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Verkehr

Fachwerkhäuser in Gefahr

Ochsenbacher schreiben an den Landrat und fordern ein Tempolimit in der Fachwerkdorfstraße

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Eine der schönsten Straßen im Landkreis: Die Dorfstraße in Ochsenbach.Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Wie lange die prachtvollen Fachwerkhäuser in der Dorfstraße von Ochsenbach noch den Erschütterungen durch die Schwerlastwagen standhalten, ist ungewiss. Jedenfalls sind im Inneren als auch äußerlich Schäden an den Häusern schon erkennbar. Jetzt haben die Ochsenbacher Landrat Dr. Rainer Haas einen Brandbrief geschrieben, in dem sie ein Tempolimit auf 30 Stundenkilometer verlangen.

Seit Jahren fordern Ortschaftsrat und Anlieger in Ochsenbach ein Lastwagendurchfahrtsverbot und ersatzweise eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit für die Ortsdurchfahrt. Der Verkehr nimmt ständig zu. Und zwar nicht nur an Werktagen, sondern wegen des steigenden Ausflugsverkehrs auch an Feiertagen.

Die Ochsenbacher haben festgestellt, dass seit Erhebung der Mautgebühren auf Autobahnen viele Lastwagen auf die Landstraße zwischen A 6 und A 81 ausweichen und durch die Dorfstraße donnern. Die schmale Fahrbahn ist auf der östlichen Seite nur durch Niedrigbordsteine und auf der westlichen Seite nur durch ein Rinnenpflaster vom oft schmalen Gehweg getrennt.

Dieter Köstlin, der den Brief an den Landrat unterzeichnet hat, spricht von einem Sicherheitsproblem. Die zulässige Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern führe aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse zu einer Gefahrenlage, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung weit übersteige.

Fußgänger gefährdet

Begegnungen von Personenwagen mit dieser Geschwindigkeit führten häufig dazu, dass der Niedrigbordstein oder die Pflasterrinne überfahren werde. Dadurch würden Fußgänger gefährdet. Lastwagen würden im Begegnungsverkehr grundsätzlich auf den Gehweg ausweichen.

Schließlich, so Dieter Köstlin in seinem Brief, bestehe bei der Enge der Ortsdurchfahrt mit den schmalen Gehwegen die Gefahr, dass aus den Hofeinfahrten rennende Kinder bei Tempo 50 nicht rechtzeitig wahrgenommen würden.

Dies alles seien schon Gründe genug, eine Beschränkung der Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer anzuordnen, unterstreicht Köstlin. Auch zum Schutz vor Lärm und Abgasen sei eine Geschwindigkeitsbeschränkung erforderlich, ergänzt Köstlin.

„Nachdem die Stadt Sachsenheim ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben hat, erwarten wir auch im Lärm-Aktionsplan möglichst noch vor der Sommerpause ein weiteres Argument für ein Tempo 30“, schreibt der Ochsenbacher.

Er weist darauf hin, dass es in den Ortsdurchfahrten von Güglingen, Hohenhaslach, Löchgau und Freudental schon Tempolimits gebe. „Wir können nicht nachvollziehen, dass Ochsenbach mit seinen besonderen Voraussetzungen davon ausgeschlossen sein soll“, betont Dieter Köstlin.

Neben den verkehrsrechtlichen Überlegungen gehe es auch um die Wahrnehmung der Dorfstraße als einer städtebaulichen Perle, unterstreicht Köstlin. Die Tourismus Marketing GmbH des Landes wirbt im Internet: „Mit der Fachwerk-gesäumten Dorfstraße gehört Ochsenbach zu den schönsten Ortschaften der Region Stuttgart und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Beim Landeswettbewerb ‚Unser Dorf soll schöner werden‘ wurde Ochsenbach 1993 und 2003 ausgezeichnet, vor allem wegen der wunderschönen Fachwerkhäuser entlang der Dorfstraße.“

Dieter Köstlin fragt den Landrat, ob es da nicht sinnvoll sei, diesem landesweit als Kulturdenkmal anerkannten Ortskern vonseiten des Landratsamtes auch aus diesem Grund einen gewissen Respekt entgegenzubringen. Die Bürger von Ochsenbach wollten eine 30er-Zone, und der Kreis habe die rechtliche Möglichkeit, sie zu verwirklichen. „Was also spricht gegen eine Verwirklichung“, schließt das Schreiben aus Ochsenbach an den Ludwigsburger Landrat.