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„Fotografie ist ein Spiel mit Zeit und Licht“

Die Fotografin Maartje Ansems erklärt, warum eine gute Kamera nicht das Wichtigste ist, wie man Motive findet und und warum der Goldene Schnitt Bilder aufwertet

Maartje Ansems. Foto: Ansems/p
Maartje Ansems. Foto: Ansems/p

Ludwigsburg. Es sieht so einfach aus, schöne Fotos zu machen. Aber wenn man selbst auf den Auslöser drückt, ist das Ergebnis manchmal ziemlich enttäuschend. Maartje Ansems weiß, worauf man beim Fotografieren achten muss. Die Fotografin und Dozentin bietet mit ihrem „Fotokurs Ludwigsburg“ unter anderem Fototrainings, Einzelcoachings und Fotospaziergänge an. Hier gibt sie Tipps, wie auch Anfänger schnell gute Bilder schießen können.

Frau Ansems, reicht ein Smartphone aus, um schöne Fotos zu schießen? Oder sollte man lieber auf eine Kamera zurückgreifen?

Maartje Ansems: Ein Smartphone hat andere Möglichkeiten als eine Spiegelreflexkamera. Und solange man weiß, was man vom Gerät erwarten kann, kann man mit allem fotografieren. Das Gerät ist nicht unbedingt das Wichtigste. Auch mit einem Smartphone kann man tolle Bilder machen. In erster Linie geht es um den Spaß. Es hilft, wenn man eine tolle Kamera hat und sie bedienen kann, aber es ist kein Muss.

Reicht der Automatikmodus bei einer Kamera für gute Bilder?

Eine Kamera im AutomatikModus geht immer von Standards aus. Aber im Leben ist nichts Standard und irgendwann sind die Bilder nicht mehr befriedigend. Wenn man mehr aus dem Bild herausholen möchte, sollte man im manuellen Modus fotografieren. Dafür muss man aber alles selbst einstellen. Es stellt sich dann die Frage, wie viel Zeit will ich in die Fotografie investieren? Will ich mehr über die Kamera wissen? Oder gebe ich mich zufrieden mit Standardbildern? Input ist gleich Output: Die Energie und Mühe, die ich investiere, werde ich irgendwann in den Bildern sehen. Man sollte nicht zu schnell Ergebnisse erwarten. Das braucht Zeit, Geduld und Ausdauer.

Was ist wichtig beim Fotografieren?

Dass man alle Sinne benutzt. Nicht nur die Augen, sondern auch Ohren und Nase. Man sollte sich öffnen für das, was in der Natur ist. Wenn man zum Beispiel seine Nase benutzt, riecht man vielleicht eine Blume am Boden. Wenn ich diese fotografieren möchte, kann ich mich auf den Boden legen und auf Augenhöhe mit der Blume gehen. So erscheint die Blume auf einmal viel größer als von oben.

In der Fotografie gibt es die Froschperspektive. Das heißt, dass man aus der Augenhöhe eines Frosches fotografiert. Eine andere Perspektive wäre die Adlerperspektive, also von oben nach unten, damit das, was man fotografiert, kleiner erscheint. Aber das ist schwieriger, man kann schließlich nicht auf einen Baum klettern.

Wie findet man gute Motive?

Es ist wichtig, dass man sich der Möglichkeit des Perspektivwechsels bewusst ist. Sobald man sich auf eine andere Höhe begibt, eröffnet sich eine andere Welt. Wenn man sich einlässt auf die Natur, also wenn man einen Gang runterschaltet, nimmt man mehr wahr – eine schöne Blume, einen Vogel oder einen tollen alten Baum. Fotografieren hat auch mit Zeit zu tun. Zeit nehmen ist wichtig. Ich sage immer: Fotografie ist ein Spiel mit Zeit und Licht.

