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Kirchen

Ein Retter für das Jubiläumskonzert

Mit Festgottesdienst und Mozarts „Spatzenmesse“ feiert der Singkreis der St-Paulus-Gemeinde den 50. Geburtstag

Festliche Klänge in St. Paulus im Schlösslesfeld. Foto: Holm Wolschendorf
Festliche Klänge in St. Paulus im Schlösslesfeld. Foto: Holm Wolschendorf

„Fragen Sie doch mich“, hat Hans-Eugen Ekert, langjähriger, verdienter Kantor der Lukasgemeinde in Stuttgart Ost und seit 2017 Kirchenmusikdirektor (KMD) im Ruhestand, seine Unterstützung angeboten. Im Ruhestand ohnehin mit seiner Konzerttätigkeit als Leiter des Lukas-Barockorchesters Stuttgart, als Organist und Veranstalter von Orgelreisen keineswegs zur Untätigkeit verurteilt, reagierte er spontan, als Harald Postner, der Vorsitzende des Singkreises der St.-Paulus-Gemeinde, ihm zu Beginn des Jahres sein Leid klagte. Denn: Die geplante Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen des Ensembles würde wohl ausfallen müssen, weil so rasch kein neuer Chorleiter zu finden war.

Anna-Lena Bach wollte nach zwei Jahren „großartiger Arbeit“, so die Dankesworte des Singkreises, sich wieder verstärkt ihrem Studium an der Musikhochschule Stuttgart widmen. „Wir sind ihm unendlich dankbar, dass er unsere Jubiläumsfeier gerettet hat“, so Postner, dessen Dank auch Joseph Lieb galt, der sich ebenfalls bereit erklärte, knapp bemessene Freizeit zu investieren und die „Missa in C“ (KV 220) von Wolfgang Amadeus Mozart einzustudieren.

Eingebettet in den Gottesdienst erklang die wahrscheinlich im Salzburger Dom uraufgeführte Vertonung des Ordinariums, des Kernbestandteils der katholischen Messe, am Sonntag in der eindrucksvollen Sichtbetonkirche der Gemeinde in der Ludwigsburger Oststadt. Als „Missa brevis et solemnis“ ist sie eine Art Zwitter zweier Gattungen von Messe, eben gleichzeitig „brevis“ (lat. für „kurz“) und „solemnis“, also feierlich im Sinn von besonders festlich und umfangreich. Beschwingt artikulierte Ekert, der für den instrumentalen Part sein in elfköpfiger Besetzung auf historischen Instrumenten musizierendes Barockorchester mitgebracht hatte, seine Klangvorstellungen mit beiden Händen (mit der Rechten „solemnis“, links „brevis“, wenn man denn so will).

Firm die Unisono-Tutti des Singkreises, der sich für diesen Anlass um 24 Gastsängerinnen und -sänger verstärkt hatte. Warum die „Missa in C“ auch als „Spatzenmesse“ bekannt ist, erfuhr man im „Sanctus“ und im „Benedictus“, wo zwitschernde, tschilpende Violinkantilenen an Vogelstimmen erinnern. Marnie Reckenberg (Sopran), Rebekka Neetz (Alt), Tobias Liebelt (Tenor) und Markus Oberholzer (Bass) waren die Solisten der anspruchsvollen Aufführung.

Noch vor der Gründung der katholischen Gemeinde St. Paulus beginnt die Geschichte ihres Singkreises: Mit der ersten Probe am 21. Mai 1969 schlägt die Geburtsstunde des Gemeindechors, auf den 10. Oktober desselben Jahres datiert die Urkunde der Gemeindegründung. Manche, wie Christa Bauer, waren bereits dabei, als Gerhard Burzan den Chor aus der Taufe hob, so Erhard Keichner, der gewählte Kirchengemeinderatsvorsitzende von St. Paulus. Von Beginn an sei man dem ökumenischen Gedanken gegenüber offen gewesen, betonte Pfarrer Heinz-Martin Zipfel in seiner Würdigung des Sängerkreises, dem er für 50 Jahre Probenarbeit, Gottesdienstgestaltung sowie die „Offenheit für Neues – und Altes“ dankte und von „lebendiger und gelebter Verkündung des Glaubens“ sprach. Ökumene wird auch heute noch großgeschrieben in der St.-Paulus-Gemeinde: Sowohl Postner als auch Ekert gehören der protestantischen Konfession an.

Die Lesung aus der Apostelgeschichte kam von Armin Pütz, als Kantor fungierte Klaus Weiß, beide Gemeindemitglieder in ehrenamtlicher Funktion. Nach dem Festgottesdienst waren die Besucher noch bei einem Sektempfang eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Nach langer Suche liege eine Bewerbung für die Chorleiterstelle vor, die man prüfe, signalisierte Postner unserer Zeitung gegenüber seine Zuversicht, die Lücke zu schließen. Auch Sängerinnen, vor allem aber auch Sänger werden dringend gesucht, so der Singkreis-Vorsitzende.

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