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Region Stuttgart

Erstmals Frau an IHK-Spitze gewählt

Marjoke Breuning siegt mit 59 Stimmen klar – Fronten in der Vollversammlung bleiben auch nach Neuwahl unverändert

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Marjoke Breuning beerbt Georg Fichtner als ehrenamtliche Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart.Fotos: privat/IHK
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Ludwigsburg. Am Ende waren die Fronten fast so klar gezogen, wie in den vergangenen vier Jahren, auch wenn erstmals in der mehr als 160-jährigen Geschichte der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart eine Frau zur Präsidentin gewählt wurde. Marjoke Breuning bekam die Stimmen von 59 der 91 Unternehmer, die gestern Abend in der konstituierenden Sitzung der IHK-Vollversammlung anwesend waren. Ihre Gegenkandidatin, Martina Ueberschaar, kam auf 32 Stimmen. Das entspricht zwar exakt der Zahl der Sitze, die die kammerkritische Kaktus-Initiative bei den Wahlen im Sommer errungen hatte, doch da zwei Kakteen verhindert waren, bekam sie offenbar zwei Stimmen aus dem etablierten Lager.

Zu dem gehört Marjoke Breuning schon seit mehr als einem Jahrzehnt. 2005 wurde sie zum ersten Mal in die Vollversammlung gewählt. In der vergangenen Wahlperiode rückte sie als stellvertretendes Präsidiumsmitglied in den erweiterten Führungszirkel auf. Neben ihrem Sitz in der Vollversammlung, leitet sie den IHK-Arbeitskreis Unternehmerinnen und ist stellvertretende Vorsitzende der City-Initiative Stuttgart. Dieses Ehrenamt will sie nun aber aufgeben, wie sie für den Fall angekündigt hatte, dass sie zur Präsidentin gewählt wird.

Chefin eines 45-Mitarbeiter-Betriebes

Für eine Stellungnahme nach der Wahl war Breuning gestern nicht zu erreichen. Zuvor hatte sie erklärt: „Der Präsident ist allen Mitgliedsunternehmen verbunden, ist neutraler Vermittler,“ Sie wolle jeden einbinden, der sich mit konstruktiven Vorschlägen an der Kammerarbeit beteilige.

Die 45-Jährige führt gemeinsam mit ihrer Schwester das Stuttgarter Traditions-Wäsche- und Bademoden-Geschäft Maute-Benger in der sechsten Generation. Die Chefin von 45 Mitarbeitern ist nun die oberste Repräsentantin von 155 000 Mitgliedsunternehmen.

Breuning ist nicht nur die erste Frau ander IHK-Spitze, sondern auch seit langer Zeit die erste Vertreterin des Handels, die das Präsidentenamt übernimmt. Ihre Vorgänger Georg Fichtner als Ingenieursdienstleister und Herbert Müller als Unternehmensberater kamen aus dem Dienstleistungsbereich. Zuvor war der Präsidentenstuhl meist von Vertretern der mittelständischen Industrie besetzt. Fichtner wurde gestern Abend zum Ehrenpräsidenten ernannt, Müller hat den Titel schon seit seinem Abschied aus der Vollversammlung vor vier Jahren.

Ueberschaar hatte sich erst vor einer Woche entschieden, für die Kaktus-Initiative ins Rennen zu gehen. Von ihrem Wahlergebnis zeigte sie sich nicht enttäuscht, wohl aber von den anschließenden Präsidiumswahlen. Von den fünf Kandidaten der Kaktus-Initiative, darunter der Ditzinger Unternehmer, Clemens Morlok, schaffte es keiner in das Führungsgremium. Die Kammer-Kritiker haben in der Vollversammlung fast genau ein Drittel der Sitze. „Es lief wie in den vergangenen vier Jahren“, kritisierte Ueberschaar, die die zweite Wahlperiode in der Vollversammlung sitzt.

Keine neue Sitzverteilung im Präsidium

Und auch ein Antrag der Kakteen, die Besetzung des Präsidiums zu ändern, fand keine Mehrheit. Nach Ansicht der Initiative ist die Stadt Stuttgart – regional betrachtet – im IHK-Präsidium gegenüber den Umland-Kreisen, wie Ludwigsburg, überrepräsentiert.

Zu Vizepräsidenten wurden gestern Abend der Geschäftsführende Gesellschafter der Eberspächer-Gruppe, Heinrich Baumann, und Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth gewählt. Ins Präsidium rücken als Stuttgarter Vertreter Bosch-Personalchef Christoph Kübel, Susanne Pauer, die in gleicher Funktion bei der Wüstenrot-Schwester Württembergische tätig ist, und Thomas Schäberle, Inhaber des gleichnamigen Logistikunternehmens.

Und auch der neue Ludwigsburger Bezirksgruppen-Präsident Albrecht Kruse wurde von der Vollversammlung bestätigt und sitzt nun für Ludwigsburg auch im Präsidium. Ambitionen, seinem Vorgänger Werner Schulte auch als IHK-Vizepräsident nachzufolgen, hatte Kruse nicht gehegt, wie er schon vorab erklärt hatte.