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Erfolg trotz schwieriger Umstände

Viel Lob für die Saison: Die Inszenierung von „Die Blechtrommel“.Foto: Holm Wolschendorf
Viel Lob für die Saison: Die Inszenierung von „Die Blechtrommel“. Foto: Holm Wolschendorf

Zwei Punkte hebt Peter Kratz gleich zu Beginn hervor, wenn es um die Bilanz des gerade beendeten Theatersommers im Clussgarten geht: „Ohne unser großartiges Team und ohne unsere treuen Zuschauer und ihre Liebe zu unserem Theater wäre das, was wir allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft haben, nicht möglich gewesen.“ Der Intendant und Regisseur selbst ist nach Ende der Vorstellungszeit zunächst mehr denn je urlaubsreif. Denn er hat in den letzten Monaten nicht nur etliche Wechselbäder der Gefühle überstehen müssen, er hat auch neben der eigentlichen Inszenierungsarbeit, die ihn schon in normalen Jahren fordert und auslastet, noch eine Schlacht an mehreren Fronten fechten müssen, um den im März so kühn erscheinenden Plan, trotz Lockdown und Coronakrise den Sommer über wie seit 30 Jahren gediegenes, ebenso qualitätvolles wie unterhaltendes Theater zu spielen, zu realisieren.

Vor allem die immer weder wechselnden Vorgaben und der Kampf um Zuschüsse und Beihilfen forderten erheblich mehr Arbeit, die über die eigentliche künstlerische Arbeit hinaus zusätzlich bewältigt werden musste. Der Lohn der letztlich erfolgreichen Mühe ist, dass Kratz und sein Team auf eine den Umständen entsprechend tolle Spielzeit zurückblicken können. Nahezu 5000 Zuschauer kamen zu den insgesamt 66 Vorstellungen – das heißt, dass nahezu alle Vorstellungen bei der reduzierten Platzzahl ausverkauft waren, und dies, wie Kratz berichtet, oft schon viele Tage im Voraus. Er ist beeindruckt, wie sehr das Publikum auf das Angebot einging, wie groß der Hunger nach Kulturveranstaltungen ist. Er und seine Mannschaft bekamen auch viel Lob zu hören. Zum einen gab es sehr viel Zustimmung für die gezeigten Stücke, „Cyrano“, „Die Blechtrommel“ und „How to Date a Feminist“ sowie das neue Kindertheaterstück „Pippi Langstrumpf“. Zum anderen drückten viele Menschen auch ihre Anerkennung darüber aus, dass es die Macher des Theatersommers geschafft haben, als wohl einziges Freilicht-Sommertheater im Land und wohl auch bundesweit eine komplette Sommersaison mit neuen Stücken zu spielen.

Dass das tatsächlich funktionierte, ist auch dem klugen und konsequent umgesetzten Hygienekonzept zu verdanken, das bewirkte, dass sich wohl niemand einem Infektionsrisiko aussetzte. Beispielhaft für andere Veranstaltungen war vor allem, dass die Mitarbeiter überall streng darauf achteten, dass Abstände, Maskenpflicht und andere Auflagen strikt eingehalten wurden. So zieht der Intendant Bilanz: „Unter den gegebenen Umständen hätte es nicht besser laufen können.“

Finanziell sieht es laut Kratz so aus, als würde man mit einem blauen Auge davonkommen. Dank der Zuschüsse der öffentlichen Hand und dank rigider Sparmaßnahmen „ist es nicht so, dass wir existenziell bedroht wären“, sagt Kratz. Dazu haben alle im Team beigetragen, denn es war schwierig, den Spielbetrieb mit den durch die Zuschauerbeschränkung stark zurückgehenden Einnahmen zu bestreiten. „Normalweise haben wir etwa 200000Euro aus den Zuschauereinnahmen, jetzt sind es nicht mal 90000“, bilanziert Kratz. Aber durch Kurzarbeit, Lohnverzicht und dadurch, dass man Material sparte und komplette Bühnenbilder aus alten Brettern baute, die dann eben einen dicken, bis zu achtschichtigen Farbaufstrich bekamen, konnte man nach den Worten des Intendanten den Spielbetrieb im Erwachsenenbereich einigermaßen kostendeckend gestalten. Teuer war in diesem Jahr die künstlerisch sehr erfolgreiche Neuproduktion des Kinderstückes „Pippi Langstrumpf“. Da man an den moderaten Eintrittspreisen für diese Familientheatersparte festgehalten hat, standen den hohen Kosten für die sehr gelungene erste Inszenierung der Regisseurin Diana Gantner nur etwa 1000 Euro Einnahmen gegenüber. Aber das Stück wird im nächsten Jahr wieder auf dem Spielplan stehen, genau wie das fulminante Solostück „Die Blechtrommel“. Dann soll auch das Jubiläumsprogramm zu „30 Jahre Theatersommer“ nachgeholt werden.

Bis dahin allerdings gibt es viel zu tun. Der Intendant berichtet: „Wir müssen vermutlich die Unterkonstruktion der Haupttribüne erneuern, der Bühnenboden ist marode und auch sonst gibt es im Garten einiges zu tun, um ihn zu erhalten.“ Da kommen ihm die Spenden so mancher Gönner gerade recht, und besonders freut er sich über einen weiteren Zuschuss der Bürgerstiftung, den er auch als Anerkennung der Arbeit des ganzen Teams wertet.

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