Logo

Endlich Wasser für die Kleingärten in Grünbühl

In der Kleingartenanlage im Süden Grünbühls gab es seit fast drei Jahren kein fließendes Wasser mehr. Erst Recherchen unserer Zeitung haben den Stein ins Rollen gebracht, das Wasser wurde wieder angestellt. Auch um Zäune wird gestritten.

Die Kleingartenanlage in Grünbühl aus der Vogelperspektive. Nebenan das Neubaugebiet„Grünbühl.living“. Die neuen Wohnungen sind mit ein Grund, warum es für die Kleingärtner so viele Probleme gibt. Foto: Holm Wolschendorf
Die Kleingartenanlage in Grünbühl aus der Vogelperspektive. Nebenan das Neubaugebiet„Grünbühl.living“. Die neuen Wohnungen sind mit ein Grund, warum es für die Kleingärtner so viele Probleme gibt. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Neben einer Baustelle, Baggern und Lärm liegt die idyllische Kleingartenanlage in Grünbühl. Aber hier ist nicht alles so friedlich, wie es scheint. Die Pächter sind unzufrieden mit der aktuellen Lage. Ein Gärtner meldete sich bei unserer Redaktion und beklagte sich über die fehlende Wasserversorgung.

Angefangen haben die Probleme mit dem Start des Neubaugebiets „Grünbühl.living“, für das 2019 der Grundstein gelegt wurde. Es sollen rund 420 neue Wohnungen entstehen, die Platz für bis zu 1000 Personen bieten. Die Wasserleitungen mussten erneuert werden, den Kleingärten wurde das Wasser abgedreht. Die Parzellen warteten seitdem auf einen funktionierenden Anschluss. Gärtnerarbeiten waren quasi unmöglich, Pächter beschwerten sich.

Notlösung reicht nicht

Auch die zwei 1000-Liter-Wasserbehälter, die die Stadt als Übergangslösung aufgestellt hatte, reichten den Pächtern nicht. Man schleppe sich kaputt, vor allem für die älteren Hobbygärtner sei die Lösung gänzlich ungeeignet wurde moniert. Einige hätten den Weg komplett um das Grundstück herum antreten müssen, damit sie eine schwer beladene Schubkarre zurückziehen konnten. Die Stadt ließ laut Aussagen der Pächter aber nicht mit sich reden. Auf Mails und Anfragen habe niemand reagiert. „Erst heißt es, in zwei Wochen geht es wieder, dann in vier. Es wird immer nach hinten geschoben“, erklärten die Hobbygärtner. Trotz des fehlenden Wasseranschlusses mussten sie den vollen Pachtbetrag zahlen. Ein Unding finden die Grünbühler. „Das ist nicht kommentierbar, sondern einfach nur noch lächerlich“, sagte einer der Gärtner, der lieber anonym bleiben will.

Wasser Marsch!

Einen Erfolg hat es während der Recherche unserer Zeitung endlich gegeben. Seit eineinhalb Wochen gibt es wieder fließendes Wasser im vorderen Teil der Anlage. Den Gärten im hinteren Bereich hatte die Stadt den Anschluss erst in einigen Wochen zugesichert. Zur Überraschung fließt das Wasser auch hier bereits wieder. Allerdings müsse noch ein Rücklaufventil eingebaut werden, erzählen die Pächter. Sie müssen also damit rechnen, dass ihnen das Wasser bald wieder für unbestimmte Zeit abgedreht wird. Die Hobbygärtner freuen sich trotzdem, dass sie sich am vergangenen, heißen Wochenende endlich abkühlen konnten.

Ein weiteres Problem, über das sich die Kleingärtner im Gespräch beklagt haben, sind die Begrenzungen der Parzellen. Im Zuge des Baustarts im Neubaugebiet wurden die vorhandenen Zäune abgebaut. Laut Aussagen der Pächter habe die Stadt zuerst neue Zäune zwischen den Parzellen zugesagt. Dann hieß es, die Pächter müssten diese selbst aufbauen, was einige auch getan haben.

Rauswurf droht

Mittlerweile wurden einige Kleingärtner von der Stadt abgemahnt und dazu verpflichtet, ihre Zäune wieder zu entfernen. Es wurde sogar damit gedroht, dass sie ihren Garten verlieren, wenn die Zäune nicht bis zu einem Fixdatum entfernt werden. Eine Unterschriftenliste der Gärtner sei wohl von der Stadtverwaltung ignoriert worden. Dabei seien die Begrenzungen sehr wichtig. Ohne sie könnten sich Tiere und Kleinkinder in die anderen Parzellen verirren. Auf dem ein oder anderen Grundstück gibt es kleine Teiche, die eine Gefahrenquelle sind.

Vor einigen Jahren hat die Stadt Ludwigsburg das Grundstück rund um die Kleingartenanlage der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) abgekauft. Die Pächter sind sich einig: „Seitdem die Stadt das kontrolliert, ist es eine Katastrophe. Unter dem Bund war es besser. Die Stadt hat uns nicht geholfen!“

Stadt rechtfertigt sich

Die Stadt verweist darauf, dass es ausdrücklicher Wunsch der Pächter war, die Gärten auch während der Umbauzeit zu nutzen. Die Alternative wäre die Kündigung der Gärten, das Abräumen und der Neubau der Gesamtanlage und eine Verpachtung über einen Gartenverein nach Fertigstellung gewesen. Laut Stadtverwaltung soll die Wasserversorgung wieder vollständig aufgebaut werden, es fehlen aber noch kleine Teile. Es zeigt, dass ein Umbau viel Verständnis benötige.

Hinter dem Streit mit den Zäunen sieht die Stadtverwaltung ein großes Missverständnis. Von vorneherein sei klar gewesen, dass in der Anlage nur sogenannte lebende Einfriedungen, wie Hecken oder Büsche, erlaubt seien. Zäune waren nicht vorgesehen. Die gesamte Kleingartenanlage soll ein einheitliches Bild erhalten.

Autor: