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Erneut Verwirrung um Astrazeneca - Wir beantworten die wichtigsten Fragen

Wieder einmal ist der Impfstoff von Astrazeneca das Gesprächsthema. Seit Mittwoch soll er nur noch für Über-60-Jährige genutzt werden. Termine in Ludwigsburg werden jedoch nicht abgesagt. Impflinge mit Termin sollen zur Besprechung des weiteren Vorgehens ins Impfzentrum kommen.

Aufgezogene Spritzen mit dem Impfstoff von Astrazeneca liegen im Kreisimpfzentrum bereit. Unter-60-Jährige werden damit nun nur noch wenn sie das wollen und nach ausführlichen Gesprächen mit einem Arzt geimpft. Archivfoto: Andreas Becker
Aufgezogene Spritzen mit dem Impfstoff von Astrazeneca liegen im Kreisimpfzentrum bereit. Unter-60-Jährige werden damit nun nur noch wenn sie das wollen und nach ausführlichen Gesprächen mit einem Arzt geimpft. Foto: Andreas Becker
Ludwigsburg.

Ich bin impfberechtigt und unter 60. Was bedeutet die Änderung für mich?

Bund und Länder haben aufgrund der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Dienstag beschlossen, nur noch Über-60-Jährige mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen zu lassen. Das Kreisimpfzentrum (KIZ) in Ludwigsburg setzt diesen Beschluss sofort um.

Ich habe bereits einen Termin ausgemacht. Ist dieser automatisch abgesagt?

Astrazeneca-Termine in Ludwigsburg werden nicht abgesagt, teilte das Landratsamt, das das KIZ betreibt, mit. Vielmehr werden alle Impflinge mit einem Termin gebeten, zum Termin ins KIZ zu kommen. Dort werde dann das weitere Vorgehen mit ihnen besprochen und die Kontaktdaten aufgenommen.

Bekomme ich einen neuen Termin mit einem anderen Impfstoff angeboten?

Eine Impfung mit einem anderen Impfstoff ist aktuell nicht möglich, weil es keinen übrigen Impfstoff gibt, so ein Sprecher des Landratsamtes. Sobald die Handlungsanweisung des Landes vorliegt, wie mit den Astrazeneca-Terminen der Unter-60-Jährigen verfahren werden soll, werden die Impflinge, die noch nicht geimpft werden konnten, von den Mitarbeitenden des KIZ kontaktiert, verspricht er.

Ich bin unter 60, möchte aber mit Astrazeneca geimpft werden. Geht das?

Ja. Impfberechtigte unter 60 können sich auf eigenes Risiko weiterhin damit impfen lassen. Mit dem impfenden Arzt gibt es davor allerdings eine „individuelle Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“, so das Sozialministerium.

Ich habe bereits die Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen. Was ist jetzt mit meinem Zweittermin?

Über 60-Jährige können auch die zweite Dosis von Astrazeneca bekommen, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium. Auch Jüngere, die schon die erste Dosis bekommen haben, können das nach Rücksprache mit dem impfenden Arzt tun, wenn sie das wollen. Die zweite Möglichkeit: Warten auf die Empfehlung der Stiko. Der Termin für die zweite Impfung mit Astrazeneca liegt neun bis zwölf Wochen nach der ersten Impfung. Im Kreisimpfzentrum wird seit Ende Februar mit Astrazeneca geimpft, die ersten Zweitimpfungen sind hier erst am 30. April. Die Stiko will vorher eine Stellungnahme zur Zweitimpfung vorlegen, auch, ob es eventuell möglich ist, für die Zweitimpfung ein anderes Präparat zu verwenden.

Wäre es möglich, die Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin zu bekommen?

Es gibt schon länger Überlegungen, für einen besseren Schutz etwa gegen neue Virusvarianten, verschiedene Impfstoffe zu kombinieren. Also zum Beispiel auf eine erste Dosis Astrazeneca eine zweite von Biontech zu spritzen. „Rein immunologisch ist das unproblematisch, denn sie beruhen letztlich auf dem gleichen Impfantigen“, hatte der Erlanger Infektionsimmunologe Christian Bogdan als Mitglied der Stiko gesagt.

Ist es in Ludwigsburg schon zu Komplikationen mit Astrazeneca gekommen?

Laut einem Sprecher des Landratsamtes ist es in Ludwigsburg noch zu keinen Meldungen über Thrombosen, bei denen von den behandelnden Ärzten ein Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung vermutet wird, gekommen.

Kommt es jetzt öfter vor, dass Impftermine nicht wahrgenommen werden?

Wie das Landratsamt mitteilt, erscheinen täglich durchschnittlich etwa 40 Impflinge nicht im KIZ, im Schnitt fünf für den Impfstoff von Biontech, der Rest für Astrazeneca. Wenn Termine frei werden, versucht es das KIZ über eine Liste von Impfwilligen, die kurzfristig kommen können, damit der Impfstoff nicht verloren geht.

Bleibt der Impfstoff von Astrazeneca nun liegen?

Davon geht man im Ludwigsburger KIZ nicht aus. Es liege eine Warteliste von der landesweiten Hotline 116117 vor, auf der rund 4000 Personen stehen. Diese kann nun nach und nach abgearbeitet werden.

Wie sehr wirft das Deutschland beim Impfen zurück?

Schaut man auf die erwarteten Liefermengen für Impfstoffe für das Gesamtjahr, spielt es rechnerisch keine Rolle. Denn auch ohne Astrazeneca sind von Biontech, Johnson & Johnson und Moderna laut einer Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums vom 22. März insgesamt 215 Millionen Dosen zugesagt. Aber: Im Wettlauf mit der Verbreitung neuer Virusvarianten kommt es jetzt auf Tempo an. Astrazeneca will von April bis Juni bis zu 15 Millionen Dosen liefern, Biontech 40, Moderna 6,4 und Johnson & Johnson zehn Millionen. Bei diesem beachtlichen Anteil von Astrazeneca hängt das Gesamtimpftempo in Deutschland davon ab, wie groß die Bereitschaft der über 60-Jährigen ist, sich damit impfen zu lassen. Warten alle auf Termine mit Biontech und Co., wird es zäh.

Kanzlerin Angela Merkel ist 66. Lässt sie sich jetzt mit Astrazeneca impfen?

Über 60-Jährige sollten das Impfangebot auch wahrnehmen und könnten Vorbild sein, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gesagt und damit indirekt auch eine Aufforderung an die Kanzlerin ausgesprochen. Dazu gefragt, verwies diese auf frühere Aussagen. Sie habe gesagt, wenn sie dran sei, lasse sie sich impfen – „auch mit Astrazeneca“.

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