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„Erst der Mensch, dann die Uniform“

Viel Lob erfuhr Polizeipräsident Frank Rebholz gestern bei seinem Abschied im Schloss. Er hinterlässt seinem Nachfolger Burkhard Metzger ein geordnetes Haus, das er manchmal auch erfolgreich gegen das reformwütige Land verteidigen musste.

Altersgerecht mit Stützrädern? Bis das gewünschte E-Bike ankommt, kann Frank Rebholz nun auf einem alten Dienstfahrrad durch die Lande radeln, das seine Kollegen aufgehübscht haben. Ohne elektrische Unterstützung, aber dafür mit Blaulicht, Schlagstoc
Altersgerecht mit Stützrädern? Bis das gewünschte E-Bike ankommt, kann Frank Rebholz nun auf einem alten Dienstfahrrad durch die Lande radeln, das seine Kollegen aufgehübscht haben. Ohne elektrische Unterstützung, aber dafür mit Blaulicht, Schlagstock, Funkgerät und eigenwilligem Helm.
Der eine geht, der andere kommt: Der nun verabschiedete Polizeipräsident Frank Rebholz mit seiner Frau Xenia (links) sowie den Nachfolger Burkhard Metzger mit seiner Frau Isolde Häußermann.Fotos: Holm Wolschendorf
Der eine geht, der andere kommt: Der nun verabschiedete Polizeipräsident Frank Rebholz mit seiner Frau Xenia (links) sowie den Nachfolger Burkhard Metzger mit seiner Frau Isolde Häußermann. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Am Ende verdrückte Frank Rebholz auf der Bühne im Ordenssaal doch noch ein paar Tränen. Drei Stunden Festakt neigten sich dem Ende zu, als der 62-Jährige zum wiederholten Mal seine Ehefrau direkt ansprach. Der Weg in den Ruhestand nach 42 Jahren Polizeidienst sei von „ein bisschen Wehmut“ geprägt, sei aber vor allem Anlass zur Freude. „Ein Segen ist es, liebe Xenia, dass es dich in meinem Leben gibt. Du warst immer da, wenn ich dich gebraucht habe.“

Mammutprojekt gesteuert

So ungewöhnlich wie diese offensiv emotionale Rede inmitten eines Saals mit 200 überwiegend männlichen Uniform- und Anzugträgern war auch der Grundton, den die Redner anschlugen. Julian Würtenberger freute sich, dass Innenminister Thomas Strobl durch eine Landtagssitzung verhindert war, und er statt seiner einspringen durfte. Er sprach von einem „Bilderbuchpolizisten“. Der Staatssekretär arbeitete neun Jahre mit Rebholz im Innenministerium zusammen.

Würtenberger stellte Rebholz‘ Umgang mit seinen Mitmenschen in den Vordergrund. 13..Jahre lang leitete dieser das Polizeipräsidium Ludwigsburg. „Man kann sich auf sein Wort verlassen. Immer.“ Das sei eine sehr hohe Wertschätzung, kommentierte Würtenberger diese Äußerung von Präsidiumsmitarbeitern. Bei Frank Rebholz komme „erst der Mensch, dann die Uniform“. Würtenberger leitete auch das Thema Gärtnern – eine erklärte Passion von Rebholz – ein: „Sie sind der Gärtner, dem jede einzelne Pflanze wichtig ist.“

Das Thema sollte sich bis zum Ende durchziehen, als ihn seine „Pflanzen“ mit einem Dienstfahrrad überraschten – aufgemotzt mit grüner Farbe, Blaulicht, Funkgerät und Schlagstock, und im Gepäckträger eine antike Unterschriftenmappe mit guten Wünschen der Polizeitruppe (Foto oben).

Sein Nachfolger Burkhard Metzger, der das Schmuckstück auf die Bühne rollen ließ, betonte, die Farbe sei nicht der Parteicouleur Rebholz‘ zu verdanken – Rebholz ist Spitzenkandidat der Grünen für den Kreistag –, sondern seiner Gartenliebe. Der Garten steht neben Sport und Qualitätszeit mit seiner Frau ganz vorne auf der Liste.

1977 in die Polizei eingetreten, zeigt die Karriere von Rebholz zum Leiter der Polizeidirektion Ludwigsburg und später des Polizeipräsidiums durchaus politische Finesse. Er erkämpfte sich seinen Platz an der Ludwigsburger Polizeispitze. Doch fast noch wichtiger war, dass es ihm gelang, das Ludwigsburger Präsidium aus dem Fadenkreuz des Landes zu ziehen. Die Reform der Reform der Polizei plätscherte an Ludwigsburg vorbei. Besser noch: 2018 begann der Bau des ersehnten High-Tech-Führungs- und Lagezentrums.

Attacken auf Polizisten kritisiert

Eine positive Kriminalstatistik: Mit 66,4 Prozent Aufklärungsquote und damit fast vier Prozent mehr als der Landesdurchschnitt steht Ludwigsburg sehr gut da. Rebholz betonte, in den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der Einbrüche um 60 Prozent zurückgegangen. Fast laut wurde er, als er die Attacken auf Polizisten aufzählte. Beschimpft, bespuckt, getreten, verletzt: 854..Beamten seien davon 2018 betroffen gewesen. „Da stimmt etwas in unserer Gesellschaft nicht mehr.“ Trotzdem: „Ich würde diesen interessanten Beruf sofort wieder ergreifen.“

Burkhard Metzger, seit drei Jahren sein Stellvertreter und nun Polizeipräsident, bekam von Rebholz die, wie der es nannte, „Insignien der Macht“: einen grünen Stift. Metzger tritt sein Amt am 1. Juni an. Und das, so der 58-Jährige, im Sinne seines Vorgängers: „Es stehen weiter die Menschen im Mittelpunkt.“

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