Vorbereitung: Das Konzentrat muss mit einer Kochsalzlösung verdünnt werden und darf nur geschwenkt, nicht geschüttelt werden. „Durch das Schwenken formieren sich die Fettpartikel um die mRNA-Teilchen“, erklärt Kolepke. Beim Schütteln würden diese Partikel zerstört werden. Das würde zum Beispiel auch passieren, wenn die aufgezogenen Spritzen runterfallen. Dann ist der Impfstoff unbrauchbar. Bisher sei das in Ludwigsburg noch nicht passiert. Doch falls doch, stehen im Kühlschrank immer fünf Ersatzampullen, die verwendet werden können. Da der Impfstoff im Kühlschrank fünf Tage haltbar ist, können diese Ersatzdosen, wenn sie an einem Tag nicht gebraucht werden, am Tag darauf verwendet werden, erklärt der KIZ-Leiter, Andy Dorroch.

Es werde sehr genau gearbeitet beim Aufziehen der Spritze. Genau deswegen ärgere es ihn – und die medizinischen Fachangestellten –, wenn einzelne Personen anonym behaupten, es laufe falsch, sagt Kolepke. Man verwende genau die Spritzen und Utensilien, die vom Land für die Impfungen vorgesehen sind, sagt der Mediziner. Von Biontech ist vorgegeben, dass sechs Dosen aus einer Ampulle gezogen werden können. Aus einem Teil der Fläschchen kann auch eine siebte Dosis gezogen werden. „Die Entscheidung, ob sieben Dosen entnommen werden, sofern dies möglich ist, liegt bei den Verantwortlichen der Impfzentren“, heißt es aus dem Sozialministerium. In anderen Bundesländern, etwa in Nordrhein-Westfalen, erlaubt die Landesregierung offiziell die Entnahme einer siebten Dosis. Rein rechnerisch ist dies auch möglich: Das Konzentrat in der Ampulle (0,45 Milliliter) wird mit 1,8Milliliter Kochsalzlösung gemischt. In jeder Spritze müssen 0,3Milliliter enthalten sein. Je nach Fertigkeiten des medizinischen Personals kann also auch eine siebte Dosis gezogen werden. Allerdings dürfen dabei die Reste aus verschiedenen Fläschchen nicht gemischt werden.

In Ludwigsburg ist das bei etwa der Hälfte der Ampullen der Fall, sagt Kolepke und zeigt eine Tabelle, in der dies notiert ist. „Wenn eine siebte Dosis rauskommt, dann steh ich als Arzt dafür, dass diese auch verimpft wird.“

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