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Mobilität

Für den Erhalt der Straßen fehlt das Geld

Ludwigsburg steckt zu wenig Geld in den Erhalt seiner Straßen. Das hat eine Kontrolle aller Verkehrswege im vergangenen Jahr ergeben. Fast ein Viertel der Straßen ist in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Und die Coronakrise dürfte alles noch verschlimmern.

Der Zustand vieler Straßen in Ludwigsburg hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert. Archivfoto: dpa
Der Zustand vieler Straßen in Ludwigsburg hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert. Foto: dpa

Ludwigsburg. Jeder kennt sie, jeder ärgert sich darüber und jeder fragt sich: Wann wird diese oder jene Straße endlich gerichtet? Straßensanierungen sind ein heikles Thema für die Verwaltung und für viele Bürger: Sie sind oft teuer, man muss lange darauf warten und am Ende nerven die Baustellen.

2014 hat Ludwigsburg zum ersten Mal alle seine Straßen untersuchen lassen und dabei ihren Zustand ermittelt und ihren Wert berechnet. Im vergangenen Jahr wurde dieser Schritt wiederholt. Die Ergebnisse, die vor kurzem den Stadträten im Mobilitätsausschuss präsentiert wurden, sind teilweise erschreckend.

Zwar hat der Prozentsatz an Straßen, die in Topzustand sind, zwischen 2014 und 2020 von 31 auf 44 Prozent zugenommen. Gleichzeitig hat sich aber auch die Zahl der Straßen vergrößert, deren Zustand eher schlecht ist, die beobachtet werden müssen oder bei denen sogar „dringender Handlungsbedarf“ besteht. Mittlerweile gehören 22 Prozent der Straßen in diese Kategorien. 2014 waren es nur 15 Prozent der Straßen.

Oft werden gute Straßen saniert

Laut Ulrike Schmidtgen, der Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen, investiert die Stadt derzeit zu wenig Geld in ihre Straßen. „Empfohlen sind 1,50 Euro pro Quadratmeter Straße. In Ludwigsburg ist es aber derzeit nur ein Euro.“ Bei 2,2 Millionen Quadratmetern Straßenfläche wären also mindestens 3,3Millionen Euro jedes Jahr nötig.

Außerdem seien in den vergangenen Jahren offenbar überwiegend Straßen saniert worden, bei denen gar nicht so ein großer Handlungsbedarf bestanden habe. Dies erkläre, warum sowohl die Anzahl der Straßen in Topzustand, aber auch die Anzahl der Straßen in schlechtem Zustand zugenommen habe.

Ursache hierfür ist, dass die Sanierungen sich nicht primär nach dem Straßenzustand richten, sondern danach, wo neue Kanäle und Leitungen verlegt werden. Die Leitungsträger, allen voran die Stadtwerke, geben damit den Ton vor, wo Belagsarbeiten stattfinden – und wo nicht.

Die Zunahme von Straßen in schlechtem Zustand, mit Rissen, Schlaglöchern und geflickten Stellen, hat mit dem allgemeinen Verschleiß durch den Verkehr und die Witterung in den vergangenen sechs Jahren zu tun.

Besser sieht es dagegen bei den Gehwegen aus. Laut den von der Stadt beauftragten Kontrolleuren sind über 90 Prozent in gutem oder sehr gutem Zustand. Auch dafür haben die umfangreichen Leitungsarbeiten der vergangenen Jahre gesorgt. „Bei der Wiederherstellung der Oberfläche wurde oftmals die gesamte oder mindestens die halbe Gehwegbreite erneuert“, heißt es in einem Bericht der Verwaltung.

2027 soll der komplette Straßenraum erneut bewertet und begutachtet werden. Ob sich die Situation bis dahin verbessert hat, ist eher unwahrscheinlich. Die Coronakrise sorgt für einen angespannten Haushalt, außerdem wird der Erhalt der Straßen durch die gestiegenen Baukosten für die Stadt immer teurer.

Fünf Projekte im Jahr 2021

Viele Stadträte bedauern diese Entwicklung. Frank Handel (Grüne) findet es erschreckend, welche immensen Kosten der Straßenverkehr mittlerweile verursacht. Er fragt sich auch, welche Rolle Lkw, Busse und SUV-Fahrzeuge sowie die zunehmend heißen Sommer beim Verschleiß des Straßenbelags spielen.

Margit Liepins wundert sich dagegen darüber, dass die Gehwege so gut wegkommen. „Ich kenne viele Gehwege, die in sehr schlechtem Zustand sind.“

Und was ist dieses Jahr bei den Sanierungen geplant? Insgesamt vier Straßen beziehungsweise Straßenabschnitte hat sich die Verwaltung vorgenommen (Infobox rechts). Das größte Projekt ist der vierte Bauabschnitt der Schwieberdinger Straße. Knapp 1,2 Millionen Euro sind für alle vier Belags- und Sanierungsarbeiten eingeplant. Damit bleibt Ludwigsburg erneut weit unter dem Betrag von mindestens 3,3 Millionen Euro im Jahr, den die Stadt in den Erhalt ihrer Straßen investieren müsste.

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