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Schädlinge

Ein menschengemachtes Problem

Ratten sind dort, wo auch Menschen sind. Immer mehr nicht sachgerecht entsorgter Müll sowie milde Temperaturen sorgen für ein hohes Rattenaufkommen in Ludwigsburg wie auch in vielen weiteren deutschen Städten. Präventionsmaßnahmen könnten dagegen helfen. Doch dabei müssten auch Privatpersonen mitziehen.

Wo Menschen leben, fühlen sich auch Ratten wohl – gerade dann, wenn Essensreste nicht richtig entsorgt werden. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Wo Menschen leben, fühlen sich auch Ratten wohl – gerade dann, wenn Essensreste nicht richtig entsorgt werden. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Ludwigsburg. Es ist fast genau einen Monat her, dass sogar ein Bagger anrücken musste, um das Ratten-Problem auf dem Kita-Spielplatz an der Oberen Marktstraße zu lösen (wir berichteten). Wegen etlicher Löcher musste das Gelände ausgekoffert werden. Eine Rückkehr der Kinder und Erzieher in die Einrichtung wurde erst für November 2019 prognostiziert. Immerhin: Man sei, so Jürgen Dobusch von der Firma PSD Schädlingsbekämpfung, wieder Herr der Lage. „Wir haben die Problematik an sich gut im Griff“, sagt er. Das sei aber auch nie anders gewesen. „Wir haben Anfang des Jahres mit der Rattenbekämpfung angefangen“, sagt Dobusch über den Kampf gegen das Ungeziefer auf dem Ludwigsburger Spielplatz.

Das Problem, wieso man kürzlich allerdings auf das schwere Gerät zurückgreifen musste und mit einem Bagger den Spielplatz aushob, war ein anderes: Nachdem die Ratten die giftigen Köder angefressen hatten, verkrochen sie sich in ihren unterirdischen Bauten – wo sie starben. „Da kam dann der Kadavergeruch raus, weshalb der Kindergarten geschlossen werden musste“, berichtet Dobusch. Mittlerweile sei der Großteil der Ratten weg, das hätten ihm auch die Anwohner bestätigt. Doch der „große Erfolg“, von dem Dobusch über den Kampf gegen die Ratten auf dem Kindergartenspielplatz spricht, täuscht ihn nicht über seinen sonstigen Eindruck hinweg: „Ich habe das Gefühl, dass wenn jemand einen Sack aufmacht, da die Ratten rauskommen.“

Ähnlich sieht es auch Heinz Mayer, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung bei der Stadt Ludwigsburg. „Wir haben schon festgestellt, dass es deutlich mehr ist als sonst“, sagt er über das Rattenvorkommen in Ludwigsburg. „Aber eigentlich weiß keiner so richtig, woran das liegt“, fügt er an, hat aber auch eine Vermutung: „Das Klima wird milder und Ratten sind da, wo es ein Nahrungsangebot gibt.“

Immer mehr Müll, schlampige Entsorgung, die Hitze und vor allem die teilweise fehlenden Präventionsmaßnahmen sind laut Schädlingsbekämpfer Dobusch schuld an dieser Entwicklung. „So viele Giftköder und Nachkontrollen, wie eigentlich nötig wären, kann keine Kommune stemmen“, sagt er. „Wir müssen vorsorglich etwas tun, damit es nicht so weit kommen kann.“

Laut Mayer sei das Problem zudem keines, das nur in Ludwigsburg aufkommt. Erst in dieser Woche berichtete der Spiegel von einer dramatischen Entwicklung in den letzten Jahren. Im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf hätten sich die dokumentierten Einsätze gegen Ratten zwischen 2013 und 2018 fast verdoppelt.

Von Problemen mit Ratten gab es in den vergangenen Jahren auch immer wieder Berichte aus der Stadt Mannheim. Dort sei man laut Angaben der Stadt aber mittlerweile Herr der Lage geworden. Seit 2017 seien die Rattenmeldungen aus der Bürgerschaft rückläufig.

Für die oberirdische Rattenbekämpfung im öffentlichen Raum nutze man Rattenboxen und Fraßköder im Abwasserkanal. Zudem kämpfe man mit Flyern, Broschüren und Pressemitteilungen dafür, dass Menschen ihren Müll sachgerecht entsorgen. „Das Rattenproblem ist ein durch den Menschen selbst verursachtes Problem. Ratten halten sich dort auf, wo es etwas zu fressen für sie gibt“, teilt die Stadt Mannheim mit.

Ähnliche Maßnahmen schlägt auch Dobusch vor. Jedoch liege dabei nicht die ganze Verantwortung bei der Stadt. Auch präventiv könne man in Gebäuden und Hinterhöfen mit Rattenködern arbeiten. Wenn diese angefressen werden, werden sie durch Giftköder ersetzt. „So wird der Bestand dauerhaft kontrolliert“, sagt Dobusch, sieht aber einen Haken dabei: „Da das alles Geld kostet, aber keiner Geld ausgeben will, ist das ein Problem. Das wäre in der Verantwortung der Eigentümer.“

Heinz Mayer glaubt derweil, dass man das Problem mit den Ratten auch so unter Kontrolle bekommt. „Ich glaube, wir kriegen es in den Griff. Ich habe schon das Gefühl, es ist am Marktplatz besser geworden“, berichtet er, muss jedoch zugeben: „Auf die Schnelle ist es aber nicht zu lösen.“

Immerhin wird so zumindest bei Dobusch und seinen Kollegen von der PSD Schädlingsbekämpfung keine Langeweile aufkommen. „Die haben von uns in diesem Jahr so viele Aufträge wie noch nie erhalten“, sagt Mayer.

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