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Stadtentwicklung
Freie Wohnungen in Ludwigsburg sind selten: „Der Wohnungsmarkt erstarrt zunehmend“

Die Wohnungen im südlichen Grünbühl sollen bis Ende 2022 bezogen sein.Foto: Wolschendorf
Die Wohnungen im südlichen Grünbühl sollen bis Ende 2022 bezogen sein.Foto: Wolschendorf
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Zu wenig Wohnungen, explodierende Preise und eine überhitzte Baukonjunktur: Wohnbau ist eine Herausforderung. Künftig sollen soziale Kriterien priorisiert und mehr geförderte Wohnungen gebaut werden. Doch einige Neubaugebiete verzögern sich.

Ludwigsburg. Jahrelang regierte der freie Markt im Wohnungsbau und ließ die Preise klettern, jetzt versuchen die Kommunen, mit eigenen Bauprojekten den Markt zu regulieren. Denn die horrenden Preise lassen viele Menschen zurück, die sich das nicht mehr leisten können. Auch in Ludwigsburg hat ein Umdenken eingesetzt. „Wir haben die sozialen Kriterien ein bisschen außer acht gelassen.“ Sonja Thüry spricht von Solidarität, Vielfalt und Qualität. Sie leitet die Geschäftsstelle Wohnen im Fachbereich Liegenschaften und Wohnen und ist mittendrin im Hexenkessel: Wohnen ist ein soziales Thema.

Die Stadt rechnet damit, dass mehr Wohnberechtigungsscheine ausgestellt werden

So steigt die Zahl der neu ausgestellten Wohnberechtigungsscheine, auch wenn es 2021 „nur“ 556 waren, nach 597 im Jahr 2020. „Wir stellen uns darauf ein, dass es mehr werden“, sagte Bürgermeisterin Andrea Schwarz. Die Energiekrise werde das noch verschärfen. Die Zahl der Wohnungssuchenden – bei der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) gelistet – ist mit 1400 hoch. Der Fachbereichsleiter Liegenschaften und Wohnen, Thomas Hugger: „Die Wohnungsnot ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Und es bewegt sich wenig. „Der Wohnungsmarkt erstarrt zunehmend“, sagt Bürgermeisterin Schwarz. Heißt: Die Menschen bleiben, auch wenn Zuwachs für Enge sorgt, in ihrer Wohnung, denn in einer neuen müssen sie mit einer deutlich höheren Miete rechnen. Hugger: „Es gibt nur noch wenig Fluktuation.“

Nachverdichtung: Wohnungen auf bestehenden Gebäuden als Ziel

Neue Wohnungen müssen her: Potenzielle Bauplätze zur Bebauung hat die Stadt in der Stadt rund 160 ausgemacht und die Besitzer angeschrieben, der Erfolg? Gleich null. „Die Leute behalten es lieber fürs Alter oder die Enkel“, so Thüry. Das Projekt Nachverdichtung hat da mehr Chancen, wenn auf bestehende Einheiten gebaut wird. Bis Ende 2022 soll eine Studie zu Flächenpotenzialen in der Innenstadt fertig sein, da geht es um aufgesetzte Stockwerke, vor allem um Wohnungsbau auf Gewerbe. Insgesamt, auch im Neubau, geht es höher hinaus: „Um Wohnraum zu schaffen, müssen wir hoch bauen.“ So gebe es im Spannungsfeld zwischen Qualität und Fläche wohl mehr Abstand zwischen den Gebäuden.

In den Neubaugebieten sollen Qualität und familiengerechte Wohnpolitik eine große Rolle spielen, eine Wohnraumanalyse soll Bedarfe und Quantität klären. Obwohl in Ludwigsburg viele Kinder geboren werden – 2021 waren es 1081 –, ziehen die jungen Familien weg, weil Ludwigsburg zu teuer ist und keinen Wohnraum bietet. Zu einem attraktiven Umfeld gehörten Spielplätze und Grün. Und Kitas – da allerdings sieht es in Ludwigsburg mit hohem Platzmangel schlecht aus. Und Neubaugebiete bieten die Möglichkeit, Sozialwohnungen zu bauen. Ludwigsburg öffnet sich nun auch den Genossenschaften. Im Landkreis ist eine eigene Initiative gestartet.

Heftige Kritik am Bund: Ohne Kriterien zur Wohnbauförderung ab 2023 keine Planung

Nun verzögern sich manche Neubaugebiete. Zusätzlich zu fehlendem Material – wodurch die Grundschule Fuchshof länger dauert – sorgt die fehlende Wohnungsförderung für Probleme. Schwarz macht dies dafür verantwortlich, dass die Planungen im Fuchshof (550 Wohnungen) nicht vorangehen. Die Kommunen warten auf die Kriterien (siehe rechts oben). So bremst auch die WBL ihr Großprojekt Grünbühl.Living nach dem zweiten Bauabschnitt, der gerade begonnen hat. Mit Teil 1 sind es hier 180 Wohnungen von 420. Im Jägerhof entstehen 161 Wohnungen, in Neckarweihingen 50. Am Gämsenberg mit Baubeginn 2023 sind es 120.

Neben der Grundschule am Fuchshof baut der Bauträger Bonava. Die Stadt will im Fuchshof erst alle Grundstücke kaufen, bevor dort Baurecht geschaffen wird, laut Hugger soll es noch dieses Jahr so weit sein. Auf dem Gelände des Krauthof in Hoheneck laufen die Verhandlungen, Potenzial gibt es für 100 Wohnungen.