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Kunsteisbahn

Eisig waren nur die Temperaturen

Nach 41 Jahren ist Schluss: Anne Schäfer hängt die Schlittschuhe und somit ihre langjährige Tätigkeit als Leiterin der Eiskunstbahn in Ludwigsburg an den Nagel. Auch wenn sie die Eishalle bei Nachfolger Waldemar Fehr in guten Händen weiß, hängt ihr Herz an der eisigen Einrichtung.

Anne Schäfer war 41 Jahre lang für die Kunsteisbahn im Einsatz. Nun genießt die 69-Jährige ihren wohlverdienten Ruhestand.Foto: Ramona Theiss
Anne Schäfer war 41 Jahre lang für die Kunsteisbahn im Einsatz. Nun genießt die 69-Jährige ihren wohlverdienten Ruhestand. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Ob beim Schlittschuhverkauf, an der Kasse oder im Büro: Mehr als vier Jahrzehnte lang war Anne Schäfer das Herz der Kunsteisbahn Ludwigsburg. In jedem Winter – die Saison läuft von Mitte Oktober bis Mitte März – gab es für die aktive 69-Jährige kaum einen Moment zum Durchschnaufen. „Es gab immer etwas zu erledigen. Zu dieser Zeit habe ich häufig sieben Tage die Woche gearbeitet. Aber ich habe das wirklich gerne gemacht. Es war ein wunderbares Miteinander“, schwärmt sie vom Team der Eishalle. Doch nach insgesamt 41 Jahren ist „der passende Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören“. „Es sorgt bei mir für Zufriedenheit, so etwas Tolles hinterlassen zu dürfen“, so Anne Schäfer. Auch Ehemann Wolfgang betreute seit seinem Ruhestand vor acht Jahren die Eishalle. Seit Anfang des Jahres haben die Eheleute nun mehr Zeit für sich und ihr Privatleben.

1978 eröffnet, entwickelte sich die Kunsteisbahn schnell zu einem wahren Besuchermagneten. Seit 1979 war auch die gelernte Verwaltungsangestellte Anne Schäfer dabei. „Zu der Zeit war ich wegen der Kinder daheim und habe mitbekommen, dass halbtags jemand in der Eishalle gesucht wird“, sagt die frischgebackene Rentnerin. „Wir haben damals nah an der Kunsteisbahn gewohnt und die Arbeitszeiten waren mit dem Kindergarten vereinbar.“ So begann eine langjährige Erfolgsgeschichte.

Doch die Geschichte der Eishalle sei auch eine bewegende. Nach knapp 20 Jahren ging die beliebte Institution, die von einer privaten Investorengruppe erbaut wurde, in den Besitz der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim über. „Des Öfteren habe ich wie eine Löwin um den Erhalt der Halle kämpfen müssen“, sagt Schäfer. Doch es hat sich gelohnt. „In den vergangenen Jahren ist der Wert der Eishalle mehr und mehr erkannt worden.“ Gerade an den Wochenenden kämen die Besucher von weit her. „In den Weihnachtsferien sind die Besucherzahlen immer bombastisch“, sagt Wolfgang Schäfer.

Doch was ist das Erfolgsrezept? „Es ist eine reine Publikumshalle“, so die langjährige Leiterin, die sich immer dafür eingesetzt hat, dass das auch so bleibt. Während andere Eishallen auch auf den Betrieb durch Vereine setzen, zählen in Ludwigsburg Schüler, Jugendliche und Erwachsene, die in ihrer Freizeit gerne auf Kufen unterwegs sind. Laufzeiten für Schulklassen, die Eisdisco oder die Oldieparty sind nur einige von vielen Veranstaltungen, die die Eishalle so beliebt machen.

Ihren Nachfolger kennt Anne Schäfer bereits seit gut 20 Jahren. Der 35-jährige Waldemar Fehr kam schon als Kind gerne in die Halle, um auf der spiegelglatten Fläche ein paar Runden zu drehen. „Das sind sicherlich große Fußstapfen, in die ich trete“, sagt er. Im Sommer vergangenen Jahres begann die Einarbeitung, die Übernahme erfolgte Anfang dieses Jahres. Die Abläufe sind dem gelernten Kaufmann bestens bekannt. „Ich habe lange nebenberuflich hier in der Eishalle gearbeitet, war im Verleih oder auch als Eismeister tätig“, sagt er. „Es ist eine super Kunsteisbahn, die ich bis ins Detail durchgeplant von Anne übernommen habe.“ Er habe gewusst, worauf er sich einlässt. Sein Herz sei schon lange bei der Eishalle gewesen. Nun komme auch der Verstand hinzu.

Mindestens einmal im Monat versucht Fehr, sich selbst die Schlittschuhe anzuziehen und ein paar Runden auf dem Eis zu drehen. „Nach Feierabend ist es aber auch schön, einfach nach Hause zu kommen. Die Aufgabe ist sehr zeitintensiv.“ Auch in den Sommermonaten ist viel zu tun, „denn da muss die kommende Wintersaison geplant werden“, erinnert sich Anne Schäfer genau. Außerdem werde die Halle im Sommer für Messen oder ähnliche Veranstaltungen genutzt. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir die Halle im Sommer irgendwann einmal für Rollschuhfahrer freigeben“, so Fehr. Unter der dicken Eisschicht, die in den Frühlings- und Sommermonaten abgetaut wird, befindet sich eine ebene Betonfläche.

Anne Schäfer ist sich sicher, dass die Eishalle bei Waldemar Fehr in guten Händen ist. Auch weiterhin wolle sie ihm trotz des Ruhestandes mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch jetzt sei es an der Zeit, ihre Freizeit zu genießen. „2019 war seit vielen Jahren das erste Mal, dass wir Weihnachten und Silvester ausgiebig bei unserem Sohn in Amerika verbringen konnten“, weiß Schäfer die Rente schon jetzt zu schätzen. Eine große Leidenschaft, der sie sich nun noch ausgiebiger widmen kann, ist die Gartenarbeit. „Langeweile wird auf keinen Fall aufkommen, das kennen wir gar nicht“, sagt sie und schmunzelt. So viel stehe fest: Stillhalten will und kann sie ihre Füße auf keinen Fall. „Vielleicht werde ich mich in der nächsten Zeit sozial engagieren und etwas mit Kindern machen. Vielleicht eine Art Hausaufgabenbetreuung. Wer weiß, was noch kommt“, sagt Anne Schäfer.

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