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Radroute

Erste Fahrradstraße in der Stadt

Schulleiter und ARGE Campus begrüßen Umgestaltung der Alleenstraße – Sie lehnen zeitweise Öffnung für Autoverkehr ab

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Ludwigsburg. Nein, der Radzähler in der Alleenstraße verpasst keinen. Kaum rollt man vorbei, verändert sich die Zahl. Sie zeigt 3641 an. So viele Radfahrer sind an diesem Tag schon hier gefahren – und das bei etwas kühlem, wolkenverhangenen Wetter. Eine stolze Zahl. Einen der Topwerte bringt ein Sonnentag Anfang Juni. 4807 Radfahrbewegungen, das heißt: 2452 sind stadteinwärts gefahren, 2355 stadtauswärts.

Selbst Ludwigsburgs ADFC-Gruppe (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) ist von den guten Werten überrascht. „Die Straße wird sehr stark genutzt“, stellt Pressereferentin Katja Goll fest. Bei sonnigem Wetter gingen die Zahlen sogar steil nach oben. „Dennoch ist es keine saisonale Sache, es wird regelmäßig Rad gefahren“, so Goll. Selbst an kalten Tagen wird also, wenn auch in geringerem Umfang, auf zwei Rädern Strecke zurückgelegt. Eine besondere Bedeutung hat dabei der Schulcampus in der Innenstadt, zusätzlich Radverkehr bringt die Strecke Richtung Bahnhof.

Jetzt soll die Alleenstraße dauerhaft Fahrradstraße werden und wäre damit die erste in Ludwigsburg. Das heißt, dass dort Radfahrer bevorrechtigt sind. Am Donnerstag entscheidet der Bauausschuss darüber. Eine Fahrradstraße sei die beste Lösung, so der Fahrradclub, der seine Meinung im Vorfeld zu den Planungen eingebracht hat. Direkten Kontakt gab es mit der Stadt nicht mehr, „aber es war klar, was wir fordern“. Und so begrüßt der ADFC die Planskizzen grundsätzlich.

Allerdings sieht er einen Punkt sehr kritisch, und damit positioniert sich der Verein ähnlich wie die Schulen. Bereits im März haben sämtliche Schulleiter gefordert, die Sperrung des oberen Teils der Straße für den Autoverkehr – sie wurde im März 2017 zwischen Solitudestraße und Seestraße testweise gesperrt – nicht wieder aufzuheben. „Unsere Schüler haben ein größtmögliches Recht auf Sicherheit“, hatten sie damals kundgetan. Doch genau das wollen CDU und Freie Wähler: wieder eine zeitweise Freigabe für Autos, gesteuert über versenkbare Poller. Die Stadtverwaltung hat dem nachgegeben und will eine zeitweise Öffnung der Straße berücksichtigen. Allerdings mit der Einschränkung, dass dies erst am frühen Abend erfolgen könne und morgens rechtzeitig vor Schulbeginn wieder aufgehoben wird.

Die Arbeitsgemeinschaft Campus und alle Rektoren der Innenstadtschulen können dem nicht folgen. Eine zeitweise Freigabe für den Autoverkehr lehnen sie ab, wie sie der Stadt und den Fraktionen im Gemeinderat mitgeteilt haben. Nicht nur, dass der Erfolg der Radachse der Sperrung zu verdanken sei, argumentieren sie, auch habe der Radfahrverkehr außerhalb der Unterrichtszeiten stark zugenommen. Eine Freigabe für Autos am Abend oder frühen Morgen wäre auch gar nicht notwendig, heißt es mit Blick auf die Verkehrszählung. Diese zeigt, dass die Kurve ab 18 Uhr stark abfällt, der Autoverkehr also deutlich zurückgeht. Morgens steigt der Autoverkehr in Zeiten des Unterrichtsbeginns an, doch in diesem Zeitraum würde auch die Stadtverwaltung keine Freigabe empfehlen. „Einige Zeit vor Schulbeginn“ müsse wieder gesperrt werden, heißt es.

Auch der ADFC sieht eine Öffnung als nicht sinnvoll an. Sie sei unnötig, weil es verkehrlich nicht mehr erforderlich sei, ebenso werde die Solitudestraße entlastet, wenn der Autoverkehr künftig wie geplant vom Parkhaus auch in Richtung Leonberger Straße abfließen kann. „Mal offen, mal zu, das ist psychologisch gesehen nicht gut und führt eher zu Ärger“, sagt Goll.

Insgesamt müssten die Radrouten weitergedacht werden. „Das ist jetzt ein winziger Bauteil“, so der ADFC zur Alleenstraße. Noch fehlt die Querung über die B 27, auch müsse die Fahrradstraße bis zum Berliner Platz verlängert werden. Für Fußgänger und Radfahrer gibt es dort teils zu wenig Platz. Auch die Achse in Richtung Westen zum Bildungszentrum sei dringlich. „Wir wünschen uns da zügig Pläne.“

Die neue Verkehrsregelung in der Solitudestraße gehöre zu den positiven Aspekten, ebenso die bessere Querung für Radfahrer in der Solitudestraße. Um die Fahrradstraße deutlich erkennbar zu machen, empfiehlt der ADFC deutlich sichtbare Radfahrmarkierungen auf der Straße.