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Spendenaktion

Fast eine Million Euro für Michael

Nach drei Wochen ist die Hälfte geschafft: Für Michael Seiler aus Eglosheim, der an einer schweren Muskel-Erkrankung leidet, wurden bisher beinahe 1,1 Millionen Dollar gespendet. Das Medikament, das es bisher nur in den USA gibt, kostet 2,1 Millionen Dollar. Nicht nur Menschen aus der Umgebung sind gerührt vom Schicksal des Einjährigen. Immer mehr Prominente spenden und verbreiten den Spendenaufruf.

Die große Schwester Evelina, Mama Marina Mantel und Papa Oleg Seiler sind glücklich über die erste Million für Michael. „Aber wir haben unser Ziel noch nicht erreicht“, sagt Marina Mantel. Foto: Holm Wolschendorf
Die große Schwester Evelina, Mama Marina Mantel und Papa Oleg Seiler sind glücklich über die erste Million für Michael. „Aber wir haben unser Ziel noch nicht erreicht“, sagt Marina Mantel. Foto: Holm Wolschendorf

Fußballvereine spenden den Eintritt zu ihren Spielen, berühmte Personen nutzen ihre Reichweite, um auf Michaels Schicksal aufmerksam zu machen und Leute aus Ludwigsburg und Umgebung entwickeln Ideen, wie sie dem Einjährigen helfen können: Am Samstag berichteten wir von der Welle der Solidarität, die Marina Mantel und Oleg Seiler, den Eltern von Michael, entgegenströmt. Fast 500.000 Euro waren am Freitagabend auf das Spendenkonto bei der Deutschen Muskelstiftung eingegangen. Bis Sonntagabend hatte es sich bereits mehr als verdoppelt.

Michael leidet an Spinaler Muskelatrophie (SMA). Ein defektes Gen sorgt dafür, dass seine Muskeln schwinden und er immer schwächer wird. Bei Typ-1-Erkrankten wie Michael kommt es meistens noch vor dem zweiten Lebensjahr zum Atemstillstand. Michael wird bereits mit dem Medikament behandelt, das in Deutschland zugelassen ist und deshalb von den Krankenkassen übernommen wird. Das lindert seine Symptome und macht es ihm leichter, zu atmen. Doch es hält die Krankheit nicht auf. Hoffnung verspricht ein im Mai 2019 in den USA zugelassenes Medikament. Erste Studien zeigten, dass damit behandelte Kinder ihren Kopf heben, krabbeln und teilweise sogar laufen können, was SMA-Kranken unbehandelt nicht möglich ist. Doch die einmalige Infusion kostet 2,1 Millionen US-Dollar (1,9 Millionen Euro).

Theatergruppe möchte Eintrittsgeld spenden

Seit unserem ersten Bericht über Michael melden sich Leser in der Redaktion, die Michaels Geschichte berührt. Zuletzt die Möglinger Theatergruppe „Das fidele Dutzend“, die die Einnahmen von ihren Auftritten jedes Jahr für den guten Zweck spendet. „Das Schicksal von Michael hat uns alle so berührt, dass wir helfen wollen“, so Petra Grasel von der Theatergruppe. Das Geld, das sie mit den beiden Auftritten am 28. September und am 5. Oktober einnehmen, wollen sie für Michael spenden.

„Es ist unbeschreiblich, einfach unglaublich“, sagt Marina Mantel, die Mutter von Michael. Sie habe nicht damit gerechnet, dass so viele fremde Menschen helfen wollen. Aus der ganzen Welt bekomme sie Anrufe und Nachrichten. „Uns schreiben Leute aus den USA, dass wir bei ihnen wohnen könnten, wenn Michael behandelt wird“, sagt die Ludwigsburgerin.

Die Spenden, die bisher zusammen gekommen sind, sind wie ein Hoffnungsschimmer für die Familie, die so sehr hofft, den kleinen Michael retten zu können. „So viele Menschen helfen uns und alle geben uns Hoffnung, Kraft und liebe Worte“, zeigt sich Marina Mantel überwältigt von der Solidarität für ihren Sohn.

Die bringen auch viele Prominente der Familie entgegen. Vor einer Woche war Ex-Fußballprofi Kevin Kurányi zu Besuch, am Wochenende haben auch die beiden Fußballspieler Jérôme Boateng und André Schürrle die Spendenaktion auf dem sozialen Netzwerk Instagram geteilt.

Model und Influencerin Gerda Lewis, die aktuell bei der RTL-Show „Die Bachelorette“ mitmacht, hat bereits für Michael gespendet und verbreitet seine Geschichte weiter.

Der deutsche Youtuber „Sprcrs“, der auf der Videoplattform hauptsächlich Videos von Sportwagen hochlädt, hat außerdem am Sonntag auf Michaels Schicksal aufmerksam gemacht. „Diese Geschichte hat mich zu Tränen gerührt – Deshalb sind materielle Dinge völlig unwichtig“ hat er das Video genannt, in dem er fast 20 Minuten über Michael und seine Krankheit spricht.

Viel Solidarität von Fußballvereinen

Auch viele Fußballvereine aus der Region und darüber hinaus verbreiten Michaels Spendenaktion in den sozialen Medien und spenden die Eintrittsgelder von ihren Spielen. „Dass das so große Wellen schlägt, haben wir auch unserer Familie zu verdanken, die da total hinterher ist und nicht aufhört, die Geschichte zu verbreiten“, sagt Marina Mantel.

Michael Kolodzig, der Vorsitzende der Deutschen Muskelstiftung, ist erstaunt, wie schnell die Spenden zusammenkommen. „Ich hätte es nicht erwartet, aber es ist super“, sagt er. Auch er bekommt viele Anrufe. Manche wollen zum Beispiel wissen, was mit dem Geld passiert, würde Michael es nicht mehr brauchen. „Das Geld wird zu allererst für die Familie verwendet“, erklärt Kolodzig. Wenn diese es nicht benötigt, profitieren andere Kinder, die an SMA erkrankt sind, davon.

Vor kurzem habe sich ein Mann bei ihm gemeldet, der Rhetorikkurse gibt. Er möchte das Geld, das er für einen Wochenendkurs verlangt, für Michael spenden. Kolodzig ist begeistert, was für hohe Wellen die Spendenaktion schlägt. „Die Familie sorgt mit der Öffentlichkeit in dem Einzelfall ja auch dafür, dass SMA bekannter wird“, sagt er. Manche Familien wollen mit der Diagnose ihres Kindes nicht an die Öffentlichkeit.

Marina Mantel und Oleg Seiler sind sich aber sicher, dass es der beste Weg ist, so viele Menschen wie möglich auf Michaels Schicksal aufmerksam zu machen. „Es ist unsere einzige Möglichkeit“, sagt Marina Mantel. Denn sie glaubt nicht, dass Michael anders eine Chance hat.

Info: Mehr zu Michaels Krankheit und der Spendenaktion gibt es im Internet unter www.helpmichael.de

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