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Digitalisierung

Freie Fahrt für die Feuerwehr auf der B.27

Zumindest auf einem Teilstück der B.27 ist es dank digitaler Technik wahr geworden: Die Feuerwehr fährt mit der grünen Welle. Bis Ende des Jahres sollen alle Ampeln umgerüstet sein – dann wäre Ludwigsburg die erste Stadt Deutschlands, die die intelligente Steuerung flächendeckend einsetzt.

Mit dem Löschfahrzeug demonstriert der stellvertretende Kommandant Hans-Peter Peifer die Technik. Per Funk fordert die Kommunikationseinheit (ganz rechts) bei Alarm und Blaulicht von der Ampel Grün an, ergänzt durch Antenne und GPS-Sender auf dem Dac
Mit dem Löschfahrzeug demonstriert der stellvertretende Kommandant Hans-Peter Peifer die Technik. Per Funk fordert die Kommunikationseinheit (ganz rechts) bei Alarm und Blaulicht von der Ampel Grün an, ergänzt durch Antenne und GPS-Sender auf dem Dach.
„Nicht immer ideal, aber es geht.“ Feuerwehrmann Manuel Moz ist meist zufrieden mit den Rettungsgassen der Fahrer. Auch das sei ein Lernprozess, sagt er. Die digitale Steuerung an den Ampeln ist ein weiterer. Denn der Verkehr soll fließen, nicht steh
„Nicht immer ideal, aber es geht.“ Feuerwehrmann Manuel Moz ist meist zufrieden mit den Rettungsgassen der Fahrer. Auch das sei ein Lernprozess, sagt er. Die digitale Steuerung an den Ampeln ist ein weiterer. Denn der Verkehr soll fließen, nicht stehen. Foto: Holm Wolschendorf

Es ist sehr laut so direkt unter dem Martinshorn. Feuerwehrmann Manuel Moz am Steuer ist das gewohnt, seine Gäste weniger – aber die sind dafür umso begeisterter. Als der Probealarm losgeht, biegt Moz mit dem Einsatzfahrzeug von der Hauptwache auf die B.27 nach Eglosheim ein. Nach einem Jahr Probelauf hatte die Feuerwehr gestern Vormittag noch einmal einen Testlauf gemacht, um zu schauen, ob die Grüne Welle funktioniert. Sie funktioniert. Oberbürgermeister Werner Spec sitzt am Nachmittag mit dem Beauftragten der Landesregierung für Informationstechnologie, Stefan Krebs, in zweiter Reihe und beobachtet, wie sich Moz durch den Verkehr schlängelt. Zusätzlich zur Rettungsgasse vertraut die Feuerwehr neuerdings auf die digitale Steuerung der Ampeln, die dafür sorgt, dass der Verkehr vor den Einsatzfahrzeugen abfließt.

Möglich wurde dies durch die neue digitale Technik inklusive neuem Verkehrsleitrechner, mit dem sich Ludwigsburg samt Living Lab „eine hohe Innovationskraft und Kompetenz“ erarbeitet habe, wie Spec gestern vor Medienvertretern in der Fahrzeughalle der Feuerwehrwache sagte. Der Bund fördert die Digitalisierung der Ampeln mit 4,2 Millionen Euro, insgesamt bekommt Ludwigsburg im Zuge des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017-2020“ 6,1 Millionen Euro aus Berlin. Das ist die Hälfte der 12,2 Millionen Euro, die die elf Vorhaben – von digitalen Ampeln über Verkehrsleittechnik, Smart-City-Cloud und Bluetooth-Erkennung bis zum digitalen Parkraummanagement – bisher kosten sollen. Unterstützt wird die digitale Infrastruktur aber auch vom Land im Zuge der Smart-City-Offensive – und so war es hilfreich, dass der „Chief Information Officer“ Krebs, also der IT-Stratege der Landesverwaltung, selbst am Erfolg teilhaben durfte.

Die Bevorrechtigung der Feuerwehr im Einsatz, die auf die Rettungsdienste und später auch auf Linienbusse ausgeweitet werden soll, sagte Krebs, „ist eines der ersten Beispiele, wo man die Car-2-X-Kommunikation sehen kann“. Dabei kommuniziert das Auto mit beliebigen digitalen Geräten – wie Ampeln. Auch beim nächsten Schritt, den Spec bereits für Ende 2019 ankündigte, will er dabei sein: Wenn alle 130 Ampelkreuzungen aufgerüstet und mithilfe des Verkehrsrechners und den dazu passenden Kommunikationselementen den Einsatzfahrzeugen Vorfahrt geben. Bisher geht die Teststrecke von der Eisenbahnbrücke bei Eglosheim über die Heilbronner, Schloss- und Stuttgarter Straße bis zum Forum. Mit dem Ausbau zur flächendeckenden Transformation wäre Ludwigsburg auch bundesweit ganz vorne mit dabei.

Unter den bundesweit 50 Vorreiterkommunen im ersten Smart-City-Atlas des Vereins Bitcom, darunter acht aus dem Land, ist auch Ludwigsburg. Mit seinem eigenen Chief Digital Officer als Stabstelle des Oberbürgermeisters – eine Art Pendant zu Stefan Krebs – und vor allem den großen Förderprogrammen hat Ludwigsburg offenbar ins Schwarze getroffen. Oder, wie Spec sagte: „Das ist keine Kann-Technologie. Die Städte werden nicht umhinkommen, eine digitale Infrastruktur zu erstellen.“

Für den stellvertretenden Feuerwehrkommandanten Hans-Peter Peifer sind die Lorbeeren zweitrangig, die Technik zählt: „Mit grünen Ampeln fahren wir deutlich sicherer.“ Als er später das Löschfahrzeug mit Blaulicht und Sirene über die Sternkreuzung steuert, wird klar, was er meint. Früher bahnte sich die Feuerwehr den Weg durch die stehenden Autokolonnen oder gar den Tunnel, jetzt sorgt der digitale Rechner im Verbund mit den Kommunikationsgeräten in Fahrzeugen und an Ampeln dafür, dass die Ampel lange vor den Einsatzfahrzeugen auf Grün schaltet, damit der stehende Verkehr abfließen kann. „Es ist für viele Fahrer irritierend, dass die Ampel für sie wieder auf Grün schaltet und sie abfahren müssen.“ Manuel Moz zeigt auf einen leicht ungeordneten Fahrzeugpulk vor ihm. Gewöhnungssache, sagt er.

Auch Andreas Schmid gehört zu den aufmerksamen Beobachtern, als Manuel Moz seinen Bus mitten durch die Schlangen lenkt. Der „Head of Innovation“ beim Unternehmen Swarco ist längst Dauergast in Ludwigsburg. Swarco zeichnet auch für das Parkleitsystem verantwortlich und war schon beim alten Verkehrsrechner mit im Boot. Swarco surft ganz oben auf der Welle des autonomen Fahrens und hat mit Ludwigsburg ein ideales Testfeld. Fernziel sei natürlich der Einbau in Autos, Nahziel jedoch der fließende Verkehr. „Wir sind da deutlich schneller als die Autohersteller.“ Getüftelt wird langfristig auch daran, mit einem Navigationsgerät von Anfang an eine Strecke zu definieren, die dann „freigeräumt“ wird. Oder, wie er sagt: „Wir können alle Kreuzungen zum Sprechen bringen.“

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