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Corona

Gastwirte hoffen auf viele Gäste ab Montag

Restaurants, Cafés und Bars dürfen wieder öffnen – Viele Auflagen von der Landesregierung – Ludwigsburg erlaubt Erweiterung der Außenflächen

Vorbereitung auf die Wiederöffnung: Gastronomen müssen darauf achten, dass zwischen den einzelnen Tischen mindestens 1,5 Meter Abstand ist. Foto: Sina Schuldt/dpa
Vorbereitung auf die Wiederöffnung: Gastronomen müssen darauf achten, dass zwischen den einzelnen Tischen mindestens 1,5 Meter Abstand ist. Foto: Sina Schuldt/dpa

Seit Mitte März steht für viele Wirte die Zeit still. Wegen der Coronapandemie mussten sie schließen, dürfen ihre Gäste nur noch mit Essen zum Mitnehmen bekochen. Lange Zeit hingen die Gastronomen in der Luft, denn die Landesregierung ließ sich Zeit mit einem Termin zur Wiederöffnung. Am Montag ist es jetzt so weit: Die Türen zu den Restaurants, Cafés und Bars dürfen wieder geöffnet werden, Gäste können zum Mittagessen einkehren oder abends gemütlich essen gehen. Doch es gibt Auflagen, die Gastronomen und Gäste beachten müssen (siehe Kasten rechts).

Die Auflagen stellen die Wirte vor einige Herausforderungen. Denn die Gäste müssen etwa an ihren Platz geführt, die Tische und Armlehnen nach jedem Gast desinfiziert werden. „Da wird mehr Personal benötigt“, sagt Jürgen Feyhl, Inhaber der Bar Baron am Ludwigsburger Marktplatz. Frank Seidel sieht bei seiner Salatbar noch ein weiteres Problem: Normalerweise gilt dort nämlich Selbstbedienung. Doch jetzt braucht er mehr Personal, das etwa desinfiziert und die Tische abräumt. „Das ist in unsere Preise nicht einkalkuliert“, so Seidel.

Der Krisenstab der Stadtverwaltung hat in den vergangenen Tagen verschiedene Ergänzungen zu den Auflagen der Landesregierung diskutiert. So wird eine Mund- und Nasenabdeckung in Ludwigsburg nicht nur empfohlen, sondern ist Pflicht, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern beim Verlassen des Tisches nicht eingehalten werden kann. Zudem besteht für die Beschäftigten eine Maskenpflicht in allen Räumen und auf den Außenflächen der Gastronomie. Und wenn ein Gast seine Kontaktdaten nicht mitteilen möchte, muss er die Gaststätte verlassen.

Vier Wochen lang sollen Gastronomen Datum und Uhrzeit des Besuches sowie Kontaktdaten des Gastes aufheben, bevor die Daten vernichtet werden müssen. So können alle Besucher kontaktiert werden, sollte ein Coronafall zu einer bestimmten Zeit in der Gaststätte auftreten. Im Baron gibt es zur Datenerfassung einen QR-Code am Eingang, erläutert Inhaber Jürgen Feyhl. Gäste können also direkt über ihr Handy ihre Kontaktdaten eingeben. Außerdem sehen sie auf dem Bildschirm auch gleich die Tageskarte und das Menü. „Es gibt aber auch Zettel und Kugelschreiber“, so Feyhl. Schließlich könne man nicht davon ausgehen, dass alle Gäste ein Handy dabei haben.

„Wir wissen, dass unsere Gastronomie momentan sehr leidet, wie viele Branchen“, so Oberbürgermeister Matthias Knecht. Da den Gaststätten durch das Abstandhalten weniger Plätze zur Verfügung stehen, kommt die Stadt ihnen bei der Außengastronomie entgegen: Wo immer es räumlich möglich ist, dürfen die Außenflächen erweitert werden – bis hin zur doppelten ursprünglich genehmigten Fläche. Für die Gaststätten am Marktplatz gilt das zu den Zeiten, an denen kein Wochenmarkt stattfindet. Damit die Gastronomen wissen, wo Brandschutzgassen frei gehalten werden müssen und wo erweiterte Stellflächen möglich sind, werden Mitarbeiter der Technischen Dienste und von Tourismus und Events unterwegs sein, um die Flächen mit Sprühkreide zu kennzeichnen, erklärte Knecht auf Nachfrage. Die Sprühkreide sei eine sehr kurzfristige Lösung, man überlege bereits, was länger haltbar wäre. „Wir müssen auf jeden Fall vergrößern“, sagt Feyhl. Denn sonst könnten nur 50 Prozent der Plätze belegt werden. Auch Frank Seidel kann sich in der Asperger Straße etwas ausbreiten. Aber ob das überhaupt nötig ist? Der Gastwirt ist skeptisch. „Vielleicht können wir auch fünf Meter Abstand zwischen den Tischen lassen, weil so wenig Gäste kommen“, sagt er. Er glaubt nicht, dass es ab Montag einen Ansturm auf die Gaststätten gibt. Der sei im Blüba ja auch ausgeblieben. „Ich hoffe aber, dass die Leute bald wieder Lust haben werden, länger in der Stadt zu verweilen“, so Seidel.

