Logo

10 Jahre Zugwiesen
Froschkonzerte wie auf Knopfdruck

Die Erdkröte fühlt sich wohl in den Zugwiesen. Foto: Nabu Ludwigsburg
Die Erdkröte fühlt sich wohl in den Zugwiesen. Foto: Nabu Ludwigsburg
Die Ringelnatter ist in den Zugwiesen mittlerweile heimisch. Foto: Nabu Ludwigsburg.
Die Ringelnatter ist in den Zugwiesen mittlerweile heimisch. Foto: Nabu Ludwigsburg.
Michael Koch macht im Auftrag der Stadt Ludwigsburg die laufenden Bestandsaufnahmen der Natur in den Zugwiesen. Foto: U. Ostarhild
Michael Koch macht im Auftrag der Stadt Ludwigsburg die laufenden Bestandsaufnahmen der Natur in den Zugwiesen. Foto: U. Ostarhild
Typisch für einen Sommertag in den Zugwiesen ist das Froschkonzert, das manchmal plötzlich wie auf Knopfdruck beginnt. Minuten später ist es wieder still. Das vielstimmige Froschkonzert, das an den Stillseen zwischen dem Turm und der Schleuse zu hören ist, stammt allerdings nur von zwei Arten: Vom Teichfrosch und vom Seefrosch.

Ludwigsburg. Der studierte Landschaftsökologe Michael Koch kennt die Zugwiesen wie seine Westentasche. Ein Krokodil ist in den Zugwiesen noch nicht aufgetaucht. Nicht einmal ein kleines. Das hätte sich längst herumgesprochen. Seit mehr als zehn Jahren macht Koch botanische Bestandsaufnahmen in den Zugwiesen. 15 Parzellen wurde ausgemessen und mit kleinen Metallpunkten im Boden ausgepflockt. Der ausgewiesene Ökologie-Fachmann listet in regelmäßigen Abständen alle Pflanzen an den verschiedenen Standorten, vom Bachlauf bis zu den trockenen Blühwiesen, schätzt den Deckungsgrad der Arten.

Zauneidechsen machen sich rar

Bei weiteren Einsätzen beobachtet und zählt der Landschaftsökologe Tagfalter und Libellen und notiert die Vogelarten, die ihm begegnen, in seine Liste. Immer wieder erlebt Koch bei seinen Streifzügen Überraschungen und trifft neue, seltene Arten im Gebiet an. Kürzlich ist ihm der kleine Schillerfalter, eine seltene Schmetterlingsart, zum ersten Mal in den Zugwiesen begegnet. Auch bei den Vögeln gibt es immer wieder Überraschungsgäste: Das scheue Tüpfelsumpfhuhn wurde in den Zugwiesen gesehen, ebenso wie der seltene Rohrschwirl, ein etwa spatzengroßer, unscheinbarer Vogel.

„Die Natur arrangiert sich mit dem, was da ist. Was wir hier an Arten und Entwicklung sehen, entspricht den Gegebenheiten des Gebiets“. Der Ökologe Koch ist im Großen und Ganzen zufrieden, wie sich die Natur in den zehn Jahren im Schutzgebiet Zugwiesen entwickelt hat. „Wenn sich ein Auwald entwickelt, muss man in Kauf nehmen, dass die Gesamtartenzahl an Pflanzen und auch an manchen Brutvogelarten wieder abnimmt“, so der Flora- und Fauna-Spezialist aus Bietigheim. Dafür gibt es die Aussicht, dass künftig der Specht neue Lebensräume in den Bäumen des Auwaldes findet.

Nach dem Motto „in der Natur gibt es kein Gut und kein Böse“ lassen sich auch in den Zugwiesen immer wieder gegenläufige Entwicklungen in der Pflanzen- und Tierwelt beobachten. „Die vielen Nutrias und Bisams, die sich hier angesiedelt haben, fressen gerne Schilf und Rohrkolben. Teilweise roden diese Tiere ganze Schilfflächen, die wir eigentlich zum Schutz einiger Watvögel erhalten wollen“, so Koch.

In diesem Ökosystem spielen auch die Reptilien eine wichtige Rolle. Die Ringelnatter, eine ungiftige heimische Schlangenart, hat in den Zugwiesen mittlerweile einen guten Bestand aufgebaut. „Die Ringelnatter ernährt sich von Mäusen und Fröschen – sie gehört einfach hierher“, so Landschaftsökologe Michael Koch.

„Zauneidechsen, die gerne auf warmen Steinen und Holz unterwegs sind, machen sich in den letzten Jahren rar. In den ersten Jahren, im offenen Gelände nach den Bauarbeiten, waren die Eidechsen öfter anzutreffen. Was wir nicht so gerne sehen, sind die exotischen Schildkröten oder auch die deutsche Sumpfschildkröte, die offenbar unerlaubt im Gebiet ausgesetzt wurden. Spektakulär sind die Entwicklungen bei den Reptilien und Amphibien aber nicht“, so Koch.

An Amphibien hatte Koch vor Baubeginn 2011 zwei Arten beobachten können, zwischendurch waren es sieben Arten. In diesem Jahr habe ich fünf Arten an Fröschen und Kröten feststellen können“, so der Landschaftsökologe. Zur Bestimmung der Amphibien muss Koch auch nachts raus ins Gebiet. „Das gehört beim Monitoring der Natur einfach dazu“.