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Natur

Gans viel Arbeit

Stuttgarter Ornithologin beringt Gänse am Golfplatz Monrepos

Zuerst werden die Gänse zusammengetrieben. Dazu läuft Friederike Woog (rote Mütze) mit Freiwilligen in einem Halbkreis auf die Tiere zu, bis diese umringt sind. Fotos: Holm Wolschendorf
Zuerst werden die Gänse zusammengetrieben. Dazu läuft Friederike Woog (rote Mütze) mit Freiwilligen in einem Halbkreis auf die Tiere zu, bis diese umringt sind. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Graugänse zetern und fauchen. Ihnen gefällt gar nicht, was da mit ihnen passiert. Gerade noch sind sie gemütlich über den Golfplatz am Monrepos gewatschelt, nun kommt eine Menschenkette auf sie zu und treibt sie zusammen. Doch die Menschen wollen den Gänsen nichts Böses. Friederike Woog, Ornithologin am Naturkundemuseum Stuttgart, möchte sie mit freiwilligen Helfern beringen und beproben.

Friederike Woog ist seit 2002 dabei, die Graugans- population in der Region Stuttgart zu untersuchen. Die Beringungen im süddeutschen Raum werden von der Vogelwarte Radolfzell koordiniert. Bereits vor zehn Jahren hat Friederike Woog Gänse in der Umgebung beringt, mit den aktuellen Daten kann nun verglichen werden, ob zusätzliche Vögel immigriert sind.

Nur wenige der etwa 30 Gänse, die die Freiwilligen auf dem Golfplatz Monrepos fangen, tragen bereits einen Ring. Bei einer Gans wird er ausgewechselt. „Der war abgenutzt“, sagt Friederike Woog.

Auf die Helfer wartet ganz schön viel Arbeit. Zuerst bekommt jede Gans zwei Ringe an die Füße: Rechts einen blauen aus Plastik, links einen kleinen Metallring. „Die großen kann man besser lesen, die Metallringe halten länger“, erklärt Friederike Woog die Vorgehensweise.

Während der Bearbeitung tragen die Graugänse kleine Stoffbeutel über dem Kopf. Dadurch verhalten sie sich ruhig und beißen nicht. Die meisten Vögel bleiben tatsächlich ruhig liegen.

Doch der kleine Picks bei der Blutabnahme gefällt ein paar Gänsen dann doch nicht. Sie zappeln und versuchen, mit den Flügeln zu schlagen. Doch die Freiwilligen halten sie weiter fest und reden beruhigend auf sie ein. Das Blut der Gänse wird untersucht, die Wissenschaftler wollen damit die Verwandtschaft der Gänsegruppen untereinander feststellen.

Oft wird außerdem auch ein Kloakenabstrich genommen, um Gänse mit Vogelgrippe zu identifizieren. Darauf verzichtet Friederike Woog aber an diesem Abend. Die Gruppe hat noch zu viele Gänse vor sich, außerdem sei für Vogelgrippe nicht die richtige Jahreszeit. Die Krankheit tritt vermehrt im Herbst und Winter auf, erklärt die Ornithologin.

Schließlich werden die Gänse auch mit einer Hängewaage gewogen und vermessen. Das Gewicht, die Länge vom Hinterkopf bis zur Schnabelspitze und die des Tarsus, dem unteren Bein, werden in eine Liste getragen.

Angefangen haben die Untersuchungen von Friederike Woog, als sie 2000 ans Naturkundemuseum kam. Damals lebten vor dem Museum zwölf Graugänse. Über die Jahre haben sie sich in das gesamte Umland ausgebreitet. „Anhand der Ringe können wir sagen, wo eine Gans von der Geburt bis zum Tod war“, so die Ornithologin. „Und auch, wann sie sich verpaart, wo sie gebrütet hat und wie viele Junge sie hatte.“

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