Alessandro Gregorio wird den Gästen seiner Feinkost Galeria noch keine Plätze zur Verfügung stellen. „Wir machen am Montag mal mit Essen zum Mitnehmen weiter“, sagt er. In seinem kleinen Laden in der Körnerstraße habe er nicht so viele Möglichkeiten, die Tische mit Abstand zu stellen. Es könne aber gut sein, dass er ab Dienstag oder Mittwoch ein paar Plätze zur Verfügung stellt – dann aber nur draußen. Gregorio hat bereits Plexiglas gekauft, um die langen Tische in der Mitte zu trennen. So können mehrere Gäste dort sitzen. Auch die Ausweitung der Außenfläche ist für Gregorio eine Option. Er habe schon mit dem Inhaber des Friseursalons nebenan gesprochen. „Ich dürfte einen Tisch vor sein Schaufenster stellen“, so Gregorio.

Auch in der Eberhardstraße freut man sich über das Entgegenkommen der Stadt. „Das ist für uns ein Segen“, sagt Richard Leheis von der Weinstube Klingel. Er hat normalerweise nur an der Häuserwand entlang bestuhlt, ab Montag wird er noch eine Reihe Tische an der Straße entlang stellen. Dazwischen soll ein Durchgang bleiben für Passanten. Es sei Zeit, dass die Gastronomie wieder öffnen darf, so Leheis. Der Abholservice habe nur etwa 20 Prozent des Umsatzes eingebracht. Vorerst rechnet er auch noch nicht mit dem gesamten Umsatz. „Wir leben viel von Vereinen, und die fallen erst mal immer noch weg“, so Leheis. Denn große Gruppen dürfen weiterhin nicht bewirtet werden.

Die Stadtverwaltung prüft derzeit außerdem, ob sie den Gastronomen bei der Sondernutzungsgebühr entgegenkommen kann. Das hatte – genauso wie die unkomplizierte Erweiterung der Außenflächen – der Innenstadtverein Luis in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses vergangene Woche gefordert. Der Gemeinderat wird in seiner Sitzung am 17. Juni darüber beraten, so Knecht. Eine frühere Beratung sei nicht möglich. Für die acht Sommermonate (Anfang März bis Ende Oktober) kostet die Außenbewirtschaftung bisher zwischen 20 und 45 Euro pro Quadratmeter, je nachdem, in welchem Gebiet die Gaststätte liegt.

Die Auflagen für die Gastronomie im Überblick

Die Landesregierung hat einige Regeln für die Wiederöffnung der Gastronomie aufgestellt. Was Gastronomen ab Montag beachten müssen:

Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden – auch zwischen den Tischen.

Den Gästen muss ein Sitzplatz zugewiesen werden.

Für die Gäste muss es am Eingang eine Möglichkeit zum Händewaschen oder zur Desinfektion geben.

Tischflächen, Armlehnen und Griffe müssen regelmäßig gereinigt werden.

Beschäftigte müssen in den Räumen mit Gästekontakt eine Alltagsmaske tragen.

Name und Kontakt des Gastes und Datum und Uhrzeit des Besuchs müssen notiert und vier Wochen lang aufbewahrt werden.

Diese Tipps gibt der Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Baden-

Württemberg den Gästen:

Im Vorfeld einen Tisch reservieren, damit der Besuch möglichst koordiniert und reibungslos verläuft.

Auf die Einhaltung des Abstandsgebotes auf den Verkehrswegen (Eingangsbereich, Treppen, Türen und

Toiletten) achten. Bei geringeren Abständen als 1,5 Meter empfiehlt sich eine Mund-Nasen-Abdeckung.

Das gemeinsame Sitzen mehrerer Gäste an einem Tisch ist nur Personen aus dem Kreis der Angehörigen des eigenen sowie eines weiteren Haushalts gestattet.

Die Mitarbeiter sind angehalten, den Kontakt und die Kommunikation mit Gästen auf das Mindestmaß zu reduzieren. Bitte nicht als Zeichen der Geringschätzung betrachten.

Die Möglichkeit der bargeldlosen Bezahlung nutzen, bei Barzahlung das Geld auf die Ablagefläche legen. (red)

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