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Robert-Franck-Schule

Ein Teil der Klasse ist am Bildschirm dabei

Die Diskussionen darüber, wie Schule in Pandemiezeiten gelingen kann, hören nicht auf. In Gebieten mit sehr hohen Infektionszahlen wird es nun auch möglich sein, die Klassen zu teilen. Doch kann das funktionieren – ein Teil der Schüler zu Hause, der andere Teil im Klassenzimmer? Zu Besuch in einer Berufsschulklasse an der Robert-Franck-Schule, in der das bereits Realität ist.

Lehrerin Monika Schaumann versucht, gleichzeitig die Schüler zu Hause und diejenigen im Klassenzimmer in den Unterricht einzubeziehen. Das ist nicht immer einfach. Foto: Andreas Becker
Lehrerin Monika Schaumann versucht, gleichzeitig die Schüler zu Hause und diejenigen im Klassenzimmer in den Unterricht einzubeziehen. Das ist nicht immer einfach. Foto: Andreas Becker

„Die Schüler zu Hause sind schon im Meetingraum“, wird Monika Schaumann begrüßt, als sie das Klassenzimmer betritt. Die meisten Schüler, alles Auszubildende für Büromanagement im dritten Lehrjahr, sitzen an diesem Vormittag in einem Raum der Robert-Franck-Schule. Doch als Monika Schaumann das Programm Microsoft Teams öffnet und die Videokonferenz startet, kommen noch zwei weitere Schüler zum Unterricht dazu. Alle Schüler dieser Klasse haben ein Tablet, denn sie ist eine von drei Tabletklassen der Robert-Franck-Schule. Seit dem Start ihrer Ausbildung vor drei Jahren schon arbeiten sie im Unterricht hauptsächlich mit Tablets. Papierstapel und schwere Ordner sind dadurch zweitrangig geworden.

Zur Besprechung der Hausaufgaben teilt eine Schülerin ihren Bildschirm, so dass ihn alle auf ihren eigenen Tablets sehen können. Auch die Schüler zu Hause wissen dadurch, um welche Aufgabe es sich handelt und was der Rechenweg ist.

Als im März alle Schulen schließen mussten, konnte über die Tablets unkompliziert Online-Unterricht gemacht werden. Seit die Schulen wieder offen sind, gibt es weiterhin die Möglichkeit, dass sich Schüler online zuschalten. „Es ist sehr gut, dass wir den Unterricht mitverfolgen können – vor allem weil wir so kurz vor den Prüfungen stehen“, sagt eine Schülerin, die derzeit von daheim aus lernt. Sie hat eine fünfjährige Tochter, in deren Kita wurde ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet. Nun ist die Kita geschlossen. „Hätte ich jetzt nicht die Möglichkeit mit dem Tablet, würde ich gar nichts mitbekommen“, sagt die Berufsschülerin.

Ihr Mitschüler, der auch nur per Video im Zimmer ist, bleibt aktuell als Sicherheitsmaßnahme zu Hause. Er habe leichte Symptome, wolle niemanden anstecken. Erst kürzlich gab es einen positiven Fall in dieser Klasse. Daraufhin mussten auch einige Mitschüler in Quarantäne. Diese waren dann auch über das Tablet zugeschaltet. Die Berufsschüler werden von ihren Ausbildungsbetrieben vom Präsenzunterricht freigestellt, wenn sie Symptome haben oder aus einem anderen Grund nicht an die Schule kommen können.

In einem sind sich die Schüler einig: Ein Teil im Klassenzimmer, der andere zu Hause – das ist nicht die Optimallösung. „Es ist anstrengend, von daheim aus mitzukommen“, sagt eine Schülerin. Außerdem sei es schwierig, zu Hause zu verstehen, was Mitschüler im Klassenzimmer sagen. „Und es haben auch nicht alle Lehrer den Unterricht am Tablet so gut drauf wie Frau Schaumann“, sagt eine andere Schülerin.

Doch für die Lehrerin ist der Hybridunterricht auch nicht einfach. „Ich gebe zu, man muss ziemlich aufpassen, dass man die Schüler daheim nicht vergisst“, sagt Schaumann. Denn während des Unterrichts sind die Schüler zu Hause nur selten auf der Leinwand im Klassenzimmer zu sehen. Stattdessen wird dort das aktuelle Arbeitsblatt oder ein Tafelaufschrieb gezeigt. „Es ist eine didaktische Herausforderung“, sagt Schaumann. Die Unterrichtsvorbereitung sei aufwendiger, wenn gleichzeitig Schüler in der Klasse und zu Hause bedient werden müssen. Zudem bemängelt sie, dass es für Hybridunterricht kaum Schulungen für die Lehrkräfte gibt. Stattdessen habe sie sich mit der Zeit alles selbst beigebracht. Man lerne eben während des Unterrichtens.

Und dass nicht immer alles glatt läuft, ist verständlich. Zum Beispiel, als die Schüler zu Hause plötzlich nichts mehr hören, weil Monika Schaumann ihr Mikrofon deaktiviert hat. Vorsichtig meldet sich eine Schülerin von zu Hause zu Wort: „Wir hören gerade gar nichts.“ Schnell ist das Problem gelöst. „Die, die online zugeschaltet sind, müssen eben mutig sein, einfach draufloszureden“, sagt die Schülerin. Denn Handzeichen sind nicht möglich.

Was den Berufsschülern am liebsten wäre? Online-Unterricht für die gesamte Klasse. Das sei für alle einfacher. „Wir achten im Privatleben total darauf, Kontakte zu reduzieren, unsere Betriebe tun alles, um die Hygiene- und Abstandsregeln umzusetzen, und wir kommen weiterhin alle in die Schule“, drückt eine Schülerin ihren Unmut aus. In den Ausbildungsbetrieben stoßen die Vorgaben der Politik auch auf Unverständnis, berichten die Schüler. Wenn es die Möglichkeit gebe, über das Tablet Unterricht zu machen, sei das doch das Naheliegende. „Für uns ist das Lernen über das Tablet ja nichts Fremdes.“

Eine Schülerin berichtet, dass ihr Chef ihr angeboten habe, sie vom Präsenzunterricht freizustellen, wenn es ihr unwohl wäre, zur Schule zu gehen. Die Schule selbst könne nicht einfach entscheiden, bestimmte Klassen in den Online-Unterricht zu schicken, so Monika Schaumann. Solange die Verordnung Präsenzunterricht vorschreibt, müsse sich die Schule daran halten.

Es sei die Politik, die flexibler mit dem Thema Präsenz-, Hybrid- oder Online-Unterricht umgehen müsste, sagen die Berufsschüler. Es sollte mehr differenziert werden: Natürlich könne man von Kindern oder Jugendlichen, die die Grundschule oder eine weiterführende Schule besuchen, nicht erwarten, jeden Tag ausschließlich online zu lernen. Aber für Berufsschüler, die sowieso nicht täglich in der Schule sind und sich mit dem Lernen über das Tablet auskennen, könnte der Online-Unterricht eine gute Möglichkeit sein, die Kontakte weiter zu begrenzen.

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