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Stadtwerke

Einstieg ins Geschäft mit Internet

Nach dem Start im vergangenen Jahr geht die flächendeckende Verlegung von Glasfaser im neuen Jahr weiter. Jetzt soll es aber nicht mehr beim Verlegen von superschnellen Datenleitungen bleiben. Das kommunale Unternehmen steigt in den Verkauf von Internetdiensten ein.

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Knotenpunkt für megaschnelles Internet: Ein Blick in den Verteilerschrank für das neue Glasfasernetz in Eglosheim-Ost. Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Es geht um eines der größten Infrastrukturprojekte der Stadt: die flächendeckende Verlegung von Glasfaser. Mit der Bilanz für den Auftakt im Jahr 2017 kann Bodo Skaletz, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB), zufrieden sein. In Grünbühl-Sonnenberg und in Eglosheim-Ost haben sich 90 Prozent der Eigentümer entschieden, ihr Haus an die Glasfaser anzuschließen. „Wir hatten mit bestenfalls 80 Prozent gerechnet“, sagt Skaletz. Die 90-Prozent-Quote bedeutet Glasfaser für 1130 Gebäude mit rund 4700 Wohneinheiten.

Die meisten Eigentümer haben also das Sonderangebot der Stadtwerke angenommen: Wer gleich zugreift, bekommt die Glasfaser umsonst von der Straße ins Haus verlegt. Der Nulltarif gilt zumindest, solange die Verbindung nicht mehr als zwölf Meter misst.

In diesem Jahr machen die Stadtwerke mit demselben Angebot weiter, und zwar im restlichen Eglosheim sowie in der Innenstadt in einem Bereich, der sich von der Wilhelmstraße bis in die Südstadt erstreckt, begrenzt von der B 27 auf der einen und der Bahnlinie auf der anderen Seite. Eine 90-Prozent-Quote würde dort etwa 1730 Gebäude mit über 6000 Wohneinheiten bedeuten.

Für ihr Sonderangebot nehmen die Stadtwerke sehr viel Geld in die Hand. Im vergangenen Jahr waren es fast fünf Millionen Euro. Und in den nächsten Jahren soll es genau so weitergehen. Die Stadtwerke haben das Stadtgebiet in 24 Bauabschnitte aufgeteilt, pro Jahr sollen zwei bis drei solcher Cluster abgearbeitet werden. Das Ziel: Im Jahr 2024 ist das gesamte Stadtgebiet mit Glasfaser versorgt. Die Kosten summieren sich dann auf voraussichtlich 60 Millionen Euro.

Es sind Investitionen, denen bisher so gut wie keine Einnahmen gegenüberstehen. Das soll sich ändern. Die Stadtwerke bieten den Haushalten, die den Glasfaseranschluss gewählt haben, jetzt auch Internetpakete an. Sie sollen ab Juni in Betrieb gehen. Die Kunden kennen solche Internetangebote von Branchenriesen wie Telekom, 1+1 oder dem Kabelnetzbetreiber Unitymedia für Pakete mit Internetanschluss, digitalem TV und Telefonie.

Wobei die Stadtwerke den Vorteil der reinen Glasfaserverbindung bis ins Haus gegenüber den Netzen der Telekom (Mischung aus Glasfaser und Kupfer) und von Unitymedia (Koaxialkabel) ausspielen: Megaschnelles Internet mit Datenvolumen bis zu 500 Mbits pro Sekunde gibt es zu kaufen. Davon sind andere Netzbetreiber und Anbieter weit entfernt.

Den weiteren Vorteil, dass die Glasfaser nicht nur beim Empfang (download), sondern auch beim Versenden von Daten (upload) besonders leistungsstark und stabil ist, setzen die Stadtwerke noch dosiert ein. Zum Beispiel gibt es bei 50 Mbits Datenempfang 10 Mbits Upload dazu, bei 100 Mbits sind es 20 Upload-Mbits oder bei 500 Mbits dann 100 Mbits für das Versenden von Daten. Die Botschaft: Die Stadtwerke wollen hier nicht gleich zu Beginn das ganze Pulver verschießen.

Die zweite, zentrale Botschaft des neuen Internetanbieters SWLB: Wer die Stadtwerke-Glasfaser neu ins Haus bekommt, der kann darüber zunächst nur Internetdienste der Stadtwerke einsetzen. Für andere Anbieter sei das Netz der Stadtwerke noch nicht attraktiv genug und erst im Aufbau, so eine Begründung des kommunalen Unternehmens. Es ist aber auch klar: Die Stadtwerke wollen das Hochleistungsnetz, das sie jetzt teuer aufbauen, nicht gleich mit anderen teilen. Sie wollen die Chance nutzen, zunächst einmal möglichst viele Internetkunden an sich selbst zu binden.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde man sich dann aber auch anderen Anbietern öffnen, sagt Geschätsführer Bodo Skaletz. Das macht in einigen Städten wie Ulm, Regensburg oder Bamberg, wo die Stadtwerke mit der Glasfaser weiter sind als Ludwigsburg, seit kurzem Schule – dies sogar in überraschenden Geschäftsmodellen mit dem Erzfeind aller kommunalen Glasfaser-Akteure, der Deutschen Telekom. Die Stadtwerke können auch an einem solchen Modell verdienen, wenn fremde Anbieter für das städtische Glasfasernetz Durchleitungsgebühren bezahlen.