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Tagesverfügbarkeit

Feuerwehren fehlen Kräfte vor Ort

Schwachstellen im Brandschutz werden durch gezielte Zusammenarbeit mit den Nachbarn ausgeglichen

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Bei einem Großbrand kommt die örtliche Feuerwehr selten alleine zurecht. Interkommunale Zusammenarbeit ist da selbstverständlich.Archivfoto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Es ist eine Vorstellung, die einem Angst einjagen kann: Es brennt, aber keiner kommt zum Löschen, weil der Feuerwehr schlichtweg die Leute fehlen. Besonders tagsüber stellt sich die Situation in manchen Wehren im Landkreis äußerst problematisch dar. Diese Schwachstellen werden durch interkommunale Zusammenarbeit ausgeglichen. Nur die Wehren in Bietigheim-Bissingen und Vaihingen kommen ohne fremde Hilfe aus.

Tagesverfügbarkeit, ein Schlagwort, das Kommandanten und Bürgermeister aufhorchen lässt und ihnen zuweilen auch Sorgen bereitet. Seit mehreren Jahren werden für kommunale Feuerwehren Brandschutzbedarfspläne erstellt. Sie geben Antwort auf die Frage, wie viel Feuerwehr benötigt wird und welche Anschaffungen in welchen Zeiträumen getätigt werden müssen.

Entscheidend dabei ist die konkrete Gefahrenlage vor Ort. Sind die Feuerwehren ausreichend ausgestattet? Stehen genügend Einsatzkräfte zur Verfügung? Bedarfspläne versuchen Antworten auf diese Fragen zu geben und mögliche Veränderungen für eine Optimierung hin zum angestrebten Sicherheitsniveau zu liefern.

Fahrzeuge und Ausrüstungen können gekauft werden – aber kein Personal. Tagsüber kommt es da zu Engpässen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig – vom mangelnden Nachwuchs bis hin zur fehlenden Flexibilität der Arbeitgeber.

Im immer schneller werdenden Berufsleben genießen Mobilität und Flexibilität höchste Priorität. Dadurch verändert sich auch die zeitliche Verfügbarkeit von Feuerwehrangehörigen erheblich. War früher der Feuerwehrangehörige in der Regel im Ort beschäftigt, so ist er heute zum Teil mehrere Kilometer vom Wohnort berufstätig. Das führt in vielen Gemeinden zu Engpässen in der Tagesverfügbarkeit.

Im Besonderen ist dabei der Zeitraum zwischen 7 und 17 Uhr zu benennen. „Diese Tatsache würde ich weniger als Problem, sondern vielmehr als eine Aufgabe bezeichnen“, stellt Kreisbrandmeister Andy Dorroch fest. Besonders im Landkreis Ludwigsburg könne durch die relativ enge Bebauung sehr schnell in einer Nachbargemeinde ausgeholfen werden. Diese interkommunale Zusammenarbeit zwischen benachbarten Gemeinden entschärfe die Situation erheblich, sagt Dorroch, der seit Jahren für diese Zusammenarbeit wirbt und auch bei Beschaffungen entsprechend handelt.

„Das Kirchturmdenken – frei nach dem Motto: das ist unser Feuer – gehört endgültig der Vergangenheit an“, unterstreicht der Kreisbrandmeister. Die Feuerwehren stellten an sich und ihre Arbeit einen hohen Qualitätsanspruch, von welchem letztlich die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis profitierten.

Notwendig sei jedoch auf kommunaler Seite die Erkenntnis, dass die Alarm- und Ausrücke-Ordnung zeitlich angepasst werde. In nahezu allen Städten und Gemeinden des Landkreises würden zwischen 7 und 17 Uhr die Nachbargemeinden mit einem Löschfahrzeug mitalarmiert. Es gibt eine Ausrückanordnung für die Tageszeit von 7 bis 17 Uhr und eine für die Nachtzeit von 17 bis 7 Uhr am Morgen. Damit werde, so Dorroch, der wichtige Qualitätsaspekt „Eintreffzeit der Feuerwehr“ gewürdigt.

Bewährt hat sich die Zusammenarbeit bei fast allen Wehren. So rücken tagsüber in Kirchheim die Gemmrigheimer und umgekehrt aus. Brennt es in Löchgau, kommt Besigheim. Remseck und Kornwestheim unterstützen sich gegenseitig.Murr und Pleidelsheim helfen sich, wie auch Mundelsheim und Hessigheim, gegenseitig.

Schwieberdingen und Hemmingen, Großbottwar und Oberstenfeld sowie Gerlingen und Ditzingen können gut miteinander.

Kreisüberschreitende Zusammenarbeit gibt es zwischen Steinheim und Kirchberg (im Rems-Murr-Kreis) sowie Oberstenfeld und Beilstein (im Kreis Heilbronn). Die Marbacher kommen, wenn’s brennt, nach Erdmannhausen sowie nach Benningen, Oberstenfeld, Pleidelsheim, Steinheim, Murr und Affalterbach. Die Besigheimer rücken nach Löchgau, Freudental, Gemmrigheim, Walheim, Mundelsheim, Bönnigheim und Kirchheim aus.

Die Möglinger bekommen Unterstützung aus Ludwigsburg, Tamm und Markgröningen. Asperg fährt nach Ludwigsburg, Tamm, Möglingen und Markgröningen. Sachsenheim arbeitet mit Bietigheim-Bissingen, Sersheim und Oberriexingen zusammen.

Freiberg fährt nach Pleidelsheim und hat zusammen mit Ludwigsburg eine Führungsgruppe. Nur zwei Wehren im Landkreis, nämlich Vaihingen und Bietigheim-Bissingen, kommen mit eigenen Kräften auch tagsüber aus.