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Corona

Gastronomie: Die Wirte sind am Limit

Deutschlands Gastronome und Hoteliers schauen mit Spannung auf kommenden Mittwoch. Denn dann treffen sich ein weiteres Mal die Länderchefs mit der Bundeskanzlerin, um über das weitere Vorgehen in der Coronapandemie zu beraten. Wie andere Branchen auch, fordern Gastronomie und Hotellerie eine klare Öffnungsperspektive.

Symbolfoto: Keine Gäste aber laufende Kosten - Gastronome und Hoteliers stecken in der Krise. Foto: weyo/Stock Adobe
Symbol Foto: Keine Gäste aber laufende Kosten - Gastronome und Hoteliers stecken in der Krise. Foto: weyo/Stock Adobe

Ludwigsburg. Bäm! Bäm! Bäm! In der Küche des Athleten-Häusle Oßweil werden Schnitzel geklopft. Auf der Tageskarte steht Zwiebelschnitzel mit Bratkartoffeln. Die Tische bleiben freilich leer. Die Gäste müssen sich ihr Essen abholen. Denn wie alle anderen Restaurants auch, darf im Athleten-Häusle nur außer Haus verkauft werden.

„Mittags ist es ganz gut“, sagt Inhaberin Mira Beslic. Das Athleten-Häusle liege benachbart zu einigen Büros, deren Mitarbeiter sich mittags ein Essen holen. „Und wir haben auch viele ältere Stammgäste.“ Abends allerdings sei kaum ein Geschäft zu machen. Und das schlägt langsam auch aufs Gemüt: „Es ist schwierig, jeden Tag gegen die leeren Tische zu gucken. Wir haben jetzt ein bisschen frisch dekoriert, damit es nicht ganz so trostlos aussieht.“

Auch bei Familie Simunovic, den Pächtern des Restaurant Lembergblick, gibt es an diesem Montag Schnitzel. Mit Rahmsoße, Käsespätzle und Salat. Für 8,50 Euro. „Wir müssen drauflegen“, sagt der Wirt. Er führt die Vereinsgaststätte des SV Poppenweiler gemeinsam mit seiner Frau. Das Außer-Haus-Geschäft laufe schwer. „Wir sind hier im Dorf, da wird mittags noch gekocht.“ Auch ihm geht die Situation an die Nieren. Ungewissheit und Sorgen belasten. „Das ist wie ein offenes Gefängnis“, sagt er. Staatliche Hilfen hat er nicht beantragt. „Ich werde keinen Euro nehmen!“ Der Verpächter sei ihm mit der Pacht entgegengekommen, noch wichtiger sei aber die finanzielle Hilfe von seinem Sohn.

Frank Seidel von Seidels Salatbar hat die November- und Dezemberhilfen bereits bekommen. „Aber das ist schon alles verbraucht.“ Seit Februar bietet er in der Ludwigsburger Fußgängerzone wieder Salate und mehr zum Mitnehmen an. „Wenn ich den Laden geschlossen halten würde, wäre es günstiger.“ Der Umsatz sei einfach nicht kostendeckend. Aber es gehe schließlich auch um seine Mitarbeiterinnen, und um die Zukunft: „Wenn es irgendwann wieder los geht, bin ich froh, wenn auch meine Leute wieder alle dabei sind.“

Auch Frank Seidel hat ein Entgegenkommen des Vermieters erfahren, doch so lange die Geschäfte in der Innenstadt geschlossen und viele Beschäftigte im Homeoffice sind, sei es sehr schwer.

Schwere Zeiten sind es momentan auch für die Hoteliers. Statt Buchungen zu koordinieren und Veranstaltungen zu organisieren, rufen weinende Bräute an, die ihre Hochzeit zum zweiten Mal verschieben müssen, und Firmen, die Tagungen verlegen, erzählt Michael Steinbrück, Direktor im Nestor-Hotel.

Das Haus entlang der Stuttgarter Straße hat normalerweise durchschnittlich zwischen 3500 und 4500 Übernachtungen pro Monat. Derzeit sind es nur 200. Umgerechnet etwas mehr als eine Übernachtung pro Tag. „Unsere Situation ist unverändert bescheiden.“

Unter der Woche leben die Ludwigsburger Hotels fast ausschließlich von Geschäftskunden. Und derzeit dürfen Hotels auch nur solche beherbergen. „Aber sehr viele Firmen hier in der Region haben für ihre Mitarbeiter Reisestopps bis in den Herbst verhängt“, sagt Steinbrück. Eine Rückkehr zur Normalität werde es also so schnell nicht geben können, selbst wenn die Politik nun die Rahmenbedingungen ändern würde. Zum Glück, so sagt der Direktor, habe das Nestor eine Aktiengesellschaft als Mutterkonzern im Hintergrund. Da sei finanziell gesprochen „etwas mehr Speck auf den Rippen“. Aber die Ungewissheit bleibe. „Wir möchten alle gerne Gastgeber sein, aber dazu brauchen wir auch Gäste.“

Im Poppenweiler Lembergblick geht der Blick derweil nach draußen hin zum großen Biergarten. „Das ist jetzt meine ganze Hoffnung“, sagt Wirt Simunovic. Wenn es aber dann zu einer erneuten Zwangsschließung käme, „dann gibt man auf.“ Und in Oßweil? „Wenn es nicht weitergeht, dann wissen wir auch nicht weiter“, sagt Mira Beslic. Aber erstmal werden hier Schnitzel geklopft.

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