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Mord in Ludwigsburg
Festnahme nach tödlichem Messerangriff auf 79-Jährigen: Kein Motiv erkennbar

In diesem Bereich der Danziger Straße ist ein 79-jähriger Mann mit einem Messer attackiert und tödlich verletzt worden. Foto: Holm Wolschendorf
In diesem Bereich der Danziger Straße ist ein 79-jähriger Mann mit einem Messer attackiert und tödlich verletzt worden. Foto: Holm Wolschendorf
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Ein 43-jähriger Mann steht in Verdacht, einen 79-Jährigen auf offener Straße mit einem Messer angegriffen und erstochen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Wie jetzt bekannt wurde, war der Tatverdächtige am Dienstagabend nur wenige Stunden nach der Bluttat an einer U-Bahn-Haltestelle in Stuttgart-Mühlhausen gefasst worden.

Ludwigsburg. Wie es in der gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei heißt, haben sich das Opfer und der Tatverdächtige offenbar nicht gekannt. Über das Motiv für den tödlichen Angriff kann nur spekuliert werden, nähere Erkenntnisse gibt es dazu nicht. Die Ermittlungen gehen auch nach der Festnahme weiter. Bei der Kriminalpolizei Ludwigsburg wurde deshalb die Ermittlungsgruppe „Goldwasser“ eingerichtet.

Messerattacke ereignet sich auf offener Straße

Am helllichten Tag, nämlich gegen 14.15 Uhr, war der Rentner am Dienstag auf dem Gehweg in der Danziger Straße im Bereich zwischen der Friedrichstraße und der Stephanstraße mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden. Nähere Angaben zu dem Mordopfer machen die Behörden nicht. Auch die sofort alarmierten Rettungskräfte konnten ihm nicht helfen. Kurze Zeit nach der Einlieferung ins Krankenhaus erlag der Senior seinen schweren Verletzungen. Wie die Obduktion des Leichnams ergeben hat, wurden dem 79-Jährigen mehrere Stichverletzungen im Bereich des Oberkörpers zugefügt, so die Staatsanwaltschaft.

Handyvideo vom Flüchtenden

Zeugin der Bluttat wurde eine junge Frau, sie flüchtete mit ihrem Kind panisch in ein nahe gelegenes Ladenlokal und forderte dort die beiden Mitarbeiter auf, die Tür von innen zu verschließen und ein Handyvideo zu drehen. Der Tatverdächtige befand sich zu diesem Zeitpunkt noch vor Ort und flüchtete in Richtung Hindenburgstraße. Dieses Handyvideo war sicherlich ein Glücksfall für die Polizei. Bei der Suche nach dem Flüchtigen wurde auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt.

Gegen 21 Uhr klickten für den Tatverdächtigen, einen 43-jähriger Mann aus Somalia, die Handschellen. Die Polizei nahm ihn fest, als er sich an einer U-Bahn-Haltestelle in Stuttgart- Mühlhausen aufhielt. In den sozialen Medien wurde darüber spekuliert, dass er zuvor möglicherweise in einem Fastfood-Restaurant in der Nähe war.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde der Mann einem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ nun Haftbefehl wegen Mordes. Der Mann wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt eingewiesen.

Oberbürgermeister Matthias Knecht ist betroffen

„So eine Tat auf offener Straße, das macht nachdenklich und besorgt“, zeigte sich Oberbürgermeister Matthias Knecht betroffen über das Verbrechen. Beunruhigend finde er den Gedanken, was dieses Verbrechen für den sozialen Frieden in der Stadt bedeute, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er hatte offiziellen Besuch im Rathaus, als er den Hubschrauber bemerkte, der auch über der Innenstadt nach dem Täter suchte.

War das Opfer mit einem Rollator unterwegs?

Wie gehen die Menschen in der Oststadt mit dieser unglaublichen Tat um? Keine Kerzen, keine Blumen, keine Zeichen der Trauer. Lediglich ein paar Markierungen der Polizei auf dem Boden weisen darauf hin, dass dort ein Gewaltverbrechen geschehen ist. Von dem Opfer ist nichts näher bekannt, die Polizei macht dazu keine Angaben. Es gibt Hinweise, dass der 79-Jährige mit einem Rollator unterwegs war.

Mittwoch, 11 Uhr: Von dem Gewaltverbrechen sind kaum noch Spuren zu sehen. Das Flatterband wurde entfernt. Lediglich ein paar Markierungen mit gelber Kreide – verschiedene Zahlen – sind auf dem Asphalt erkennbar. Der Rest eines Maßbands klebt auf der Straße.

Die Sonne brennt vom Himmel. Die Temperaturen liegen bei knapp 30 Grad Celsius. Wer kann, sucht sich einen Platz im Schatten. Wie die Wartenden an der Bushaltestelle Danziger Straße. Auf die Frage, ob sie hier in der Nähe wohnen, nicken einige. Ob sie mitbekommen haben, dass gestern Nachmittag an der Ecke zur Stephanstraße ein Gewaltverbrechen passiert ist, schütteln sie den Kopf. „Nein, ich habe nichts gehört und nichts gesehen“, antwortet ein junger Mann, er habe am Abend aus den sozialen Medien erfahren, dass ein Mann mit Stichverletzungen auf dem Gehweg lag.

Viele Bewohner der Oststadt haben von Tat nichts bemerkt

Ein Bus der Linie 433 hält. Eine Frau steigt aus. Nein, meint sie, sie wohne hier nicht. „Ich geh‘ zum Arzt. Der hat hier in der Nähe seine Praxis“, fügt sie hinzu und eilt davon. Ein Mann, der aus einem Wohnblock kommt und in sein Auto steigt, weiß ebenfalls von nichts. „Tut mir leid. Ich hab darüber erst am Abend im Internet gelesen.“

In dem Barbershop an der Ecke zur Friedrichstraße kürzt ein Mitarbeiter einem Kunden mit einem Rasierer die Haare. Ein weiterer Mitarbeiter kommt um die Ecke. Auch hier: Fehlanzeige. „Am Dienstag war viel los. Wir hatten viele Kunden und haben viel gearbeitet. Wir hatten gar keine Zeit, nach draußen zu gehen“, heißt es. Der Pizzaexpress, der sich an der Ecke zur Hindenburgstraße befindet, hat am Dienstag Ruhetag, erklärt eine Frau, die dort arbeitet.

Einzig in dem Laden, in dem die junge Mutter Zuflucht gesucht hat, haben die Mitarbeiter mitbekommen, was sich auf der Straße abgespielt hat. „Das alles war nicht ohne“, beschreibt ein Mann die Situation.