Ein weiterer Tipp: Mehrmals an den gleichen Ort gehen und die Veränderungen beobachten. Das kann auch ums Eck sein. Man muss sich einfach ein bisschen sensibilisieren, denn in der Natur sind oft auch die kleinen Sachen interessant. Dafür muss man näher herangehen. So entdeckt man einen schönen Käfer oder die schöne Struktur einer Baumrinde.

Wenn man sich draußen befindet, ist es wichtig, dass man Respekt für die Natur hat. Man sollte zum Beispiel auch keinen Müll liegen lassen.

Zu welcher Tageszeit ist es sinnvoll, zu fotografieren?

Tagsüber ist das Licht sehr grell. Das ist zum Fotografieren nicht immer vorteilhaft. Das weiche Licht morgens oder kurz vor der Dämmerung ist sehr schön. Die Kontraste sind dann nicht so hoch, so kann die Kamera das Bild korrekt darstellen. Ein weiterer Vorteil: Morgens oder abends gibt es nicht so viele Fußgänger, die sonst vielleicht im Bild sind oder sich wundern, wenn da jemand auf dem Boden liegt, um eine Blume zu fotografieren.

Landschaften sehen oft sehr schön aus, aber wenn man sie fotografiert, wirkt es oft sehr platt. Haben Sie Tipps?

Die Kamera registriert die Welt in 2-D, wir nehmen die Welt aber in der Regel in 3-D wahr. Das muss übersetzt werden. Für ein Bild teile ich die Landschaft auf. Idealerweise hat man einen Vordergrund, einen Mittelgrund und einen Hintergrund. Im Vordergrund könnte ein Gebüsch stehen, das ich angeschnitten fotografiere. Ein Mittelgrund könnte ein Pferd sein. Im Hintergrund ist der Horizont mit einem Gebirge oder einem Dorf in der Ferne. Mit diesen Elementen kann ich das dreidimensionale Gefühl rüberbringen.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Landschaft einzurahmen, etwa indem ich im Bild oben und links Blätter habe und rechts einen Baumstamm. Dann wird das Bild für den Betrachter gleich interessanter. Falls es keine Bäume gibt, kann ich auch durch etwas anderes hindurchfotografieren, etwa eine Bank oder eine Brücke.

Worauf sollte man bei der Bildgestaltung noch achten?

Der Goldene Schnitt ist auch ein Mittel zur Bildgestaltung. Das Hauptmotiv kann zwar in der Mitte positioniert werden, aber das wird oft als langweilig empfunden. Sobald man von der Mitte abweicht, wird das Bild interessanter. Bei vielen Kameras lässt sich ein Gitter einstellen. Das sind Hilfslinien, drei waagerecht, drei senkrecht. Jeder Schnittpunkt ist ein idealer Punkt, um ein Motiv zu positionieren.

Auch eine Horizontlinie in der Mitte ist oft langweilig. Man kann die Linie im unteren Drittel positionieren. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird dann zum Himmel gelenkt. Gleiches passiert, wenn man die Horizontline im oberen Drittel positioniert. Dann betont man das, was unterhalb der Horizontlinie ist.

Was, wenn die Bilder, die ich gemacht habe, nicht gut geworden sind?

Man darf immer Fehler machen. Denn daraus kann man lernen. Wie zufrieden man mit seinen Bildern ist, hängt von den Erwartungen ab und davon, wie gut man seine Kamera kennt. Wenn man das Gerät nicht gut kennt und hohe Erwartungen hat, wird man vielleicht von den Bildern enttäuscht. Aber auch wenn Bilder nicht so gut geworden sind, ist das nicht schlimm. Man kann sie schließlich wieder löschen.

Wichtig ist, dass man Spaß hat. Um den Spaßfaktor zu erhöhen, kann man mit Leuten unterwegs sein, die auch Bock haben, zu fotografieren. Ich wünsche allen Fotografen eine schöne Zeit draußen und viel Spaß beim Fotografieren!

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